Aleppo


Aleppo

Aleppo (Haleb), 1) Ejalet im türkischen Asien, am Mittelmeere, Theil von Syrien; 460 QM., im Osten u. SOsten Wüste, im Norden u. Westen Gebirge: Alma-Dagh, Ain-Tab u. Libanon, verbinden sich mit dem Taurus, Vorgebirg Totosa (Rhosos); Flüsse: Euphrat, Orontes u. der Steppenfluß Koïk (Kowaik), Asy u. a.; Seen: Kinerim, Dschiebul; Klima angenehm u. gesund, Beschäftigung: Ackerbau wenig (etwas Gerste, Weizen, Hirse), mehr Gemüse- u. Südfrüchtebau, Viehzucht (zumal bei dem nomadisirenden Theile der Ew.); bedeutender Handel, jährlich gehen aus der Hauptstadt mehrere große Karavanen nach der Türkei u. Persien. Die Einwohner (4–500,000) sind Osmanen u. Turkmanen (darunter Musabcilli, 500 Familien), Araber, Kurden, Armenier, Juden u. a.; 2) Hauptstadt darin, am Koïk (Kowaik), auf der Ebene u. 8 Hügeln; Sitz des Pascha, eines griechischen Metropoliten u. armenischen Patriarchen, eines jacobitischen u. maronitischen Bischoff, auch der Consuln aller größern europäischen Mächte; hat ansehnliche Gärten, 12 große Vorstädte, Wasserleitungen, Castell, 100 Moscheen viele Kirchen, 2 Bibliotheken, mehrere Gerichtshöfe, Bazars, Schulen, sonst 200,000, jetzt 80,000 Ew. (worunter 17,000 Christen [gegen 400 europäische], 4700 Juden etc. sich befinden). Man fertigt seidene, baumwollene u. a. Waaren, Goldstoffe, Seife etc. u. treibt damit ausgebreiteten Handel. Hauptniederlage von Waaren aus Europa, Persien, Indien, Armenien, Syrien u. Arabien. 3) (Gesch.). Einige halten A. für das alte Chalybon (Chelbon) in Kyrrhestike; in der macedonischen Zeit kam es zu Syrien, u. Seleukos Nikator nannte es Beröa der Name Haleb (Chaleb) kommt erst bei den byzantinischen Geschichtsschreibern vor. Mit Syrien wurde A. von den Römern erobert u. kam nach der Theilung des Reichs an die byzantinischen Kaiser, denen es 636 unter Omar von den Arabern entrissen wurde. Es wurde nun nach u. nach von den Statthaltern der Abbassidischen u. Ommajadischen Khalifen, dann der ägyptischen Khalifen, der Tuluniden u. Akschiden verwaltet. Den Letzteren entriß es Seif Eddewlet, aus der Dynastie der Hamdaniten, aber von den Byzantinern bei A. in einem Passe überrumpelt, verlor er A. auch selbst wieder an jene, eroberte es aber auch wieder, u. seine Familie regierte nun an 50 Jahre hier unabhängig, bis es der Araber Salih Ben Merdas, vom Stamme Kelab, nach Vertreibung der Hamdaniter an sich riß. Im 11. Jahrh. wurde zu A. der Sitz[287] einer seldschukischen Dynastie errichtet; Tausch, Bruder des persischen Schah Malek Schah, Sultan von Damask, eroberte A. 1094, nach dem Tode des bisherigen Besitzers, des Emirs Scherf Eddewlet; 1095 folgte ihm sein älterer Sohn, Ridhwan (Reduan) als. Sultan von A.; er zog 1098 mit gegen die Kreuzfahrer u. ward bei Antiochien geschlagen; nach noch mehreren Niederlagen durch die Kreuzfahrer st. er 1114; sein älterer Sohn, Alp Arslan, erst 16 Jahre alt, wurde bald ermordet, u. dessen Bruder, Sultan Schah, 1117 abgesetzt u. Ortokiden Ilghasi, Fürst von Mardin, auf den Thron von A. berufen; dieser kämpfte mit abwechselndem Glück gegen die Kreuzfahrer, 24. Aug. 1119 schlug er dieselben bei Sarepta, wurde aber von ihnen 1120 bei Dschumadie besiegt u. st. 1121; ihm folgte sein Neffe Soliman, welchen aber 1123 sein Oheim Balak vertrieb; dieser fiel 1124 gegen den Grafen von Edessa u. nun wurde Timurtasch, Ilghasis Sohn, Fürst von Mardin, Sultan von A. Als aber in seiner Abwesenheit der König von Jerusalem 1125 A. belagerte, u. die Stadt keine Hülfe bekam, so ergab sie sich an Burski, Arabeg von Moßul. Nach dessen Ermordung 1127 folgte ihm sein Sohn Masud. Als sich 1128 seine Unterthanen gegen ihn empörten, so kam der Atabeg von Moßul, Amad Eddin Sengi, schlug die Kreuzfahrer 1129 beim Schloß Sarepta bei A. u. nahm von A. Besitz. Amad Eddin war glücklich gegen die Kreuzfahrer u. stürzte 1144 das Fürstenthum Edessa; 1145 ward er ermordet, u. sein Sohn Nur Eddin folgte ihm; dieser führte mit den Kreuzfahrern viele Kriege (s. u. Kreuzzüge), verband 1154 Damask mit A., u. durch die Eroberung Ägyptens durch Nur Eddin kam A. 1171 zu dem Reiche Ägypten. Da Nur Eddin 1173 st., bekam sein Sohn Mielekes-Saleh A. u. Damask, doch mußte er sich dem Saladin, Saltan von Ägypten, unterwerfen. Unter ägyptischer Hoheit standen nun die Sultane Massud 1181 u. sein Bruder Amad Eddin Sengi 1182–1193, dann wurde Gaiath Eddin Ghazi, Saladins Sohn, wieder unabhängiger Sultan von A.; ihm folgte 1216 sein 3jähriger Sohn Aziz Gaiath Eddin u. diesem 1236 sein 7jähriger Sohn Nasr Jusuf unter der Vormundschaft seiner Großmutter Saisa Khatun. Nachdem er viele Kämpfe gegen die, von den Tataren vertriebenen u. in sein Gebiet eindringenden Kharesmier u. gegen die Mamluken gehabt u. 1250 auch Sultan von Damask geworden war, zogen die Mongolen heran, nahmen 1258 Damask u. 4260 A., wo sie auf das Schrecklichste wütheten. A. kam nach Holagus Vertreibung wieder unter Ägypten; 1293 wurde A. durch ein Erdbeben zerstört, u. die Einw. bauten die Stadt 3 Stunden von den Trümmern als Neu-A. wieder auf. 1401 wurde es von Timurlenk eingenommen. 1517 wurde bei A. der ägyptische Sultan Kansu von Selim besiegt, dann A. von den Osmanen eingenommen u. dem türkischen Reiche einverleibt. 1528 hier Aufstand der Einw. gegen ihren ungerechten Richter. 1822 großes Erdbeben, das 15,000 Ew. unter den Trümmern begrub; 1827 wüthete hier die Pest u. 1832 die Cholera; 1832 wurde A. von den Ägyptiern erobert u. 1833 von dem Sultan an Mehmed abgetreten; doch mußte es Letzter nach den Beschlüssen der Londoner Conferenz wieder an das türkische Reich abtreten, u. am 15. Novbr. 1840 wurde es von den Ägyptiern geräumt. Am 16. Oct. 1850 brach in A. eine Empörung gegen die dortigen Christen aus, wobei deren Frauen u. Mädchen geschändet, deren Häuser geplündert u. 3 Kirchen verbrannt wurden; da die Empörer sich auch gegen die Regierung wendeten, ließ am 7. Nov. der militärische Statthalter, Kerim Pascha, die Empörer verhaften, worauf ein neuer Aufstand ausbrach, der nun blutig unterdrückt wurde.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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