Unverbrennlich machen


Unverbrennlich machen

Unverbrennlich machen, etwas, namentlich den eigenen Körper gegen äußere Hitze unzugänglich u. unempfänglich machen. Dies geschieht entweder, indem man sich mit einem unverbrennlichen od. die Hitze eine Zeit lang abhaltenden Kleide bedeckt, z.B. aus Amianth, Steinpappe, od. ein die Abkühlung beförderndes Metallnetz über sich zieht etc.; od. indem man seine Haut unmittelbar zum Widerstehen der Hitze vorbereitet, wie die sogenannten Unverbrennlichen od. Feuerfesten, welche sich zuweilen in Schaubuden für Geld sehen lassen, zu thun pflegen. Sie reiben die Haut mit einer aus Alaun u. Seife gemachten Seife od. blos mit einer recht eingedickten Auflösung von Alaun ein; hierdurch[268] werden Hände u. Füße so unempfindlich, daß man in geschmolzenes Metall greifen u. glühendes Eisen anfassen kann. Auch die Zunge kann man durch Bestreichen mit einer Alaunauflösung, Aufstreuen von Zucker u. Einreiben mit Seife unempfindlich machen, so daß man ein glühendes Eisen daran halten u. siedendes Öl darauf gießen kann; Einreiben der Haut u. Haare mit gestoßenem Alaun u. Kochsalz, nebst darunter gemengtem Weingeist, macht dieselben gegen ein glühendes Eisen unempfindlich; eine mit Fett angemachte Salbe von gestoßenem Alaun, Kochsalz u. Braunstein macht die damit eingeriebene Haut fähig geschmolzenes Blei kneten u. darauf treten zu können; gleiche Unverbrennlichkeit bewirkt auch nach Sementini das Waschen mit einer Lösung von 1/2 Pfund Alaun in 2 Pfd. Wasser u. 4 Loth Schwefelsäure. So weit die meist älteren Vorschriften wirklich die Mittel angeben, um den menschlichen Körper fühllos gegen geschmolzene Metalle etc. zu machen, dürfte ihnen hauptsächlich das von Leidenfrost entdeckte Phänomen zu Grunde liegen, daß ein bis zu einem bestimmten Grade befeuchteter Körper in glühend heißes geschmolzenes Metall getaucht, dadurch vor stärkerer Erhitzung bewahrt wird, daß sich zwischen beiden eine Dampfhülle befindet, welche, an sich schlecht wärmeleitend, in jedem Augenblicke auch noch erneuert wird; so soll ein mäßig seuchter Finger in geschmolzenes Gußeisen ohne Gefahr getaucht werden können. Unverbrennliche (zum Theil schwerentzündliche) Stoffe wie Holz, Papier, Gewebe hat man von jeher darzustellen gesucht, z.B. Gewebe (Papier) aus Serpentin-Asbest (Amianth). Das Holzwerk bei Bedachungen wird zuweilen mit einer feuerabhaltenden Kruste aus Kalk, Quark u. Sand, od. mit Lehm (auch schwefelsaurem Baryt od. Zink) bestrichen, häufiger wird es durch die schwerentzündliche Steinpappe (s.d.) ersetzt. Die Mittel, welche man in der Neuzeit anwendet, um Gewebe, bes. Kleiderstoffe, schwer entzündlich zu machen, gründen sich meist auf die Einverleibung eines Salzes, welches an sich ein schlechter Wärmeleiter ist, u. die Faser bes. beim Schmelzen so dicht überlagert, daß der Luftsauerstoff abgesperrt ist. Gute Resultate fand man beim Tränken od. Bestreichen von Tapeten, Coulissen, Theatervorhängen, Geweben aller Art mit Lösungen von Borax od. Alaun, Salmiak, Pottasche, bes. aber Wasserglas (s.d.), ferner mit einer Lösung von 7–10 Proc. krystallisirtem schwefelsaurem Ammoniak, so wie einer Lösung von phosphorsaurem Ammoniak. Zu der letzten werden 16 Theile einer 10o B. starken Phosphorsäurelösung mit 21/2 Theilen kohlensaurem Ammoniak u. einer 10o B. starken Lösung von 6 Theilen Salmiak u. mit 1 Theil Arabischem Gummi vermischt. Holz läßt man 24 Stunden darin liegen; für Gewebe kann sie noch auf 10o B. verdünnt werden. Als das für Kleiderstoffe brauchbarste Salz gilt jetzt das einfach wolframsaure Natron (in England Lady's life preserver genannt), welches man darstellt, indem man Wolframerz mit Überschuß von Soda schmilzt, die Masse in Wasser auslaugt u. ein- bis zweimal umkrystallisirt Man benutzt hiervon eine etwa 20 Proc. enthaltende Lösung (19o B. od. 1,14 spec. Gewicht), mischt aber, damit nicht saures wolframsaures Natron auskrystallisirt, 3 Proc. phosphorsaures Natron bei. Will man bei Anwendung eines dieser Salze ganz sichere Resultate haben, so muß man die Imprägnation erst nach dem Stärken u. Trocknen vornehmen, 1 Gallone (31/2 Quart) Auflösung reicht hin für 8–10 Kleider.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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