Ballāde


Ballāde

Ballāde, ursprünglich wohl ein Lied, mit Mimik vorgetragen; jetzt ein der Form nach lyrisches Gedicht mit epischem Stoffe, der meist der Volkssage entlehnt od. im Geiste derselben gedichtet ist. Am frühesten bestand die B. als Ballata bei den Italienern, sie war ein rein lyrisches Gedicht kleineren Umfangs u. meist erotischen Inhalts. Auch findet man bei den Franzosen Ballades in diesem Sinne, aber seit Molière, der sie hart tadelte, kamen sie in Frankreich ab. Schon im 14. Jahrh. findet sie sich in ihrer jetzigen Form in England u. von da an ist dies Land u. bes. Schottland der Hauptsitz der B-n gewesen. Sie bestand dort aus 3 Strophen, in denen immer dieselben Reime wiederkehrten u. am Ende derselbe Refrain stand. Als erzählendes Lied hat die B. mit der eigentlich spanischen Romanze die größte Verwandtschaft, nur daß die Romanze noch mehr lyrisch als episch ist u. die Merkmale des leichten südlichen Charakters an sich hat, während die B. den ernsten nordischen Charakter zeigt. Die B. verlangt als Lied eine kürzere, einfachere Handlung, als das eigentliche epische Gedicht u. eine raschere Darstellung. Fast jedes neuere, sich poetisch ausbildende Volk hat B-n als älteste Denkmäler seiner Geschichte aufzuweisen. Zum Vortrag derselben, bes. mit Begleitung der Musik, gehört auch die lyrische Versart, od. die Ausbildung der Strophen; doch ist sie kein untrügliches Kennzeichen der B. In der B. war unter den Deutschen Bürger vornehmlich ausgezeichnet, er gab ihr den volksmäßigen Ton wieder, welchen die älteren Lieder hatten; ihm folgten Stolberg, Goethe, Schiller, der aber durch Glanz der Schilderung die Einfachheit des alterthümlichen Tons aufhob, Uhland, die beiden Schlegel, Tieck, Schwab, Chamisso, Zedlitz, Heine, Nik. Lenau, Freiligrath etc. Mehr s.u. den einzelnen Nationalliteraturen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • BALLADE — Par son étymologie (ancien provençal ballada ), la ballade est, comme le rondeau, une des formes lyriques associées à la danse. La structure la plus typique, qui l’a fait ranger parmi les formes fixes, comporte trois strophes sur les mêmes rimes… …   Encyclopédie Universelle

  • Ballade — Ballade, die, oder Romanze gehört zu den epischen oder historischen Dichtungsarten. Das Wort Ballade stammt aus dem Italienischen und bezeichnet eigentlich ein Lied, welches man zum Tanze sang. Sie erzählt eine wirkliche oder erdichtete… …   Damen Conversations Lexikon

  • ballade — BALLADE. s. f. (On ne prononce qu une L dans ce mot et les suivans.) Espàce d ancienne Poésie Françoise, composée de couplets faits sur les mêmes rimes, et qui finissent tous par le même vers. Voilà une jolie ballade. La ballade est composée de… …   Dictionnaire de l'Académie Française 1798

  • ballade — Ballade. s. f. Espece d ancienne Poësie Françoise. Cet homme a fait une ballade. On appelle, Le refrein de la ballade, Le vers intercalaire qui revient à la fin de chaque couplet. On appelle dans l entretien ordinaire, Le refrein de la ballade,… …   Dictionnaire de l'Académie française

  • Ballade — »episch dramatisches Gedicht«: Das Wort wurde im 16. Jh. – zunächst in der Bed. »Tanzlied« – aus frz. ballade entlehnt, das seinerseits aus it. ballata stammt (zu it. ballare »tanzen«). Die seit dem 18. Jh. bezeugte heutige Bedeutung bildete sich …   Das Herkunftswörterbuch

  • Ballāde — Ballāde, eine episch lyrische Dichtungsgattung, der Romanze (s. d.) entsprechend. Der Name findet sich zuerst bei den Provenzalen, wo balada (von balar, »tanzen«) soviel wie Tanzlied bedeutet, d. h. ein von den Tanzenden selbst während des Tanzes …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Ballade — Sf erzählendes Gedicht erw. fach. (16. Jh., Bedeutung 18. Jh.) Entlehnung. Das Wort wurde zunächst mit der Bedeutung Tanzlied entlehnt aus frz. balade Tanzlied (letztlich aprov. balada aus aprov. balar tanzen , aus l. ballāre; Ball2). Die… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • ballade — late 14c., an earlier borrowing of BALLAD (Cf. ballad) (q.v.) with a specific metrical sense. Technically, a poem consisting of one or more triplets of seven (later eight ) lined stanzas, each ending with the same line as the refrain, usually… …   Etymology dictionary

  • Ballade — Bal*lade , n. [See {Ballad}, n.] A form of French versification, sometimes imitated in English, in which three or four rhymes recur through three stanzas of eight or ten lines each, the stanzas concluding with a refrain, and the whole poem with… …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Ballade — Ballāde (vom ital. Ballata, d.i. Tanzlied), bei den südroman. Völkern (seit 12. Jahrh.) kürzeres, rein lyrisches Gedicht, meist erotischen Inhalts, zur Begleitung des Tanzes gesungen; im 14. Jahrh. in England und Schottland das epische Volkslied… …   Kleines Konversations-Lexikon