Amboise [1]


Amboise [1]

Amboise (spr. Angboas), Stadt an der Loire u. Amasse, im Bezirk Tours des französischen Departements Indre-Loire, Schloß mit vielen Thürmen (das hier befindliche ungeheure Hirschgeweihe ist nach, von Philipp von Anjou, dem Herzog von Burgund u. dem Herzog von Berry 1700 angestellten Untersuchungen von Menschenhänden zusammengesetzt), Fabriken in Wollen- u. Seidenzeugen (Amboisienne), Stahl; 5300 Ew. – A. wird erst im 6. Jahrhundert von Gregor von Tours als Ambacia erwähnt; das Schloß A. ward im 9. Jahrh. von den Normannen zerstört, aber wieder aufgebaut. Hier am 30. Sept. 1174 Frieden zwischen König Heinrich II. von England u. seinen Söhnen, s. England (Gesch.). A. gehörte Anfangs den Herzögen von Anjou, später eigenen Herren von A., denen es 1431 wegen Felonie abgesprochen wurde, s. Amboise (Geneal.). Es gehörte nun dem Könige, u. oft verweilten die Glieder des Hauses Valois hier; Ludwig XI. stiftete hier den Michaelisorden, Karl VIII. wurde dort 1470 geboren u. st. daselbst 1498, u. hatte hier in den Thürmen Oublietten, in denen gegen 15,000 Personen verschmachtet sein sollen. Hier 1560 Verabredung (Verschwörung von A.), wonach die Hugenotten, den Prinz Condé an ihrer Spitze, von hier den König Franz II. aus der Gewalt der Guisen entführen u. diese selbst gefangen nehmen wollten. Sie ward entdeckt (s. u. Hugenotten). Hier auch den 19. März 1563 Publicirung eines Edicts (Edict von A.) wegen der freien Übung des reformirten Gottesdienstes der hohen Lehnsbesitzer (s. ebd.). 1762 kam A. an den Herzog von Choiseul u. dann an den von Penthièvre. In der neuesten Zeit gehörte es der Familie Orleans u. ward im Juli 1852 von der kaiserlichen Regierungscommission in Besitz genommen. A. war auch von 1848–1852 Aufenthaltsort Abd el Kaders.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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