Öle


Öle

Öle (Olĕa, Chem.). A) Ätherische Öle (Flüchtige Öle), sind Flüssigkeiten organischen Ursprungs, welche sich durch einen durchdringenden, theils höchst angenehmen, theils widrigen Geruch, durch gewürzhaften, brennenden Geschmack u. durch ihre Flüchtigkeit auszeichnen. Sie kommen hauptsächlich im Pflanzenreich vor u. ertheilen meist den Blüthen, Früchten u. anderen Pflanzentheilen ihren Geruch; die meisten unserer Parfüme u. Gewürze verdanken ihnen ihren Geruch u. Geschmack; manche Pflanzenfamilien, wie die Labiaten u. Doldenträger, sind bes. reich an ätherischen Ölen. Manche Pflanzen enthalten in allen Theilen ein u. dasselbe ätherische Öl, bei einigen finden sich in verschiedenen Theilen verschiedene Öle, bei den meisten ist jedoch die Blüthe der Sitz des ätherischen Öles. Es ist gewöhnlich in besonderen Zellen eingeschlossen, wodurch es vor raschem Verdunsten geschützt ist u. weshalb auch getrocknete Blumen ihren Wohlgeruch beibehalten; bei manchen Blumen scheidet es sich auf der Oberfläche ab, wo es dann verdunstet u. sich beim Trocknen der Blüthen verliert. Einige ätherische Öle bilden sich erst bei der Berührung u. Destillation mit Wasser, wie das Bittermandelöl, welches erst durch die Einwirkung einer eiweißartigen Substanz, des Emulsins, u. des Wassers aus dem Amygdalin entsteht. Die aromatischen Pflanzen sind gewöhnlich um so reicher an ätherischem Öl, je heißer u. sonniger der Standort ist. Manche Pflanzen enthalten trotz ihres starken Geruches so wenig ätherisches Öl, daß dasselbe bis jetzt noch nicht für sich hat dargestellt werden können. Nach Millon rühren viele Wohlgerüche der Blüthen nicht von ätherischem Öl her, sondern von eigenthümlichen, an der Luft unveränderlichen, beim Erhitzen aber leicht zersetzbaren Riechstoffen, welche durch Extraction mit Äther gewonnen werden können. Die ätherischen Öle sind als Excretionsproducte des pflanzlichen Lebens anzusehen, sie bleiben in den Zellen unverändert od. verharzen sich durch Oxydation schon in der Pflanze. Auf die Pflanzen, häufig auch auf die eigene Mutterpflanze, wirken sie wie starke Gifte. Im Thierreich finden sich die ätherischen Öle in sehr ungeordneter Menge; in den Ameisen, dem Biebergeil u. in der Ambra sind ätherische Öle enthalten, der Geruch des Moschus dagegen ist wahrscheinlich von Verwesungsproducten in ihm enthaltener Substanzen abzuleiten. Viele ätherische Öle, theils solche, welche sich fertig in der Natur gebildet finden, theils andere, welche im Pflanzenreich noch nicht nachgewiesen sind, können künstlich dargestellt werden. Hierher gehören die durch Einwirkung von concentrirter Schwefelsäure, Chlorzink u. wasserfreier Phosphorsäure auf Alkohole gebildeten Zersetzungsproducte; manche sind Gährungsproducte u. heißen Fermentöle (s.d.); eine große Anzahl, die brenzlichen od. empyreumatischen Öle, treten[268] bei der trockenen Destillation stickstoffhaltiger u. stickstofffreier organischer Substanzen auf. Die aus der Erde hervorquellenden, zu den Mineralien gezählten ätherischen Öle, wie das Steinöl u. andere, sind organischen Ursprungs. Die ätherischen Öle sind alle sauerstoffarm, viele sauerstofffrei, nicht fettig anzufühlen, im reinen, Zustand farblos, färben sich aber, wenn sie der Luft ausgesetzt werden; sie sind brennbar u. brennen meist ohne Docht fort. In Wasser sind sie nur wenig löslich, ertheilen demselben aber ihren eigenthümlichen Geruch u. Geschmack; in Alkohol u. Äther sind sie leicht löslich; an der Luft oxydiren sich manche ätherische Ole u. verharzen, andere gehen erst durch stark oxydirende Mittel in Harze über. Die meisten sind specifisch leichter als Wasser, ihr Siedepunkt ist verschieden, im Allgemeinen bei etwa 160° C. Viele können für sich nicht ohne theilweise Zersetzung destillirt werden, mit Dämpfen von Wasser od. Alkohol gehen sie aber unverändert über. Auf Papier erzeugen sie einen Fettflecken, welcher aber, bes. bei frisch destillirtem ätherischem Öl, vollständig wieder verschwindet; ist das Öl bereits durch Sauerstoffaufnahme zum Theil verharzt, so verschwindet der Fettflecken nicht vollständig wieder. Die durch Destillation aromatischer Pflanzentheile erhaltenen ätherischen Öle bestehen nur selten aus blos einem Öl, meist sind sie Gemenge von mehren, welche sich durch ihre Flüchtigkeit unterscheiden; das flüchtigere ist gewöhnlich ein Kohlenwasserstoff; durch fractionirte Destillation lassen sie sich zuweilen von einander trennen. In der Kälte scheidet sich aus den ätherischen Ölen eine kampherartige Substanz, das sogenannte Stearopten, ab, während der andere Theil, das Eläopten, in flüssiger Form verbleibt; durch Pressen lassen sich diese festen ätherischen Öle von den flüssigen trennen. Durch Einwirkung von Salpetersäure entstehen oft eigenthümliche Säuren, so aus dem Terpentinöl die Terpentinsäure, aus dem Rautenöl die Pelargon- u. Caprinsäure. Chlor u. Jod zersetzen sie häufig unter Explosion. Rauchende Salpetersäure mit ätherischen Ölen plötzlich zusammengegossen, entzündet sie. Zur Darstellung der ätherischen Öle werden die dasselbe enthaltenden Theile gewöhnlich mit Wasser destillirt, wobei das Öl mit den Wasserdämpfen übergeht u. sich in der Vorlage auf der Oberfläche des Wassers ansammelt, von welchem es sodann leicht abgeschieden werden kann. Dieses Wasser wird, da es noch Öl aufgelöst enthält, bei der nächsten Destillation wieder verwendet. Aus Pflanzentheilen, welche das ätherische Öl in sehr großer Menge enthalten, wie die Schalen von Citronen, Orangen u.a. Früchten, kann dasselbe durch Auspressen gewonnen werden. Manche Pflanzen, wie unsere Rosen, enthalten eine so geringe Menge ätherisches Öl, daß dieses in dem Wasser der Vorlage aufgelöst bleibt. Um das Anbrennen der Substanz in der Destillirblase zu vermeiden, bringt man in einiger Entfernung über dem Boden der Destillirblase ein Drahtnetz an, od. man destillirt aus einem hölzernen Gefäß, indem man Wasserdämpfe in dasselbe leitet. Wenn das ätherische Öl in sehr geringen Mengen in den Pflanzen enthalten ist u. sich in Wasser löst, so daß es nach der beschriebenen Methode nicht gewonnen werden kann, wie in Reseda, Veilchen u. Jasminblüthen, so tränkt man Baumwolle mit Baumöl u. schichtet diese mit den Blüthen; wenn das Baumöl das ätherische Öl aus den Blüthen aufgenommen hat, entfernt man die Blüthen u. schichtet die Baumwolle mit frischen; man wiederholt dies einige Mal u. destillirt dann die Baumwolle mit wenig Wasser. Hierbei bedient man sich als Vorlage zum Auffangen des Öles mit Vortheil der sogenannten Florentiner Flasche (s.d.). Weniger flüchtige Öle, bes. wenn sie mitviel Schleim u. Harz gemischt vorkommen, wie in den sogenannten Gummiharzen, destillirt man am besten aus dem alkoholischen Auszug dieser Substanzen. Die sogenannten aromatischen od. destillirten Wasser der Apotheken sind mit ätherischen Ölen gesättigtes Wasser, sie dienen als Zusätze zu widerlich riechenden u. schmeckenden Arzneien. Die verschiedenen Riechwasser, wie das Eau de Cologne u. viele andere, sind weingeistige Auflösungen von verschiedenen ätherischen Ölen, Wegen des hohen Preises der meisten ätherischen Öle werden dieselben vielfach verfälscht, theils mit wohlfeileren ätherischen Ölen, theils mit fetten Ölen, theils mit Alkohol. Verfälschungen mit anderen ätherischen Ölen lassen sich am besten durch den Geruch beim Reiben zwischen den Händen erkennen; Terpentinöl, welches am häufigsten zu Verfälschungen dieser Art angewendet wird, sowie Anis- u. Fenchelöl verursachen, wenn man das Öl mit dem gleichen Theil achtzigprocentigen Alkohols schüttelt, eine Trübung. Kohlenwasserstoff, u. namentlich Terpentinöl, läßt sich durch Nitroprussidkupfer leicht erkennen. Man erhitzt das Öl mit einem ganz kleinen Korn dieses Salzes in einem Probirgläschen; ist kein Terpentinöl zugegen, so wird das Korn schwarz od. braun, das Öl dunkler; bei Gegenwart von Terpentinöl ist der Absatz grün, das Öl farblos od. gelb. Fette Öle lassen sich leicht durch den bleibenden Fettflecken nachweisen, welchen so verfälschte Öle auf Papier verursachen, wobei jedoch auf die Anwesenheit von Harz zu achten ist, welches ebenfalls einen bleibenden Fettflecken macht. Fette Öle erkennt man auch leicht, wenn man das ätherische Öl mit Wasser kocht, bis der Geruch fast ganz verschwunden ist; das fette Öl bleibt dann in Gestalt von kleinen Öltropfen auf der Oberfläche des Wassers zurück. Alkohol kann nachgewiesen werden, indem man das Öl in einer graduirten Röhre mit Wasser schüttelt, welches den Alkohol auflöst, das Volumen des Öles also wesentlich verringert. Man theilt die ätherischen Öle ein in sauerstofffreie u. sauerstoffhaltige, an welche sich eine kleine Anzahl schwefelhaltiger ätherischer Öle anschließt. Zu den sauerstofffreien ätherischen Ölen, welche blos aus Kohlenstoff u. Wasserstoff bestehen, gehören: Terpentinöl, Nelkenöl, Citronenöl, Storaxöl, Wacholderöl, Oreoselinumöl, Fichtennadelöl, Kienöl, Tannenzapfenöl, Krummholzöl, Copaivabalsamöl, Tolubalsamöl, Pfefferöl, Cubebenöl, Elemiöl, Steinöl (Naphtha), Benzol, Photogen (Schieferöl, Eupion); zu den sauerstoffhaltigenätherischen Ölen: Rosenöl, Rosmarinöl, Pomeranzenblüthenöl (Neroliöl), Pfeffermünzöl, Anisöl, Cajeputöl, Gaultheriaöl, Camillenöl, Dragonöl, Fenchelöl, Lavendelöl, Spicköl, Rautenöl, Petersilienöl, Kreuzkümmelöl, Cedernöl, Hopfenöl, Spiräoöl, Kleienöl, Algenöl, Corianderöl, Ingweröl, Bergamottöl, Zimmtöl, Cassiaöl, Kümmelöl, Muskatnußöl, Bittermandelöl; sie sind meist Gemenge von einem Kohlenwasserstoff mit einem sauerstoffhaltigen Öl, welches letztere als das Aldehyd einer Säure betrachtet werden kann, die sich zum Theil schon fertig gebildet im Öle vorfindet. Die sauerstoffhaltigen[269] Öle, mit einer Lösung von salpetersaurem Silberoxyd u. etwas Ammoniak erhitzt, fällen das Silber aus dieser Lösung, so daß es als Metallspiegel die Gefäßwände überzieht; man stellt in neuerer Zeit auf diese Weise Silberspiegel her. Die schwefelhaltigen ätherischen Öle sind in chemischer Beziehung wenig od. gar nicht von einander verschieden, indem sie wesentlich aus Schwefelaltyt od. Rhodanallyl bestehen. Zu ihnen gehören: Senföl, Knoblauchöl, Löffelkrautöl u. Meerrettigöl; sie lassen sich meistens künstlich darstellen.

B) Fette Öle sind bei gewöhnlicher Temperatur flüssige Fette, theils pflanzlichen, theils thierischen Ursprungs; doch finden sich die fetten Öle hauptsächlich im Pflanzenreich, die festen Fette dagegen vorzugsweise im Thierreich. Sie kommen bei den Pflanzen meist in den Samen vor u. zwar in dem Theil, welcher bei der Keimung die Cotyledonen bildet. Bes. reich an ölführenden Samen ist die Familie der Cruciferen u. nächst dieser die der Drupaeêen, Amentaceen u. Solaneen; die Samen der Leguminosen u. Gramineen enthalten nur Spuren von Öl. Ausnahmsweise führen auch andere Pflanzentheile Öle, wie die Früchte der Oliven, welche das Baumöl liefern. Die fetten Öle sind gewöhnlich gelb, bräunlich od. grünlich, seltener ganz farblos, mehr od. weniger dickflüssig, besitzen einen schwachen Geruch u. Geschmack u. fühlen sich schlüpfrig an. In der Kälte werden die meisten dicklich, indem ein Theil des Öles erstarrt, ein anderer dagegen flüssig bleibt; der erstere scheidet sich in deutlich erkennbaren rundlichen Körnchen aus u. besteht aus Margarin u. Stearin; der flüssig bleibende Theil ist das Oleïn. Daher lassen sich die fetten Öle als Auflösungen von Margarin u. Stearin in Oleïn ansehen. Manche Öle trocknen an der Luft zu einer festen sirnißartigen Masse ein, andere nicht; die ersteren nennt man daher trocknende, die anderen nichttrocknende Öle u. benutzt die letzteren wegen dieser Eigenschaft zur Bereitung von Firnissen, sowie zur Ölmalerei. Der flüssige Theil der trocknenden Öle besteht wesentlich aus ollnsaurem Lipyloxyd, der der nicht trocknenden aus ölsaurem (oleïnsaurem) Lipyloxyd; die Verschiedenheit der beiden Säuren, der Olinsäure u. Ölsäure, bedingt den Unterschied der trocknenden u. nicht trocknenden Öle. Außer der Ölsäure, Olinsäure, Margarinsäure u. Stearinsäure finden sich in einzelnen Ölen noch andere mit Lipyloxyd verbundene Säuren, so die Palmitinsäure im Palmöl, die Behensäure im Behenöl, Laurinsäure im Lorbeeröl, Arachinsäure im Erdnußöl, Coccinsäure im Kokosnußöl. Die fetten Öle sind nicht flüchtig u. können ziemlich stark erhitzt werden, ohne sich zu zersetzen; ihr specifisches Gewicht schwankt zwischen 0,89 u. 0,96, weshalb sie auf dem Wasser schwimmen. Auf Papier u. Leinwand verursachen sie einen Flecken, welcher durch Erhitzen nicht entfernt werden kann; hierdurch unterscheiden sich die fetten von den ätherischen Ölen u. läßt sich eine Verfälschung von ätherischen Ölen mit fetten Ölen leicht nachweisen; in trocknem Thon ziehen sie sich bes. leicht, worauf sich die Anwendung desselben zur Vertilgung der Ölflecken gründet. Die fetten Öle verbrennen mit leuchtender Flamme, jedoch nur, wenn sie bis zur Zersetzung erhitzt worden sind. Daher geräth Öl nicht in. Brand, wenn man seine Oberfläche mit einem brennenden Körper berührt, sondern erst, wenn das Öl durch Hitze zersetzt worden ist; eine solche Zersetzung findet auch statt, wenn das Öl in dem Docht brennt; es zieht sich durch Capillarität zwischen den Fasern des Dochtes in die Flamme, durch deren Hitze es in brennbare Gasarten u. Dämpfe zersetzt, u. diese unterhalten die Flamme. Das zum Brennen in Lampen benutzte Öl, zu welchem Zweck meist Rüböl (Reps-, Rapsöl) verwendet wird, ist in seinem natürlichen Zustande hierzu nicht geeignet, weil es in Folge seines Gehaltes an Schleim den Docht bald mit einer dicken Kohle überzieht. Daher wird das Öl einer Reinigung unterworfen, s.u. Ölraffiniren. Bei längerer Einwirkung von atmosphärischer Luft oxydiren sich die Öle, manche werden dickflüssig, dunkler u. nehmen einen ranzigen Geruch u. Geschmack an; andere, bei denen die Oxydation rascher vor sich geht, erhärten zu einer festen, firnißartigen gelblichen Masse; die ersteren sind die nicht trocknenden, die anderen die trocknenden Öle. Bei dieser Oxydation tritt Temperaturerhöhung ein, welche unter günstigen Umständen, wenn z.B. Baumwolle, Werg, Papier etc. mit Öl getränkt, in nicht zu geringer Menge aufgehäuft wird, ein Entzünden der Massen verursacht, eine Erscheinung, welche bereits mehrfach Veranlassung zu Feuersbrünsten gegeben hat. In Wasser sind die fetten Öle unlöslich u. schwimmen auf demselben; in heißem Alkohol lösen sie sich u. scheiden sich beim Erkalten zum größten Theil wieder aus; Äther u. ätherische Öle lösen sie sehr leicht. Ätzende Alkalien zersetzen die fetten Öle u. geben damit Seifen, welche am leichtesten durch Behandlung der Öle mit einer alkoholischen Kalilösung erhalten werden. Die fetten Öle werden meist aus ölführenden Samen durch Zerquetschen derselben gewonnen; die Ausbeute an Öl ist verschieden nach der Reise der Samen, nach Boden- u. Witterungsverhältnissen u. anderen Umständen. Im Durchschnitt liefern: Leinsamen 26 Procent, Wallnüsse 50, Mohnsamen 48, Hanfsamen 25, Ricinussamen 50, Tabaksamen 34, Winterraps 32, Sommerraps 30, Mandeln 38, Bucheckern 16, Haselnüsse 58, weißer Senfsamen 35, schwarzer Senfsamen 18, Erdnüsse 35 Proc. Öl. Zu den trocknenden Ölen gehören: Leinöl, Nußöl, Mohnöl, Hanföl, Ricinusöl, Kürbiskernöl, Sonnenblumenöl, Tabaksamenöl, Fichtensamenöl, Traubenkernöl; zu den nicht trocknenden: Baumöl, Rüböl, Mandelöl, Behenöl, Buchöl, Rapsöl, Roßkastanienöl, Haselnußöl, Öl aus Pflaumen-, Kirschen- u. Äpfelkernen, Hartriegelöl, Erdnußöl, Erdmandelöl, Fischthran. Auf die Verschiedenheit der Fettsäuren in den trocknenden u. nicht trocknenden Ölen gründet sich ein Verfahren, eine Verfälschung der theueren trocknenden Öle mit den wohlfeileren nicht trocknenden ausfindig zu machen. Ölsäure verwandelt sich nämlich unter der Einwirkung von salpeteriger Säure in einen isomeren Körper, welcher leicht krystallisirt u. Elaidinsäure (s. Elaidin) genannt wird; werden daher Ölsäure enthaltende Öle mit salpeteriger Säure behandelt, so scheidet sich das Elaidin je nach der geringeren od. größeren Menge in längerer od. kürzerer Zeit in Krystallen aus. Olinsäure gibt diese Reaction nicht. Zu der Prüfung der trocknenden Öle auf eine Verfälschung mit nicht trocknenden Ölen wendet man eine Mischung von 3 Theilen Salpetersäure u. 1 Theil Untersalpetersäure an u. mißt die Zeit, welche das verfälschte Öl zu seiner völligen Erstarrung bedarf. Über die Gewinnung der fetten Pflanzenöle s.u. Ölmühle.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.