Apfelsäure


Apfelsäure

Apfelsäure (Acidum malicum), zuerst von Scheele 1785 dargestellt; sie findet sich in den Pflanzen entweder frei od. an Kali, Kalk od. Magnesia gebunden, bes. in Verbindung mit Citronensäure in den unreifen Äpfeln, in den Vogelbeeren, Schlehen, Hollunderbeeren, Kirschen, Erd-, Stachel-, Johannisbeeren u. anderen säuerlichen Früchten; man erhält sie auch künstlich bei der Zersetzung des Asparagins od. der Asparaginsäure durch salpeterige Säure; man stellt sie am besten aus dem Safte unreifer Äpfel od. aus den Vogelbeeren dar. Aus der bis zur Syrupsconsistenz abgedampften wässerigen Lösung setzen sich beim Stehen an einem warmen Ort aus Nadeln bestehende Warzen od. glänzende, zu Büscheln vereinigte Prismen ab; die Krystalle schmelzen bei 83°, sie sind ohne Geruch, aber von sehr sauerem Geschmack; zerfließen an der Luft; lösen sich leicht in Alkohol; bei 176° verliert die A. die Elemente des Wassers u. verwandelt sich in zwei neue Säuren, Maleïn- u. Fumarsäure. Mit essigsauerem Bleioxyd bildet sie einen weißen Niederschlag, der sich nach u. nach auflöst u. endlich in seideglänzende Krystalle verwandelt; sie reducirt Goldsalze; [597] Schwefelsäure zersetzt die A. unter Entwickelung von Kohlenoxydgas, durch Salpetersäure wird sie in Oxalsäure verwandelt; beim Erhitzen mit Kalihydrat verwandelt sie sich unter Wasserstoffentwickelung in Oxalsäure u. Essigsäure. Unter Mitwirkung von Fermenten geht die A. in Bernsteinsäure u. Buttersäure über. Die A. hat große Neigung, saure Salze (Apfelsaure Salze) zu bilden; mehrere derselben kommen fertig gebildet in der Natur vor, namentlich findet sich das Kali-, Kalk- u. Magnesiasalz fast in allen saueren Früchten u. sind darin von weinsaueren u. citronensaueren Salzen begleitet; in großer Menge finden sie sich in den saueren Äpfeln; in den Vogelbeeren etc. Saures Ammoniaksalz, C8H5(NH4)O10, krystallisirt in schönen wasserhellen, geraden rhombischen Prismen; saures Kalisalz, C8H5KO10, bildet in Wasser lösliche, in Alkohol unlösliche Krystalle; saures Barytsalz ist nicht krystallisirbar; das neutrale Salz bildet durchscheinende Schuppen; neutrales Kalksalz bildet große glänzende Schuppen, die, mit Wasser hingestellt, leicht in Bernsteinsäure u. Essigsäure zerfallen; findet bei dieser Reaction Wasserstoffentwickelung statt, so wird die Bernsteinsäure zerstört u. es bildet sich Buttersäure. Das saure Salz kommt in vielen Pflanzen vor, so z.B. in großer Menge in Tabak; es krystallisirt in rhombischen Prismen, die sich in 50 Theilen kaltem Wasser, in geringer Menge siedendem lösen, in absolutem Alkohol sind sie unlöslich. Neutrales Magnesiasalz, rhombische Prismen; das saure Salz, platte Säulen; neutrales Kupfersalz, schöngrüne, gummiähnliche, in Wasser leicht lösliche Masse; das saure Salz bildet schöne kobaltblaue Krystalle. Eisenoxydsalz, neutrales u. saures Salz sind braune, gummiartige, an der Luft unveränderliche, in Wasser u. Alkohol leicht lösliche Verbindungen. Das Oxydsalz macht einen Bestandtheil des Extractum ferri pomati aus. Neutrales Bleisalz, C8H4Pb2O16 6 aq., durch Fällen von apfelsaurem Ammoniak mit essigsaurem Bleioxyd erhalten, ist ein weißer, käsiger Niederschlag, der sich in einigen Stunden in ein Aggregat von vierseitigen Nadeln verwandelt; in kochendem Wasser schmilzt es zu einer durchscheinenden kleberigen Masse; das basische Salz, durch Digestion des vorigen Salzes mit Ammonigk erhalten, ist ein nicht krystallinischer unlöslicher Niederschlag, der in Wasser fast unlöslich ist. Silbersalz, C8H4Ag2O10, durch Fällen von salpetersaurem Silberoxyd mit apfelsaurem Ammoniak erhalten, ist ein weißer, sandiger Niederschlag, der durch starkes Trocknen gelb wird.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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