Baktrien


Baktrien

Baktrien (Baktriana, Baktria), 1) (a. Geogr.), Landschaft Asiens, umfaßte das jetzige Balkh u. einen Theil der Bucharei, zwischen dem Paropamisos u. Oxos, war mehr gebirgig als eben; Flüsse: Oxos, Zariaspis, Artamis, Dargidos (Baktros); Producte: Waldungen, Wein, Getreide, Silber, Rubinen u. andere Edelsteine, Pferde etc.; ein großer Theil des Landes war Sandwüste. Das alte Baktra (früher Zariaspe, jetzt Balkh), die Hauptstadt des Landes, ein großer bevölkerter Ort, lag am Berge Paropamisos u. dem Flusse Baktros, u. war wegen der Nähe des Oxos u. der reichen Goldländer Indiens der vornehmste Stapelplatz des Handels zwischen WAsien u. Indien. Ihre Ruinen füllen noch einen Raum von 20 engl. Meilen im Umfang. Die Baktrianer (Baktroi), welche mit den Persern u. Medern zum Iranischen Stamme gehörten, zeichneten sich früh durch Bildung aus u. nahmen nachher griechische Cultur an; sie waren tapfer u. gewandte Reiter (im Heere des Xerxes waren 30,000 baktrische Reiter) u. trugen medische Mützen, Bogen aus Rohr u. kurze Speere. Religion: der zoroastrische Parsismus. 2) (Gesch.). Die Baktrianer erscheinen schon in der frühesten Sagengeschichte als ein mächtiges, tapferes u. cultivirtes Volk; unter ihren ältesten Königen wird Zoroaster genannt. Sie wurden unter Ninos dem Assyrischen Reiche unterworfen, bis auf Sardanapals Sturz, zu dem sie kräftig mitwirkten. Nachmals standen sie unter den Medern, mit denen sie durch Kyros unter die Botmäßigkeit der Perser kamen. Alexander d. Gr. eroberte B. u. siedelte hier 14,000 Griechen an, welche 12 Städte gründeten u. griechische Cultur im Lande einführten. Nach Alexanders Tode erhielt Stasanor B. u. Sogdiana auf kurze Zeit, dann kam es an Seleukos Nikator von Syrien. Die Schwäche des Syrischen Reiches benutzte der Statthalter von B. Theodotos (Diodotos), machte sich 256 v. Chr. unabhängig u. wurde so Stifter des Baktrischen Reiches. Wie weit sich seine Herrschaft erstreckte, weiß man nicht. Theodotos Nachfolger war sein Sohn Theodotos II.; mit ihm verband sich Arsakes von Parthien, der vor seinem Volke geflohen war, gegen Syrien, welchem Staate gegenüber Theodotos seine Unabhängigkeit zu behaupten wußte. 220 stieß Euthydemos die Familie des Theodotos vom Throne u. wurde selbst König. Antiochos der Gr. griff auf seinem asiatischen Feldzuge auch den Euthydemos an, doch schlossen sie 205 Frieden; unter anderen Bedingungen war auch die, daß Euthydemos seine Elephanten ausliefern mußte. Nach 200 unternahm er Eroberungszüge nach Ariana u. Indien, u. st. 185 (190). Nach ihm setzen Einige den Menandros, dann Apollodotos u. Heliokles, doch ohne historische Sicherheit. Sicher ist, daß Demetrios, Sohn des Euthydemos, die Tochter des Antiochos III. heirathete, sich in Indien (WKabulistan) ein Reich eroberte, nach seines Vaters Euthydemos Tode König von B. ward u. 175 von Eukratides vertrieben, sich nach seinem indischen Reiche zurückzog; auch von dort vertrieb 165 Eukratides den Demetrios u. eroberte dann das Reich des Pantaleon in OKabulistan. 160 (147) ward er von seinem Sohne Eukratides II. ermordet. Endlich wurde das Griechisch-baktrische Reich von Mithridates d. Gr. gestürzt, u. nach ihm (nach 126 v. Chr.) fielen Skythen od. Saker, die schon lange drohend an den Nordgrenzen erschienen waren, bes. Tocharer (Yuntchi) in B. ein. Ein späterer Häuptling, Khieoutsieouhi, bekriegte die Parther u. eroberte Kaosu, Kipin u. Hantha, um 25 v. Chr. Ihm folgte um 30 n.Chr. sein Sohn Yenkaotchin; dieser eroberte Indien. Die Yuntchi, mächtig geworden, führten gegen China Krieg (98 n.Chr.), bei welcher Gelegenheit das Kaspische Meer von ihnen entdeckt wurde. Ihre Macht dauerte bis in das 3. Jahrh.; dann wurden sie von andern nordischen Barbaren geschwächt. 226 kam B. an das Neupersische Reich bis 638, u. ward dann eine Provinz des Arabischen Khalifats. Bei dessen Verfall kam B. mit andern östlichen Provinzen an die verschiedenen türkischen Dynastien der Ghazneviden (999), Seldschuken (1037), Chowaresmier (1097) u. zuletzt an die Mongolen (1219); 1221 wurde es von Dschingis Khan u. 1369 von Tamerlan, dessen Nachkommen es gegen 180 Jahre lang beherrschten, erobert. Seit Anfang des 16. Jahrh. bezwangen es die Usbeken, später die Afghanen, doch wird der Khan von Bokhara seit 1805 als Oberherr von den Usbekischen Khans anerkannt. Eine Quelle zur Geschichte der griechisch-baktrischen Könige sind bes. die baktrischen Münzen, von denen bes. die 4eckigen kupfernen Bilingues (mit griechischer u. altkabulischer Inschrift) zu nennen sind; als Gepräge enthalten die goldenen u. silbernen auf dem Avers den Kopf des Königs, auf dem Revers Attribute derselben, mythologische Figuren u. dgl., die kupfernen nur Gegenstände aus der Mythologie, merkwürdige Producte des Landes etc. Vgl. Bayer, Historia regni Graecorum Bactriani, Petersb. 1738; Médallies grecques de rois de la Bactr. etc., ebd. 1822 u. dazu Suppl. 1823; Raoul-Rochette, Notice sur quelques médallies gr. appartenant à des rois inconnus de la Bactr., Par. 1830, dazu 2 Suppl. 1835 f.; Lassen, Zur Geschichte der griech. etc. Könige in Baktrien, Bonn 1838; Ders., Indische Alterthumskunde, ebd. 1849; Grotefend, Die Münzen der griech. Könige von Baktrien, Hannover 1839; Wilson, Ariana antiqua, Lond. 1841; Prinsep, On the historical Results of Bactrian coins, ebd. 1846.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Baktrien — Bạktri|en,   griechisch Baktria, altiranisch Bạchtrisch, historische Landschaft in Asien, zu beiden Seiten des oberen und zum Teil auch des mittleren Oxus (heute Amudarja), entsprach etwa dem heutigen nördlichen Afghanistan; Grenzen bildeten im …   Universal-Lexikon

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