Achaĭa


Achaĭa

Achaĭa, 1) (a. Geogr.), so v.w. Achais 1); 2) so v.w. Phthiothis; 3) Landschaft auf der Nordwestküste des Peloponnes; in Süden gebirgig: Panachaikos, Kyllene etc.; Flüsse: Krathes u. Piros; mit den 12 Städten (Dodekapolis): Ägira, Ägion, Bura, Dyme Helike, Kerynea, Leontion, Olenos, Paträ, Pellene, Pherä, Tritäa; zur Zeit des Achäischen Bundes gehörten auch Sikyon u. Korinth zu A. 4) (Gesch.). In ältester Zeit hieß A. Ägialea (Küstenland); hier wanderte Jon aus Attika ein, welchen König Selinos aufnahm u. zu seinem Eidam wählte; nach Andern hatte schon Jon's Vater, Xuthos, hier Sitze genommen. Unter den 12 Städten des Landes that sich bes. das von Jon angelegte Helike hervor. Zur Zeit des Trojanischen Kriegs war die ganze Dodekapolis dem König von Mykene unterthan. Als die Herakliden einwanderten, fiel der Landstrich in die Hände des Tisamenos, u. die Joner wanderten nach Attika u. Kleinasien. Nach Tisamenos Tode theilten seine Söhne u. andere Anführer das Land, die alte Einrichtung in 12 Districte wurde wieder hergestellt u. die Tisameniden regierten bis auf Ogygos od. Gygos als Könige. Nach demselben nahm jede der achäischen Städte eine demokratische Verfassung an, nur Sikyon trennte sich als dorischer Staat von den übrigen, u. nun erst kam der Namen A. auf. Am Persischen Krieg nahmen die Achäer keinen Theil, im Peloponnesischen Kriege halfen mehrere der Staaten, als gute Demokraten, den Athenern. Nach dem Siege der Spartaner über Athen machte sich mit den spartanischen Kriegsflotten, welche in ihre Häfen einliefen, auch aristokratischer Einfluß geltend, u. uneinig unter sich, konnten sich die Städte A-s der Spartaner nicht erwehren. Nach der Schlacht bei Leuktra (371 v. Chr.), wo die Spartaner besiegt wurden, führten sie die Demokratien wieder ein. In der macedonischen Zeit blieb A. lange neutral; da aber die Verwirrungen u. Drangsale im Peloponnes unter Alexanders des Gr. Nachfolgern immer größer wurden, so traten zuerst 281 v. Chr. die Staaten Paträ, Dyme, Tritäa u. Pherä zu einem Bunde zusammen (Achäischer Bund), dem sich bald noch 6 anschlossen (Olenos that es nicht, Helike war vom Meere verwüstet), u. vollkommne Festigkeit erhielt der Bund, als Aratos seine Vaterstadt Sikyon (252 v. Chr.) den Achäern zuwendete u. 244 die Macedonier auch aus Korinth vertrieb. Nach den Bundesgesetzen behielt jede Stadt ihre eigne Verfassung u. war in ihrer innern Verwaltung unabhängig; die Bundesangelegenheiten leitete eine Versammlung (woran die Abgeordneten aller Städte Theil nahmen u. welche jährlich 2mal in Ägion zusammenkam) als gesetzgebende Behörde, u. ein Feldherr (Strategos), nebst einem Staatssecretär (Grammateus) u. 10 Vorstehern des Volks (Demiurgi), als verwaltende Behörde. Aratos war bis an seinen Tod (212 v. Chr.) die Seele des Bundes, in welchen er die meisten Städte von Arkadien u. Argolis, selbst Korinth, Megara, Trözen, Epidauros, später Megalopolis, Argos, Ägina, Hermione, Phlius, Mantinea, [79] Orchomenos u. Athen hineinzog. Zwar, als er sich des Königs Philippos von Macedonien Haß zugezogen hatte, ward er abgesetzt u. an seiner Stelle leitete Eperatos den Bund; aber ungeschickt, mußte dieser bald seine Würde an Aratos wieder abtreten. Nur die Spartaner arbeiteten dem Bunde entgegen. Um sich gegen diese zu schützen, erkauften die Achäer (224 v. Chr.) den Beistand der Macedonier durch die Abtretung der Akropole von Korinth. Doch behauptete der Bund seine Unabhängigkeit durch die Entschlossenheit seiner Vorsteher. Unter ihnen hatte besonders Philopömen die größten Verdienste um denselben, er verbesserte namentlich das Kriegswesen, schlug 208 v. Chr. bei Messene die mit den Römern verbundnen, auf den Bund eifersüchtigen Ätoler, besiegte u. tödtete mit eigner Hand bei Mantinea Machanides, Tyrannen von Lakedämon, der in A. einfiel; er ward zwar von dessen Nachfolger, Nabis, zur See besiegt, rächte sich aber in einer Landschlacht, nahm Sparta ein und unterwarf 188 die Spartaner den Achäern. Als 4 Jahre darauf die den Achäern unterworfnen Messenier wieder zu den Waffen griffen, ward er gefangen u. von seinem Feinde Dinokrates im Gefängnisse 183 genöthigt. den Giftbecher zu nehmen. Sein Nachfolger als Feldherr, Lykortas, rächte ihn an den Messeniern. Als 167 v. Chr. die Macedonier von den Römern überwältigt worden waren, hatten sich die Strategen des Bundes den Anmaßungen der Römer, die gern Einfluß auf die innern Angelegenheiten gewinnen wollten, muthig entgegengesetzt, doch die Römer erregten später Zerwürfnisse im Innern, u. so begann der Achäische Krieg, der dem achäischen Bunde u. damit der Freiheit Griechenlands den Untergang brachte. (E. Helving, Gesch. des Achäischen Bundes, Lemgo 1829.) Diesen Krieg (147–146) veranlaßte der Strateg Diäos, der sich von seinem Vorgänger Menalkidas bestechen ließ, einen Krieg wider Sparta zu unternehmen, um wegen einer Unthat nicht von denselben zur Rechenschaft gezogen werden zu können. Die Römer bemühten sich, die Absicht zu vereiteln; da aber auf Veranlassung des Heerführers Kritolaos die römischen Gesandten in Korinth gemißhandelt wurden, so griffen die Römer die Achäer an, Metellus schlug sie bei den Thermopylenn. Mummius eroberte Korinth, die damalige Hauptstadt des Bundes. Diäos floh nach der Schlacht nach Megalopolis u. vergiftete sich. Die Römer ließen nun die Mauern aller achäischen Städte niederreißen, verboten alle gemeinschaftlichen Berathschlagungen u. verwandelten das Land in eine Provinz (Achaia provincia), wozu noch Attika, Böotien, Doris, Ätolien, Lokris, Megara, Phokis u. der Peloponnes, also das ganze südliche u. eigentliche Griechenland geschlagen wurde, so daß A. den Gegensatz zu Macedonien, od. dem nördlichen Griechenland, ausmachte. Dem Lande stand ein Proconsul vor. Bei der Theilung des römischen Reichs 395 n. Chr. kam A. an das morgenländ. Reich. Unter der byzantinischen Regierung wurde es von Bulgaren u. a. nordischen Stämmen verheert u. alle Städte verschwanden, bis auf Paträ (Patras). Schon seit Justinian I. waren keine Proconsuln über A. mehr ernannt worden. Nach der Eroberung Constantinopels durch die Lateiner, 1204, erhielt Gottfried I. von Ville-Hardouin 1207 Sparta, Napoli di Malvasia u. einen Theil von A. als Fürstenthum A. u. Morea. Sein Neffe, Gottfried II., folgte ihm 1213; dessen Sohn Gottfried III. wurde nach dem Sturze des latein. Kaiserthums 1261 von Michael Paläologos unterworfen, indem er zu Constantinopel gefangen genommen wurde u. fast auf sein ganzes Land (nur Napoli di Romania blieb ihm) verzichten mußte u. den Titel eines Großseneschalls von Romanien erhielt. Zwar empörte er sich nach seiner Freilassung mit andern Fürsten des Peloponneses, mußte sich aber später wieder unterwerfen. Sein Sohn Wilhelm starb 1300 ohne Söhne, u. da Philipp, Graf von Savoyen u. Piemont, dessen Erbtochter Maria 1301 heirathete, bekam er die Besitzungen in dem Peloponnes als Brautschatz mit; zwar verkaufte er dieselben 1307 an den König Karl II. von Neapel, doch führt noch jetzt das Haus Savoyen den Titel als Herzog von A. Neapel konnte sich, wegen der fortwährenden Unruhen im eignen Lande, nicht lange im Besitze A-s halten; die andern kleinen Dynasten in A., die Grafen v. Vostitza, v. Nivelet, die Herzöge v. Patras, v. Korinth, die Fürsten v. Morea, aus dem Hause Somariva (welches diese Würde durch Heirath erlangt hatte) etc. lebten in fortwährender Fehde unter einander. Seit dem Ende des 15. Jahrh. hatten die Türken Einfluß auf A., u. nach der Zerstörung des byzantin. Reichs 1453 versuchte Muhammed II. sich des Peloponneses zu bemächtigen, ward aber mit Hülfe der Venetianer, welche auch einige Städte in A. besaßen, zurückgetrieben; doch bald gelang es dem Großvezier Achmed, sich des ganzen Landes u. der festen Plätze zu bemächtigen. Erst 1687 eroberten die Venetianer die meisten Festungen in A. zurück u. bekamen diese in dem Frieden von Karlowicz 1699 zugesichert, verloren sie aber schon 1715 wieder an die Türken, die A. nun zu dem Sandschakat Morea schlugen. Vgl. Merlecker, Achaica, Darmst. 1837. 5) (n. Geogr.). A. u. Elis, eine der 10 Nomarchien od. Präsecturen des Königreichs Griechenland (s.d.), den nordwestl. Theil von Morea einnehmend, mit 126,000 Ew. u. der Hauptstadt Patras; getheilt in die 4 Eparchien: Ägialia (Vostizza, Hauptstadt Vostizza), Kinätha (Hauptstadt Kalavrita), Paträ (Hauptstadt Patras), Elea (Elis, Hauptst. Pyrgos).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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