Agrippa [1]


Agrippa [1]

Agrippa, 1) Menenius A., einer der Gesandten, welche die Patricier zur Unterhandlung mit den, auf den Heiligen Berg ausgewanderten Plebejern (494 v. Chr.) schickten u. welcher den Plebejern die Fabel von dem Magen u. den Gliedern erzählte, wodurch die Plebejer zur Rückkehr nach Rom bewegt wurden; 2) Marcus Vipsanius A., geb. 63 v. Chr., durch seine Gemahlin Marcella mit Octavian verwandt, umsichtiger u. tapferer Mann, kämpfte in Gallien u. Germanien u. wurde nach seiner Rückkehr, 37 v. Chr., Consul, legte den Kriegshafen bei Bajä an, schlug 36 v. Chr. Octavians Gegner bei Naulochos u. siegte 31 v. Chr. bei Actium. Nachdem Octavian als Augustus Kaiser geworden war, war A. sein treuester Rathgeber u. erhielt auch in 2. Ehe dessen Tochter Julia. A. starb 12 v. Chr. Er beschützte Künste (ließ u. a. das Pantheon bauen) u. Wissenschaften, ließ die Länder des römischen Staates ausmessen u. darnach Karten verfertigen, er schrieb auch selbst ein geographisches Werk über die ganze Erde. 3) A. Postumus, Sohn des Vorigen u. der Julia, von rohen Sitten, aber unbescholtenem Wandel, wurde von seinem Großvater Augustus adoptirt, aber 7 n. Chr. auf Veranlassung der Livia auf die Insel Planasia verbannt u. von Tiberius nach Augusts Tode getödtet (14 n. Chr.). 4) Herodes A., u. 5) Marcus A., s. u. Herodes. 6) A., griechischer Philosoph der Skeptischen Schule; soll zwischen Änesidemos u. Sextus Empiricus gelebt haben; er fügte zu den 10 Zweifelsgründen der frühern Skeptiker noch 5 andere zur Bekämpfung der Dogmatischen Schule. 7) Heinrich Cornelius A. v. Nettesheim, geb. zu Köln 1486; studirte daselbst Jurisprudenz u. Medicin, beschäftigte sich aber nachher mit kabbalistischer Philosophie, wurde 1509 zu Dole an der Akademie Lehrer der Theologie, aber der Ketzerei beschuldigt ging er nach England; von dort 1510 zurückgekehrt, hielt er in Köln Vorträge über Theologie. Dann diente er als kaiserlicher Rath beim Bergwesen u. zeichnete[197] sich um 1512 als Hauptmann unter Kaiser Maximilian gegen die Venetianer so aus, daß er zum Ritter geschlagen ward. Seit 1515 hielt er sich in Pavia auf, wurde dann Syndicus in Metz; aber weil er eine Hexe vertheidigt hatte, mußte er fliehen u. ging 1519 wieder nach Köln u. bald nach Freiburg in der Schweiz, wo er als Arzt prakticirte; zu gleichem Zwecke kehrte er 1524 nach Metz zurück u. wurde Leibarzt der Königin Louise; 1525 wendete er sich nach den Niederlanden, wo er Archivar u. Historiograph bei der Regentin Margarethe wurde. Wegen einer satyrischen Schrift auf den damaligen Stand der Wissenschaften verklagt, floh er nach Frankreich, ward verhaftet, aber von seinen Freunden befreit; erstarb 1535 zu Grenoble. Ein Verdienst A-s war, daß er zum Sturze der scholastischen Philosophie beitrug u. den Hexenprocessen entgegen arbeitete. Von seinen, meist der Kabbalistik u. Mystik gewidmeten Schriften, die zu Stiftung mehrerer geheimer Gesellschaften Anlaß gaben, ist besonders zu nennen: De triplici ratione cognoscendi deum; De occulta hilosophia, Köln 1533 (wozu ein Ungenannter 1565 das 4. Buch fügte); De incertitudine et vanitate scientiarum, ebd. 1527 u. ö.; Werke 1550, Lyon 1560, 2 Bde. (deutsch Stuttg. 1856, 5 Bde.).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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