Alkŏhol


Alkŏhol

Alkŏhol (A. absolutus, wasserfreier Weingeist, Chem.), aus dem höchst rectificirten Weingeist (s. Branntwein) durch nochmalige Destillation u. Rectification über geschmolzenem Chlorcalcium dargestellt, das Hydrat des Äthers (Zeichen: C4H6O2 od. C4H5O, HO), wasserhelle, leichtflüssige, leichtentzündliche Flüssigkeit, von feurigem, starkem, angenehmem Geschmack u. Geruch, bei 15° 0,7947 specifischem Gewicht, siedet bei 78° u. erstarrt bei – 68° noch nicht, brennt mit wenig leuchtender, bläulicher Flamme, die durch, in demselben aufgelöste Borsäure od. Kupfersalze grün, durch Chlorstrontium roth, Chlorcalcium orange, Chlorbarium grüngelb gefärbt wird; 1 Volumen verwandelt sich bei 100° in 488,3 Volumen höchst entzündlichen Dunst, von 1,6133 specifischem Gewicht. In großen Gaben wirkt er als tödtendes Gift, in kleinen, mit Wasser verdünnt, berauschend (vgl. Weingährung). Mit Wasser gemischt, verdichteter sich u. entwickelt Wärme. So wie möglichst wasserfreie Salze dem A. das ihm beigemengte Wasser entziehen, so zieht der reine A. aus der Luft u. aus den Substanzen begierig Wasser an. Daher die zusammenziehende Empfindung im Munde, wenn man denselben nimmt. Feuchte thierische Theile, anatomische Präparate kann man durch Übergießen mit öfters gewechseltem A. trocknen. Eine trockene Blase wird von demselben nicht befeuchtet, wohl aber von dem ihm beigemengten Wasser, weshalb vom Branntwein, der in einer Blase über dem warmen Ofen aufgehängt ist, nach u. nach, indem das Wasser verdunstet, A. von 97 Procent zurückbleibt. Fein zertheiltes Platin wird mit A. befeuchtet glühend (s. Glühlämpchen), u. bei der langsamen Verbrennung des Letzteren bildet sich Aldehyd, Essigsäure, Essigäther. Bei der Einwirkung des Chlors, Broms u. vieler concentrirter Säuren auf den A. bilden sich Äthersäuren, Ätherarten, ätherartige Producte (vgl. A-äther), bei Mischung von salpetersauren Silber- u. Quecksilberoxyden mit A.: Knallsäure. Kalium, Kali- u. Natronhydrat in A. aufgelöst, wirken zerlegend auf ihn; ersteres erzeugt, indem es sich oxydirt, unter Entwickelung von Wasserstoffgas eine ölartige, beim Erkalten krystallinisch-erstarrende Masse (Kalium-A.). Sowohl in reinem als wasserhaltigem A. lösen sich viele Salze, bes. die meisten Chloride, ferner Harze, ätherische u. manche fette Öle, organische Basen u. viele Gase werden zum Theil in großer Menge von ihm absorbirt. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, daß dem A. auch noch kleine Mengen anderer A-e (s.d.), z.B. Propyl-A., beigemengt sind. Der A. ist wichtiges Heilmittel, bes. in Bier, Wein etc.; er erhöht die Kraft der Verdauung, fördert somit die Blutbildung u. wird zur Kräftigung nach erschöpfenden Krankheiten od. Anstrengung des Körpers wie des Geistes, bei Blutmangel od. Bleichsucht, schlechter Verdauung überhaupt angewendet, um die verlorenen Kräfte wieder zu ersetzen. Auch begünstigt er die Fettbildung im Körper, wie bei starken Trinkern zu sehen ist, bei übermäßigem Genuß nimmt aber das Fett eine eigenthümliche Beschaffenheit an, s. Säuferfett, u. erzeugt zuletzt Krankheiten aller Art bis zum Säuferwahnsinn, s.d.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Alkohol — (arab., Äthylalkohol, Äthyloxydhydrat, Äthanol, Methylkarbinol, Weingeist) C2H6O findet sich im Harn und in den Muskeln des Menschen 24 Stunden nach dem Tod, im Harn der Diabetiker (in Form von Estern), in Blättern, Keimpflanzen, in unreifen… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon