Borax


Borax

Borax (Borsaures Natron), im rohen Zustande Tinkal od. Pounxa, NaO, 2BO3 + 10HO, festes Mineral, das bes. von Tibet (wo sein Hauptfundort ein See ist, auf dessen Grunde er krystallisirt vorkommt), in den Handel kommt; doch auch in Japan, China, Persien, Ceylon, der Tatarei, SAmerika u. in Europa in den Boraxlagunen im Toscanischen gefunden wird, in welchen letzteren der B. unter großer Hitze u. vieler Bewegung, unweit eines vulkanischen Berges, des Monte Cerboli (Mons Cerberi), verbunden mit heißem Wasser, aus dem Sand- u. Kalkboden quillt u. dann durch Verdunstung in künstlichen Lagunen gewonnen wird. Der tibetanische u. persische B. bildet fettige, grünliche Massen mit Mergel vermengt, in dem er zum Theil krystallinisch unterscheidbar ist; der chinesische wird in weißen od. weißgrauen Erdklumpen, in Elephantenhaut eingenäht, nach Europa gebracht. Der B. ist in Asien seit den ältesten Zeiten bekannt; nach Europa brachten ihn zuerst die Araber. Zu seiner reinen Darstellung bedarf er einer nachmaligen chemisch technischen Behandlung, die in eigenen Boraxraffinerien, früher ausschließlich in Venedig u. Holland, geschieht. Man zerstößt nämlich den rohen B. (Tinkal) u. bringt ihn in einen Filtrirbottich, der inwendig mit Blei ausgeschlagen u. dessen Boden über einem hölzernen Gitter mit starker Leinwand überspannt ist, so, daß er ungefähr 1 Fuß hoch darin liegt; wäscht die Salzmasse mit Natronlauge aus u. zwar so, daß man jedes Mal nur eine kleine Quantität der Auflösung zusetzt, bis das Waschwasser fast hell abläuft. Dann wird dem Salz Zeit zum Abtropfen gegeben, u. dasselbe später nach u. nach in einen großen kupfernen Kessel, mit siedendem Wasser gebracht, dann setzt man von kohlensaurem Natron etwa 12 Procent vom Gewicht des Tinkals zu. Das Ganze muß sich nun setzen u. später wird die heiße Masse in die Krystallisirgefäße abgezogen, wo er sich in bedeckten Gefäßen u. einem geschlossenen Raume abkühlt. Diese Gefäße selbst sind große, hölzerne, mit dickem Blei gefütterte Bottiche; sie sind mit feingehacktem Stroh umgeben u. haben einen hölzernen, innen mit Blei gefütterten Deckel, außerdem sind sie mit einer Rohrdecke u. Leinwand, auf welcher sich Häckerling ausgebreitet befindet, bedeckt. Etwa nach 20 Tagen ist die Temperatur der Masse der der Luft gleich: die Mutterlauge wird ausgeschöpft u. die angesetzten Krystalle des B-es mit eisernen Keilen losgeschlagen. Die Krystalle werden nun ausgesucht, die größeren als fertig, in der Wärme getrocknet, die kleineren später wieder aufgelöst u. umkrystallisirt. Dieses Verfahren ist seit Erfindung der künstlichen B-fabrikation durch Payen u. Cartier außer Gebrauch gekommen. Künstlich wird der B. durch Sättigung von kohlensaurem Natron mit Borsäure dargestellt. Seit das Verfahren bekannt geworden, fiel der Preis des B-s auf 1/3 seines früheren Werthes. Um auf diese Weise B. zu gewinnen, löst man in einem mit Blei gefütterten Bottich Soda zu etwa 1 Theil bei 2 Theilen Wasser auf u. schüttet in die auf 80° R. erhitzte Flüssigkeit eine der Soda gleichkommende Quantität pulverisirte Borsäure in Portionen. Kohlensäure u. Ammoniak entweichen dann durch eine, den Deckel des Bottichs durchbrechende Röhre u. streifen durch ein mit Schwefelsäure gefülltes Behältniß, um als Nebenproduct schwefelsaures Ammoniak zu bilden. Nach 10–12 Stunden ist die B-lösung geklärt u. wird alsdann in Krystallisirgefäße abgelassen. Die gewonnenen Krystalle werden später, da die Borsäure nie rein in den Handel kommt, einer neuen Krystallisation unterworfen, um die Beimischungen von Thon, Kalk etc. daraus zu scheiden. Der sonach erhaltene raffinirte B. (B. depurata) bildet helle, glänzende, halbdurchsichtige, 6seitige Prismen, die an der Luft oberflächlich weiß beschlagen, von anfänglich süßlichem, dann bitterlich alkalischem Geschmack; an einander gerieben od. geschlagen phosphoresciren sie im Dunkeln; sie lösen sich in 12 Theilen kalten u. 6 Theilen warmen Wassers auf u. reagiren dann alkalisch, indem sie den Veilchensaft grün färben. Die Krystalle schmelzen bei 82–85° R., bildete aber nach Verflüchtigung eines Theils des Krystallisationswassers eine feste Masse. Diese bläht sich bei fernerer Erhitzung auf u. bildet eine leichte, schwammige, spröde u. mürbe Masse, gebrannten B. (B. usta). In noch höherer Hitze schmilzt dann dieser zu einem farbenlosen, durchsichtigen Glase (Boraxglas), das in Wasser aufgelöst, wie auch der gebrannte B., wieder krystallinisch wird. Der sogenannte octaëdrische B., NaO, 2BO3 + 5HO, enthält nur die Hälfte des Krystallwassers des prismatischen, u. wird gewonnen, indem man eine Lösung des gewöhnlichen B. bei 79° krystallisiren läßt. Mineralogisch rechnet Leonhard den B. zur Gruppe Natrium, Oken zu den Salzsalzen; chemisch besteht er aus B-säure u. Natron (Sodiumoxyd) mit dem zur Krystallisation nöthigen Wasser; im natürlichen Vorkommen aber ist die Sättigung der B-säure mit Natron nur unvollkommen; das genauere Verhältniß der Verbindung s.u. Boraxsaure Salze. Beim Löthen von Gold, Silber, Messing, Kupfer etc. ist B. ein unentbehrliches Hülfsmittel. Es bildet auf der Oberfläche schmelzender Metalle einen glasigen Überzug, welcher den Luftzutritt, also die Oxydation verhindert, das etwa schon vorhandene Oxyd auflöst u. einen rein metallischen Glanz erzeugt. Auch fördert er durch diese Eigenschaft die Dünnflüssigkeit des Metalls, welche bei dem Vorhandensein eines Oxydüberzugs nicht so schnell erreicht werden würde. Ferner dient er Erze zu probiren, zur Basis der meisten gefärbten Schmelze, zu Emailbereitung, zu[86] Verfertigung künstlicher Edelsteine u. des weißen Metallglases, zu dauerhaften Glasuren auf Kupfer u. Eisenblech, auf irdenen Geschirren, bes. Fayence, zum Einbrennen von Gold u. mehreren Farben auf Glas u. Porzellan, zu einem schönen Grün, bes. auf Chagrin etc.; nach Gay-Lussac vermindert er, ebenso wie eine Wasserglaslösung, auch die Entzündlichkeit von Zeugen, wenn sie in eine Auflösung desselben getaucht sind. In der Schweiz dient er zum Entschälen der Seide. Mit 5 Theilen Schellak bildet 1 Theil B. eine in Wasser lösliche sirnißartige Verbindung. Der B. ward sonst als inneres Mittel, wegen vermeintlicher specifischer Wirkungen, welche er bei stockender od. gehemmter Meustruation u. zur Beförderung von Geburtswehen u. Lochialfluß haben sollte, u. als auflösendes Mittel, geschätzt, sein Credit ist aber sehr gesunken, doch braucht man ihn mit Erfolg gegen Magensäure als Pulver zu 4,6 u. mehreren Gran, auch in Steinkrankheiten u. äußerlich, bes. gegen Mundschwämmchen, auch bei Kindern, mit Rosenhonig, gegen leichte Hornhautflecken.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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