Wladislaw


Wladislaw

Wladislaw (Ladislaw), A) Herzöge u. Könige von Böhmen: a) Herzöge: 1) W. I., jüngerer Sohn des Königs Wratislaw, folgte 1109 seinem ältern Bruder Swatopluk u. st. 1125; s. Böhmen S. 16; er war vermählt mit Gertrude, Tochter des Markgrafen Leopold von Österreich. 2) W. II., Sohn des Vor., folgte 1140 auf seinen Oheim Sobieslaw, erhielt vom Kaiser Friedrich 1158 den Titel als König, übergab 1173 (1174) seinem Sohne Friedrich die Regierung, was jedoch der Kaiser nicht anerkannte, zog sich nach der Lausitz od. dem Osterlande zurück u. st. hier 1174 (1175); s. ebd. S. 16; er war vermählt mit Jutta. Tochter des Landgrafen Ludwig II. von Thüringen. 3) W. III., jüngster Sohn des Vor., wurde 1196 an die Stelle seines Bruders Primislaw zum Herzog gewählt, wich demselben 1197 wieder u. erhielt die Markgrafschaft Mähren; er st. 1218, s. ebd. S. 16. b) Könige: 4) W. I., so v.w. Wladislaw 25). 5) W. II., so v.w. Wladislaw 26). B) König der Bulgaren: 6) W. Bladisthlaw, regierte 1015–1019, s. Bulgaren S. 443. [311] C) König von Kroatien: 7) W., Sohn des Königs Andreas von Ungarn, 1386–1400 König von Kroatien u. Dalmatien, s. Kroatien S. 831. D) König von Neapel: 8) W. (Lancelot), der Sohn Karls von Durazzo, geb. 1375, folgte 1386 seinem Vater u. wurde 1390 gekrönt, hatte aber bis 1399 mit seinem Nebenbuhler Ludwig von Anjou zu kämpfen, wo er denselben aus Neapel vertrieb u. nun einziger König wurde; er war 1403 auch kurze Zeit König von Ungarn (s.d. S. 188) u. st. 6. Aug. 1414, s.u. Neapel S. 738. Er war vermählt mit Constanze, Tochter Meinhards von Clermont (1392 geschieden), dann mit Marie od. Margarethe, Tochter des Königs Jakob I. von Cypern (st. 1404), u. zuletzt mit Marie von Enghien, Prinzessin von Tarent; da er keine legitimen Kinder hatte, so folgte ihm seine Schwester Johanna II. E) Herzöge u. Könige von Polen: a) Herzöge: 9) W. I. Hermann, zweiter Sohn des Herzogs Kasimir von Polen, geb. 1043, folgte seinem ältesten Bruder Boleslaw II. 1061 in der Regierung u. st. 1102, s. Polen S. 252. Vermählt 1083 mit Judith von Böhmen u. 1088 mit Sophie, Tochter des Kaisers Heinrich III. u. Wittwe des Königs Salomo von Ungarn. Ihm folgte sein Sohn Boleslaw III. 10) W. II., Enkel des Vor., Sohn Boleslaws III., geb. 1104, regierte als Herzog 1138 bis 1146, wo er von seinen Brüdern Boleslaw u. Micislaw vertrieben nach Deutschland floh; er st. 1159 vor seiner Wiedereinsetzung, s. ebd. S. 252. Er war vermählt mit Christine, Tochter des Herzogs Friedrich III. von Schwaben. Von ihm stammte die Piastische Linie in Schlesien ab. 11) W. III. Schmalfuß, Sohn Leszeks, folgte diesem 1202, trat aber 1206 die Regierung an seinen Vetter Leszek ab u. st. 1231 in Schlesien, s. ebd. S. 252. b) Könige: 12) W. IV. Loketek (der Ellenlange), als Herzog von Polen, W. I. als König dieses Landes, Sohn des Herzogs Kasimir von Kujawien, wurde 1296 zum Könige von Polen gewählt, da aber ein Theil des Landes in böhmischen Händen war, so nannte er sich blos Fürst. 1300 wegen seiner schlechten Regierung vertrieben, wurde er, von Ungarn unterstützt, 1304 wieder eingesetzt, nahm 1315 den Königstitel an u. starb 1333, s. ebd. S. 253. Vermählt mit Hedwig, Tochter des Herzogs Boleslaw von Posnanien. 13) W. V., als König W. II., so v.w. Jagello, vgl. Polen S. 254. 14) W. VI. (III.), Sohn des Vor., geb. 1424, folgte 1434 unter Vormundschaft, übernahm 1439 die Regierung selbst u. wurde 1440 auch als W. IV. zum König von Ungarn (s.d.) gewählt, fiel aber 1444 in der Schlacht bei Varna gegen die Türken, s. ebd. S. 254 s.u. Ungarn S. 189. 15) W. VII. (IV.), Sohn des Königs Sigmund III., geb. 1595, kämpfte 1621 glücklich gegen die Türken, durchreiste dann einen großen Theil Europas, kämpfte 1626 gegen Gustav Adolf von Schweden, folgte seinem Vater 1632 als König von Polen u. st. 1648, s. Polen S. 256. Er war vermählt seit 1637 mit Cäcilia Renata, der Tochter des Kaisers Ferdinand II. (st. 1644) u. seit 1645 mit Luise Maria Gonzaga, Tochter des Herzogs Karl von Nevers. F) Czar von Rußland: 16) W., Sohn des Königs Sigmund von Polen, wurde 1610 zum Czar von Rußland gewählt u. schickte einen Abgesandten dahin, um in seinem Namen die Huldigung zu empfangen. Es entstand aber ein Aufruhr, u. ehe W. noch selbst nach Moskau gekommen war, wurde 1612 Michael Feodorowitsch an seine Stelle gewählt, s. Russisches Reich S. 524. G) Herzöge von Schlesien; der Stammvater aller schlesischen Fürsten piastischen Stammes war Wladislaw 10). 17) W. I. von Oberschlesien, der Enkel W-s 10) u. jüngerer Sohn des Herzogs Kasimir I., theilte 1236 mit seinem Bruder Mieczislaw II. u. st. 1288, s. Schlesien S. 240. 18) W. II., Herzog von Oppeln etc., ältester Sohn des Herzogs Bolko III; vom Herzog Ludwig I. von Brieg vertrieben, ging er nach Polen, dann nach Ungarn, wurde nun Palatin von Ungarn u. 1378 Statthalter in Polen, trotz allen Gegenvorstellungen der polnischen Großen, u. hier stiftete er 1382 das Kloster Czenstochau. Nach dem Tode des Königs Ludwig des Großen verjagte die Königin Hedwig die Schlesier 1390 aus Polen; W. st. 1401 in Oppeln, s. ebd. S. 245. 19) W. III., Herzog von Teschen, Sohn des Herzogs Boleslaw von Teschen, trat um 1440 die Regierung über Teschen u. halb Glogau an u. ging 1452 als Gesandter des Kaisers Friedrich IV. nach Italien, u. dessen Gemahlin, Eleonore von Portugal, ihm zuzuführen; er st. 1463, s. ebd. 20) W. der Kahle, Herzog von Liegnitz, Sohn Heinrichs V., wurde, noch unmündig, 1296 Herzog von Liegnitz, theilte 1311 mit seinen zwei Brüdern, versetzte aber sein Land an seinen Bruder, den Herzog Boleslaw von Brieg. Da er nun das Verpfändete mit den Waffen wieder erobern wollte, wurde er gefangen u. st. 1329, s. ebd. S. 239. H) Könige von Ungarn: 21) W. (Ladislaus) I. der Heilige, Sohn Belas I, folgte seinem Bruder Geisa I. 1077 u. regierte bis 1095, s. Ungarn S. 185. Nach Einigen war er vermählt mit Gisela von Kärnten, dann mit Adelaide, nach Andern war er unvermählt; er stand in Ungarn wegen seiner Tugenden in großer Verehrung u. wurde 1198 canonisirt; sein Tag: 27. Juni. 22) W. (II.), Sohn Belas II., warf sich 1161 zum Gegenkönig seines minderjährigen Neffen Stephan III. auf, starb aber schon 1162, s. ebd. 23) W. II. (III.), Sohn Emerichs (Heinrichs), folgte 1204 minderjährig unter Vormundschaft seines Oheims Andreas, welcher ihn aber nach sechs Monaten entthronte u. mit seiner Mutter Constantia von Aragonien einsperrte. Diese entfloh mit ihm nach Wien, wo er 1205 starb, s. ebd. S. 186. 24) W. III. (IV.), der Kumanier, Sohn Stephans V., geb. 1262, regierte 1272–90, Anfangs unter Vormundschaft, s. ebd. S. 187. Er war vermählt mit Maria, Tochter des Königs Karl I. von Sicilien, von welcher er keine Kinder hatte. 25) W. IV. (V.), so v.w. Wladislaw 14). 26) W. V. (VI.) Postumus (der Nachgeborene), Sohn des Königs Albrecht u. der Elisabeth, geb. 22. Febr. 1440 in Komorn vier Monate nach dem Tode seines Vaters, wurde zum König von Böhmen (W. I.) u. Ungarn gewählt u. st. 23. Novbr. 1457. Über ihn s. Böhmen S. 21, Österreich S. 443 u. Ungarn S. 190. 27) W. VI. (VII.), Halbbruder des Vor., Sohn des Königs Kasimir IV. von Polen u. der Elisabeth, Enkel des Kaisers Albrecht II., geb. 1456, wurde 1170 zum König von Böhmen als W. II. (s.u. Böhmen S. 21) u. 1490 zum König von Ungarn gewählt u. st. 1516, s. Ungarn S. 191. Vermählt in erster Ehe mit Beatrix, Tochter des Königs Ferdinand von Neapel u. Wittwe des Königs Matthias von Ungarn (st. 1491), u. in zweiter seit 1502 mit [312] Anna von Foix, Gräfin von Candale, welche ihm seinen Nachfolger Ludwig gebar.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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