Alemannen


Alemannen

Alemannen, Völkerbund in Germanien, zwischen Rhein, Main u. Donau; die Hauptvölker waren (wahrsch.) die Tenkterer, Usipeter, Chatten u. Vangionen. Ihren Ursprung leitet man von Alemann (s.d. 1) her; ihre Sitten waren im Allgegemeinen die der Sueven, an der Spitze der einzelnen Stämme standen erbliche Fürsten (Könige). Die älteste geschichtliche Spur der A. zeigt sich unter Kaiser Caracalla, welcher 211 n. Chr. gegen sie kämpfte u. davon den Namen Alemannicus erhielt; sie wohnten damals in den Maingegenden. Später dehnten sie sich weiter über den Rhein aus, ließen sich an der gallischen Grenze, in einem Theile des Gebiets der Sequaner u. des belgischen Galliens nieder u. beunruhigten die Römer. Einzelne Stämme waren die Lentienses (im Linzgau), Cenni, Brisigavi (im Breisgau), Bucinobantes u. Juthungi. Kaiser Alexander Severus erkaufte 234 den Frieden von ihnen; Maximinus trieb sie 236 nach Deutschland zurück. Unter Gallienus brachen sie, geführt von Chrocus, 259 wieder in Gallien ein, wurden aber unter Kaiser Valerian von Postumius 260 bei Arles geschlagen u. wieder zurückgetrieben u. gegen sie der Römerwall (s. Pfahrgraben) angelegt. Sie wiederholten ihre Streifzüge in das römische Gebiet; um 270 kamen sie nach Italien, wurden aber von Gallienus zurückgewiesen; 282 wurden sie unter Probus gänzlich geschlagen u. mußten 16,000 Jünglinge nach Rom liefern, die in den römischen Provinzen zerstreut wurden. Nach 283 dehnten sie sich zwischen Rhein u. Iller aus. Ihren häufigen Einfällen in Gallien u. in Noricum seit Anfang des 4. Jahrh. machte auf einige Zeit Kaiser Julian ein Ende durch seine Siege über sie 356 u. 357, u. zum 3. Mal bei Straßburg, wo 7 alemannische Fürsten, Susomar, Urius, Urficin, Vestralph, Serapio, Hortar u. Chnodomar, der Oberanführer, stritten. Aber unter Valentinian I. begannen die Kriege mit ihnen wieder, sie wurden bei Durocatalaunum u. Solicinium (damals waren Withikon u. Rando ihre Führer), u. von Gratian bei Argentaria (Horburg) geschlagen. Zur Zeit der Völkerwanderung überschwemmten die A. Gallien, dehnten sich längs des West-Rheins aus u. nahmen in der letzten Hälfte des 5. Jahrh., nachdem die römischen Kaiser sie in vielen Kriegen zurückzudrängen sich vergebens bemüht hatten, Helvetien ein, so daß sie das Land zwischen den Alpen, Vogesen, Main u. Iller inne hatten. Sie überzogen Sigbert, einen fränkischen Häuptling zu Köln, mit Krieg, diesen aber unterstützte Chlodwig u. schlug die A. 496 bei Zülpich, ihr König blieb, der nördliche Theil unterwarf sich den Franken u. ihr Land wurde Kammergut der fränkischen Könige; ein[285] anderer Theil wanderte aus u. erhielt von dem Ostgothenkönige Theoderich Sitze in Rhätien; der Rest saß in der südwestlichen Ecke Deutschlands, zwischen Alpen, Vogesen, Rhein, Neckar u. Lech (Alemannia propria, Algau). Unter dem Einflusse der Franken u. Gothen ward nun auch das Christentum unter den A. gepredigt, u. sie erhielten die fränkischen Gesetze (s. Alemannisches Recht). Unter fränkischer Herrschaft behielten die A. ihre eigenen Herzöge. 536 trat der gothische König Vitiges an Theodebert von Franken auch die A. ab, welche in Rhätien wohnten, als deren Herzöge Bucelin u. Leuthar genannt werden, welche 552 in Italien für die Gothen gegen Belisar kämpfend fielen. Unter Childebert (reg. 575–596) war Leudfred Herzog, er war unter denen, die sich gegen den König auflehnten; als Childebert heranzog, ihn zu züchtigen, entfloh er, u. an seiner Stelle ward Anceler Herzog. Herzog Rotbert leistete 630 dem König Dagobert Hülfe gegen die Wenden; Herzog Leuthar II. war in die Streitigkeiten Grimoalds u. Ottos unter Chlodwig verwickelt u. erschlug Letztern 642. Dieser Leuthar wird als der Ahne der Grafen von Elsaß angenommen, von welchem dieselben auch noch später den Titel als Herzoge von Alemannien führten. Als nach Chlodwigs III. Tode (695) Pipin von Heristall das Reich an sich riß, gelang es dem damaligen Herzog Gotfrid, der fränkischen Hoheit sich zu entziehen; aber schon sein Sohn Theodebald ward 732 von Karl Martell unterworfen; eben so wenig gelangen ihm 742 u. 744 erneute Versuche. Zu seiner Zeit ward das immer noch nicht allenthalben bei den A. eingeführte Christenthum von Gallus u. Pirminus gepredigt. Als 749 Herzog Lantfrid (Luitfrid) sich mit Gripho, dem Usurpator von Baiern, gegen Pipin verband, schlug dieser die Rebellen u. zog die Herzogswürde von A. ganz ein, verband die Provinz Alemannien nun unmittelbar mit dem fränkischen Reiche u. ließ sie von Kammerboten verwalten. Diese Kammerboten aber warfen sich während der drangsalvollen Zeit unter Ludwig dem Kinde wieder als Herzöge auf; den A. ward das Recht ihren Herzog zu wählen wieder gegeben, u. Erchinger nahm den Titel Herzog von Alemannien zu Anfang des 10. Jahrh. an. Als dieser hingerichtet worden war, wurde Burkard zum Herzog von Schwaben ausgerufen u. von da an verschmilzt die Geschichte Alemanniens mit der Geschichte Schwabens, s.d.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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