Armenien [1]


Armenien [1]

Armenien, 1) (Armenia, a. Geogr.), in den alten Zeiten Provinz zwischen dem Hyrkanischen u. Schwarzen Meere, Albanien, Iberien, Mesopotamien, Assyrien u. Atropatene. Es wurde getheilt in: a) Groß-A. (A. major), das Hochland, der östliche Theil, grenzte in S. an Mesopotamien u. den Taurus, in N. an Albanien u. Iberien, in O. an das Kaspische Meer u. den Araxes, in W. an Klein-A.; also die jetzigen Provinzen Erzerum, Kars, Wan u. Eriwan; Größe: 5000 QM.; Gebirge: Moschici Montes, Kapotes, Gordyaei Montes, Niphates, Masios, Abos; Flüsse: Euphrat, Tigris, Nymphios, Nikephorios, Kyros, Araxes, Harpasos u. a.; Seen: Mantiana, Lychnites, Thospitis; Producte: Wein, Öl, Getreide, Gold u. a. Metalle, Pferde; b) Klein-A. (A. minor), zwischen dem Euphrat u. Kappadocien (zu welchem Landstrich auch ein Theil von Klein-A. gehörte); getrennt nördlich vom Pontus durch die Gebirge Paryadres u. Sködises, östlich von Groß-A. durch den Euphrat; enthielt die Gebirge Ananos u. Antitauros, u. wurde vom Lykos durchströmt; jetzt nur der östliche u. Theil des Paschalik Sivas u. der nördliche vom Merasche. Das römische A. befaßte noch Kolchis, Iberien u. Albanien. Über die Einwohner (Armenii) s. u. Armenien (Gesch.) I. Jetzt begreift A. 2) (n. Geogr.) ein kaltes doch fruchtbares Gebirgsland von etwa 5000 QM., mit 800,000 Ew.; vgl. Eriwan, Kars, Erzerum, Schehrsor, Wan. Gebirge: Ararat u. Kaukasus; Flüsse: Araxes, Euphrat, Tigris, Kur; See: Wan; Producte: Eisen, Kupfer, Blei, Salz, Naphtha, Pferde, Bienen, Wildpret, Getreide, Baumwolle, Wein, Obst. Seit dem Frieden 1828 zum Theil Rußland unterworfen, zum Theil türkisch geblieben. Die Einwohner (Armenier) sind olivenfarbig, schwarzhaarig, schlank, gelten für mäßig, still u. klug, gewandt u. treu; noch jetzt senden sie fleißig Karavanen mit den Producten ihrer u. der Nachbarländer bis nach Ägypten. Der Druck unter türkischer u. persischer Herrschaft, namentlich der Religion wegen, veranlaßte schon seit dem Mittelalter viele Armenier ihr Vaterland zu verlassen, u. sie sind zahlreich über Vorder- u. Mittelasien bis China, auch in Europa in Ungarn, Siebenbürgen, Gallizien, bis London u. Amsterdam zerstreut, wo sie sich mit dem Handel beschäftigten; eine religiöse Colonie sind die Mechitaristen (s.d.) auf der Insel S. Lazaro bei Venedig. Seit den Kriegen der Russen mit den Persern u. Türken wanderten viele nach dem russischen Reiche aus u. es befinden sich da Armenier in den Gouvernements Astrachan, Podolien, Cherson, Taurien, Iekaterinoßlaw, Moskau, Stawropol, Provinz Bessarabien u. in Trans-Kaukasien, im Ganzen etwa 3000 Seelen. Vgl. Curzon, Ars menia, Lond. 1854.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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