Vauban [1]


Vauban [1]

Vauban (spr. Wohbang), Sebastian le Prestre de V., geb. 15. Mai 1633 zu St. Leger de Foucheret in Burgund, Sohn von adeligen, aber armen Eltern; trat 17 Jahre alt in die spanische Armee in das von dem großen Condé befehligte Regiment als Cadet. Bald ging er zum Ingenieurcorps über u. schon 1653, nachdem er gefangen worden u. in französische Dienste getreten war, zeichnete er sich vor St. Menehould u. 1654 vor Skenai aus. 1658 befehligte er als Brigadier u. General vor Gravelingen, Ypern u. Oudenaarde. 1662 befestigte er Dünkirchen, dann Fort Louis u. Mardyk u. 1667 zwang er die meisten belgischen Städte zur Capitulation. 1668 wurde er Gouverneur von Lille, baute die Citadelle u. verstärkte die Werke dieser u. mehrer flandrischen Städte. 1669 wurde er Generalinspector aller französischen Festungen, 1689 erhielt er den Oberbefehl an der flandrischen Küste, leitete 1697 die Belagerung von Ath u. wurde 1703 Marschall. Verdient machte er sich um die Belagerungskunst durch die Vervollständigung u. eigentliche Erfindung der Parallelen u. durch die Anwendung des Ricochetschusse zu Belagerungen. Er beschäftigte sich auch mit Civilbaukunst u. baute die Schleuße von Gravelines u. den Hafen von Toulon. 1705 fiel er wegen eines an Ludwig XIV. gerichteten Promemoria in Ungnade, wurde in Ruhestand gesetzt u. st. in Paris 13. März 1707, nachdem er 33 Festungen (außer den bereits genannten das Fort Neulai bei Calais, Maubeuge, Longwy, Pfalzburg, Befort, St. Jean Pied de Port, Hüningen, Freiburg, Bahonne, Fort Andrye, St. Martin, Brouage, Rochefort, Brest, die Citadelle von Strasburg, Fort Kehl, Fort Mont Royal, Landau, Mons, Briançon, Fenestrelles, Mont Dauphin u.m.a.) gebaut, über 300 andere verbessert, die Belagerung von 53 Festungen geleitet u. 140 Gefechten u. Schlachten beigewohnt halte; nie hatte er eine Festung vertheidigt. Trotz dem, daß V. immer behauptete kein eigentliches System zu haben, sondern blos nach den Umständen u. nach dem Terrain zu bauen, hat man doch eine eigene Vaubansche Befestigungsmanier allgemein angenommen u. nach V-s, von Cormontaigne (s.d.) u. And. verbesserten Grundsätzen 150 Jahre lang die meisten Festungen angelegt. Über die drei Manieren V-s s.u. Befestigungsmanier S. 484. Die unter seiner Leitung verfertigten Modelle der französischen Festungen wurden 1815 durch die Verbündeten nach Berlin gebracht. Er schr.: Mémoires pour servir d'instruction dans la conduite et dans la défense des places, Leyd. 1740 (deutsch Berl. 1744); Traité de sièges, Par. 1743; Traité de l'attaque des places, herausgeg. von Augoyat, ebd. 1829; Traité de la défense, ebd. 1829; Oeuvres militaires, herausgeg. von Foissac, ebd. 1793. Vgl. Fontanelle, Eloge de V. in der Histoire de l'Académie des sciences, an 1770, u. in dessen Oeuvres Bd. 3.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Vauban — (spr. wobáng), Sébastien le Prêtre de, franz. Marschall und Kriegsbaumeister, geb. 1. Mai 1633 zu St Léger de Foucherets (Burgund), seit 1669 Generalinspektor der franz. Festungen, 1703 Marschall, gest. 30. März 1707 in Paris; erbaute 33 feste… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Vauban — (Wobang), Sebastien le Prêtre de, berühmter franz. Ingenieur, geb. 1633 zu St. Leger de Foucheret in Burgund, trat im 17. Jahre als Ingenieur in den Kriegsdienst und spielte in allen Kriegen Ludwigs XIV. eine wichtige Rolle, wurde 1669… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Vauban — Vauban, Sébastien Le Preste, marqués de …   Enciclopedia Universal

  • Vauban — [vō bän′] Marquis de [də] ( Sébastien Le Prestre) 1633 1707; Fr. military engineer …   English World dictionary

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