Terentĭus


Terentĭus

Terentĭus. Die Terentia gens war plebejischen u. wahrscheinlich sabinischen Ursprungs; bes. berühmt war daraus die Familie Varro (s.d.). Nicht zu diesem Geschlecht gehört Publius Ter. Afer, römischer Komödiendichter, ein Carthager, geb. um 194 v. Chr., wurde in den Nnmidischen Kriegen als Kind geraubt u. vom Senator Terentius Lucanus gekauft. Sein Herr ließ ihm eine gute Erziehung geben u. schenkte ihm die Freiheit. Seine Bildung u. seine Komödien, mit welchen er in Rom ungetheilten Beifall fand, machten ihn mit dem jüngeren P. Corn. Scipio u. C. Lälius bekannt, welcher Erstere ihm sein Landhaus zur Benutzung überließ. Dieses Verhältniß benutzten seine, weniger glücklichen Nebenbuhler auf dem Theater, namentlich Luscius Lanuvinus, zu nachtheiligen Gerüchten über ihn. 162 (160) begab er sich nach Griechenland, wo ev im folgenden Jahre starb, nach Ein. in Stymphalos aus Gram, weil er in einem Schiffbruch 108 seiner dramatischen Arbeiten verloren hatte, nach And. in dem Schiffbruch selbst. Übrig sind sechs, griechischen Mustern nachgebildete Komödien: Andria (Mädchen von Andros od. die wiedergefundene Tochter), Eunuchus (der Castrat), Heauton Timorumenos (der Selbstpeiniger), Adelphi (die ungleichen Brüder, deutsch von v. Einsiedel, Weimar 1802), Phormio (deutsch nebst Eunuchus von Köpken, Lpz. 1850), Hecyra (Schwiegermutter).[382] Man behauptet, daß Scipio u. Lälius großen Antheil an der Abfassung seiner Komödien gehabt haben. Zum Vorbild nahm er die Griechen Apollodoros u. Menander; dem Plautus steht er in wahrer Komik nach, übertrifft ihn aber durch größere Kunst u. Feinheit in der Anlage seiner Stücke u. in der seinen Charakterzeichnung u. planmäßigen Entwickelung der Handlung; die Sprache ist die Conversationssprache der höheren Gesellschaft. Scholien über die Komödie des T. trugen im 4 Jahrh. Äl. Donatus (s.d.) u. Eugraphius aus älteren Erklärern, Ämilius Asper, Valerius Probus, Martius Salutaris, Flavius Caper u. Helenius Capro, zusammen; auch sind die Didascalien (s.d.) über die Aufführung seiner Stücke erhalten. T. wurde auch im Mittelalter noch gelesen u. seine Komödien von der Nonne Hroswitha zu christlichen umgearbeitet u. auch von Andern nachgeahmt; die Aufführung derselben aber in neuester Zeit, wie die des Sophokles, haben nicht gleichen Beifall gefunden. 1. Ausg. Mail. 1540, Fol.; von Muret, Ven. 1555 u. ö.; von Lindenbrog, Par. 1602; von Gronov, Leyden 1686; von R. Bentley, Cambr. 1726 u. ö., zuletzt von Vollbehr, Kiel 1846; von Westerhov, Haag 1727, verbessert u. vermehrt von Stallbaum, Lpz. 1830 f., 6 Bde.; von Zeune, Lpz. 1774; von Lenz, Jena 1785, 2 Bde.; von Gudm. Magnäus, Kopenh. 1788; von Schmieder, Halle 1794; von Brunck, Basel 1797; F. H. Bothe, Berl. 1806; P. I. Bruns, Halle 1811, 2 Bde.; F. C. G. Perlet, Lpz. 1820, 1827; R. Klotz, ebd. 1838–40, 2 Bde.; Reinhold, Paselw. 1838 f., 2 Bde. Deutsche Übersetzungen seit der von H. Hain, Lpz. 1535, viele; zuletzt von v. Patzke, Halle 1753; Neide, Lpz. 1784–87, 2 Bde.; Roos, Gießen 1794–98, 2 Bde.; Schmieder, Halle 1790 ff., 6 Bde.; Kindervater, Jena u. Lpz. 1799 f., 2 Thle.; Fr. Hildebr. v. Einsiedel, Lpz. 1806, 2 Thle.; Benfey, Stuttg. 1837, 6 Bde.; Fr. Jacob, Berl. 1845; Herbst, Stuttg. 1855; kritisch beleuchtete ihn Ritschl in den Parerga zu Plautus u. T., Lpz. 1845; Lebensbeschreibung von C. Sagittarius, Altenb. 1761.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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