Terceĭra [2]


Terceĭra [2]

Terceĭra (spr. Terseira), Antonio Jose de Souza, Graf von Villaflor, Herzog von T., geb. 10. März 1792 in Lissabon, trat 1803 ins Heer u. stieg im Kriege gegen Napoleon bis zum Stabsoffizier; 1816 ginger nach Brasilien, wo er 1817 Commandant eines Regiments in Pernambuco u. bald darauf Gouverneur der Provinz Para u. 1820 von Bahia wurde. 1823 kehrte er mit dem König Johann VI. nach Europa zurück u. war 1826 Oberst u. Brigadier, als König Johann VI. starb, die Infantin Isabella als Regentin den Eid auf die Constitution leistete u. Donna Maria von Dom Pedro den Thron abgetreten erhielt. Von der Regentin zum Marescal del Campo ernannt, wurde er gegen den Marquis de Chaves, den Anhänger Dom Miguels, gesendet, drängte diesen zweimal über die spanische Grenze zurück u. wurde Obergeneral der Nordarmee u. im Juni 1827 militärischer Befehlshaber von Lissabon. Als eifriger Anhänger constitutioneller Grundsätze wurde er, als 1828 Dom Miguel die Regentschaft übernahm, mit Kälte aufgenommen, nur als Brigadier anerkannt, vom Pöbel insultirt u. flüchtete sich auf ein englisches Schiff, auf welchem er nach London ging. Als im Juni 1828 die constitutionelle Partei sich Oportos bemächtigte, ging er auch dahin, kam aber zu spät u. mußte nach England zurückkehren. Hier bereitete er die Unternehmung nach Terceira vor, bemächtigte sich dieser Insel 22. Juni 1829 u. 1830 auch der Azoren, wurde von Dom Pedro mit dem Oberbefehl der dort gesammelten Truppen betraut, landete von da aus im Juli 1832 in Oporto, dessen Vertheidigung[380] er Anfangs allein, dann aber General Solignac führte, wurde zum Herzog von Terceira ernannt, ging 1833 nach Algarbien, marschirte im Juli 1833 mit dem Herzog von Palmella mit 8000 Mann auf Lissabon u. schlug mit 2500 M. das 6000 M. starke Heer Dom Miguels unter Tellez Jordao bei Almada, worauf Lissabon den 24. Juli besetzt u. T. im August zum Feldmarschall ernannt wurde. T. schlug im Septbr. den Angriff Bourmonts auf Lissabon ab, durchbrach mit Saldanha gemeinschaftlich die festen Linien Dom Miguels u. warf ihn nach Santarem. Durch Zwistigkeiten geärgert, legte er das Commando über die Armee nieder u. zog sich nach Lissabon zurück, übernahm aber im März 1834 wieder den Oberbefehl über Oporto, reinigte mit dem spanischen General Rodil die nördlichen Provinzen von den Miguelisten, worauf Dom Miguel Portugal verließ. Bei Dom Pedro u. der Königin Maria da Gloria sehr angesehen, wurde er eine Zeit lang Minister, dankte aber im März 1835 wieder ab. Als das Ministerium Bomsin die Charte von 1822 herstellte, sammelte er mit Saldanha zur Gegenrevolution Truppen im Norden von Portugal, mußte sich jedoch im September 1837 unterwerfen. Als Haupt der Chartisten wurde er, als 1842 die Charte Dom Pedros von 1826 wieder hergestellt wurde, Ministerpräsident, dankte aber bald wieder ab, blieb indeß Oberbefehlshaber der Truppen in Lissabon; 1843 wurde er wieder Ministerpräsident u. Kriegsminister, legte aber erstere Stelle nieder u. behielt nur das Kriegsministerium. Mit Saldanha leitete er im October 1846 die Contrerevolution im monarchischen Sinne u. ging als Vertreter der Krone mit unbeschränkter Vollmacht nach den nördlichen Provinzen Portugals, wurde aber in Porto von den Aufständischen gefangen u. erst nach der Capitulation der Stadt im Juni 1847 wieder befreit. Im März 1850 wurde er Commandant der ersten Armeedivision in Lissabon u. begleitete im April 1851 den König auf seinen Zügen gegen die Revolution Saldanhas nach Santarem. Bei der Neubildung des Ministeriums, nach dem Rücktritt Loule's, wurde der Herzog am 16. März 1859 Präsident des Cabinets u. führte zugleich die Portefeuilles des Äußern u. des Krieges, starb aber 26. April 1860.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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