Adrianopel


Adrianopel

Adrianopel (türk. Edreneh), Stadt in dem türkischen Ejalet Edreneh (s.d.), nach Constantinopel die bedeutendste Stadt des Osmanischen Reichs, am Einfluß der Tundscha u. Arda in die Maritza, stark befestigt u. durch eine Citadelle geschützt. A. hat 40 Moscheen, darunter 9 kaiserliche mit der Selims II. (größer als die Sophienmoschee zu Constantinopel, mit 2 Reihen marmorner Gallerien, von 250 Fenstern u. während des Ramadans von 12,000 Lampen erleuchtet) u. der Murads I. (Utsch Scherifeli, mit 3 marmornen Gallerien u. großem terassenförmigen Vorhof, der mit prächtigem Marmor gepflastert ist, 20 von 70 Säulen getragene Kuppeln enthält, aus dem, bei der Eroberung von Smyrna erbeuteten Schatz der Johanniter erbaut) 24 Medresses, 10 griechische Kirchen, 7 türkische Klöster, die alte Residenz der Sultane seit 1366, Arsenal, 22 Bäder, viele Bazars (bes. der Bazar Ali Paschas), 53 Karavanserais, Wasserleitung, mehrere Brücken, griech. Metropolitan, Fabriken in Seide, Handel mit Wolle, Leder, Türkischgarn, Seife, Saffran, Rosenöl, Rosenwasser, Opium, Gelees (das Aïswasperwerdesi hoch gerühmt), Zuckerwerk, Wein-, Obst- (bes. Quitten), Baumwollen- u. Reisbau, theils durch den Hafen von Enos (am Ausflusse der Maritza ins Ägäische Meer, das hier den Meerbusen von Enos bildet, Handel mit Webereien u. a., zum Ejalet Dschesair gehörig, 7000 Ew.); 90,000 Ew., darunter 30,000 Griechen u. Bulgaren. – Nach Einigen soll A. an der Stelle des alten Uscudama, einer Stadt der thracischen Bessi stehen, nach Andern sollte dort das von Orestes gegründete Orestias (Orestia) gelegen haben. Kaiser Hadrian legte A. am linken Ufer des Hebrus an u. machte sie zur Hauptstadt der Provinz Hämimontus; sie war fest u. durch ihre Waffenfabriken berühmt. Bei A. wurde 378 n. Chr. Kaiser Valens von den Gothen geschlagen, worauf sich die Stadt den Gothen ergab. 922 wurde A. von den Bulgaren mit Sturm genommen u. verwüstet. Als die Byzantinischen Kaiser 1204 vor den Lateinern aus Constantinopel fliehen mußten, wurde A. ihre Residenz, bis 1261 Michael Paläologos wieder nach Constantinopel zurückkehrte (s. Byzantinisches Reich). Am 15. April 1205 wurden die Lateiner unter Balduin I. von den Walachen unter König Johann bei A. geschlagen. 1360 eroberte der türkische Sultan Murad I. A., indem eine kleine Schaar durch eine schmale Mauerspalte, die noch jetzt durch ein eisernes Thor geschlossen ist, eindrang. Hier residirten die Sultane von Murad I. bis Muhammed II., welcher letztere 1453 Constantinopel eroberte u. die Residenz dahin verlegte; dennoch hielten sich mehrere der späteren Sultane, bes. Muhammed IV., oft in A. auf. 1829 am 20. Aug. besetzten die Russen unter Diebitsch A. ohne Widerstand, u. am 14. Sept. 1829 wurde der Friede zu A. zwischen Rußland u. der Türkei geschlossen, die Bedingungen s. Türken (Gesch.). Die Russen räumten A. bald wieder. Am 24. Jan. 1836, im Sept. 1846, im Aug. 1851 u. 1852 große Feuersbrünste. In dem Russisch-Türkischen Kriege wurde A. im Juni 1854 von 15,000 Mann Franzosen unter General Bosquet besetzt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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