Balken [1]


Balken [1]

Balken, 1) (Bank.), ein horizontal, mit beiden Enden auf der Mauer eines Gebäudes liegendes Holz. Solche B. theilen den innern Raum eines Gebäudes in mehrere Abtheilungen über einander, bilden also die Grundlage zu Decken u. Fußböden u. sind daher der Gegensatz von Hauptholz, Ständern, Riegeln, Schwellen, Sparren. An jedem B. unterscheidet man die breite Seite (Kante) u. die hohe Kante, od. schmälere Seitenfläche, u. den Kopf, d.i. das Ende, auf welchem er aufliegt. Die B-köpfe, welche auf Mauern od. in denselben liegen, müssen, gegen das Verfaulen, entweder auf 3 Seiten frei von Mauerwerk gelegt, od. wenigstens mit Theer[245] bestrichen werden, Man unterscheidet die B. (Balkenlage) der Stockwerke als Untergebälke, u. die Dachbalkenlage, auf welche die das Dach bildenden Hölzer gesetzt sind, als Obergebälke. In dem Untergebälke sind Bund-, Wand- od. Scheid- u. Giebel-B., welche eine hölzerne untere od. obere Quer- u. Giebelwand mit einander verbinden, ledige B., welche zwischen diesen, Ort-B., welche neben steinernen Wänden liegen. Die Balkenweite, d.h. die Entfernung der B. von einander, bestimmt sich nach der Last, welche sie zu tragen haben, wird von Mitte zu Mitte gerechnet u. beträgt 2,21 bis 3 u. 4 Fuß. In dem Obergebälke sind Dachbinder-B., auf welchen Querverbindungen zur Tragung des Daches stehen; Grad-B., welche zur Vereinigung mehrerer nach entgegengesetzter Richtung liegender Balken dienen, u. Kehl-B., die in paralleler Richtung über den Dachbalken die Sparren aus einander u. festhaltenden Hölzer. Sind mehrere dergleichen Kehlbalkenlagen in einem Dache, so heißen die dem Forst zunächst liegenden Hahne- (Hain-) B., u. die durch dieselben entstehenden Dachbodenabtheilungen die Kehl- (Hainbalken-) boden. Müssen die B. bei Scheunen, Treppen, Essen etc. ausgeschnitten u. gewechselt werden, so heißen sie ausgewechselte (ausgetrumpfte) B.; dagegen versteht man unter durchgehenden B. solche, welche, ohne zusammengesetzt od. ausgewechselt zu sein, von einer Frontmauer zur andern reichen: sie dienen bes. zur Anbringung von B-Antern. Stich-B. sind kurze B-stücke, welche bei Walmdächern von den Giebelseiten aus in den nächsten Dachbalken eingezapft sind, u. auf denen die den Walm bildenden Sparren ruhen. Daher Kehlstich-B., die in die Kehlbalken eingezapften, u. Gradstich-B., die von den Ecken nach dem Mittel des Gebäudes liegenden Balkenstücke. Verzahnte (verdoppelte, zusammengesetzte) B. (Gespanntes Roß) sind mehrere über einander verbundene B., deren man sich bei großen Räumen u. als Träger bedient. Da sich der Widerstand zweier B. von gleichen Längen, verschiedenen Breiten u. Höhen verhält, wie die Producte aus ihren Breiten, multiplicirt mit den Quadraten ihrer Höhen; so ergiebt sich, daß die B. auf die hohe Kante gelegt u. die Stämme so behauen werden müssen, daß sich die Breite zur Höhe wie 2: 3 verhält. Einfache B. sollen nicht über 8 Fuß ohne Unterstützung bleiben. Mit eichenen, tannenen u. kiefernen B. wird ein starker Handel von der Ostsee, Preußen, Riga u. von Norden nach England, Frankreich, Spanien etc. getrieben; sie sind 10–50 Fuß lang u. 9–18 Zoll breit. Riga liefert polnische Zimmer-B., englische mehrkantige Brussen, wie auch polnische B. auf holländische Art von 11, 12–13 Zoll Dicke; Memel dergleichen von 12–14 Zoll Dicke; bei den Memelern hat das Holz wenig Splint. Die Norweger unterscheiden ihre B. als Wurzel-B. (der untere Stamm), Maß-B. (der mittlere Stamm) u. Untermaß-B. (der obere Stamm). Greinen-B. sind kieferne. England zieht jetzt viele B. aus Canada; auch aus Neu-Seeland 80–100 F. lange. Sie dienen zu Masten von Kriegsschiffen; 2) (Schiffsw.), die Hölzer, die von einer Seite des Schiffs bis zur andern reichen u. die Verdecke tragen; B. ruhen auf der Balkentracht, dicken Bohlen längs des Bandes unter dem Verdeck; 3 (Her.), ein B. entsteht, wenn der Schild durch 2 horizontale Linien in 3 Plätze getheilt wird, von denen die äußern anders fingirt sind, als der mittlere. Der schmale heißt Balkenstreif (Faden, Binde, Streif, Schnur). Der B. ist zuweilen auch wellenförmig, gezackt, gespitzt, geästet, geschacht etc., seltener schwebend, od. auch abgekürzt. Sind mehrere B. in einem Schilde, so unterscheiden sie sich dadurch von den gestreiften Schilden, daß die Zahl der Plätze ungleich ist u. der obere u. untere Platz dieselbe Farbe haben (das Feld ausmachen); 4) so v.w. Wagbalken; 5) an der Egge die beiden Stücken Holz, welche die mit Zinken besetzten Ackerstücke festhalten; 6) so v.w. Grindel, s.u. Pflug; 7) so v.w. Haupt am Rechen; 8) in musikalischen Streichinstrumenten ein in Form einer schmalen Leiste inwendig an der Decke parallel mit der tiefsten Seite fortlaufendes Stück Holz, von dessen Beschaffenheit die Haltbarkeit u. bes. der Klang des Instrumentes abhängt; 9) so v.w. Emporscheuer, s.u. Scheuer; 10) in Niedersachsen so v.w. Kornboden; 11) (Landw.), der ungepflügte Raum zwischen 2 Furchen, vgl. Bälken; 12 (Weinb.), der leere Raum zwischen zwei Rebenreihen in einem Weinberge; 13) (Anat.), B. des Gehirns, ein Stück der Gehirnmasse, welches die beiden Theile (Hemisphären) des großen Hirns am Grunde verbindet. Der B. unterscheidet sich von der andern Hirnsubstanz durch seine weiße Farbe u. größere Festigkeit, daher auch Hirnschwiele od. callöser Körper genannt, s. Gehirn; 14) B. des Herzens (Traneculae carneae cordis), die gitterartig geordneten Muskelbündel der inneren Herzwandungen, welche innerhalb ihrer Maschen die Blutsäule im Herzen in eine Menge unzähliger kleiner, gegeneinander stoßender Ströme brechen, was einer möglichen Trennung der Grundtheile des Blutes entgegenarbeitet u. nur noch innigere Mischung bewirkt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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