Canterbury [1]


Canterbury [1]

Canterbury (spr. Käntrbörri), 1) Hauptstadt der englischen Grafschaft Kent, in einem reizender Thale am Stour, der sie in mehreren Armen u. Kanälen durchfließt, in Form eines Ovals gebaut u. von 4 Hauptstraßen in Gestalt eines gothischen Kreuzes durchschnitten; alte ehrwürdige Stadt, Sitz eines Erzbischofs, welcher zugleich Primas von England, erstes Parlamentsmitglied u. erster Peer des Königreichs ist, aber gewöhnlich in Southwark residirt,[644] u. unter welchem die 4 Prälaten von London, Lincoln, Rochester u. Winchester u. 21 Suffraganbischöfe stehen; als Primas kommt ihm die Königskrönung zu. Große Kathedrale in Form eines doppelten Kreuzes mit schönem Hauptaltargemälde, Glasmalerei, 27 Nebenaltären, Denkmal des Erzbischofs Thomas Becket u. des Schwarzen Prinzen; 514 Fuß lang, Höhe des Schiffes 80 Fuß, des Thurmes 235 Fuß; sie wurde im Jahre 1174 begonnen, aber erst unter Heinrich V. vollendet; unterirdisch ist eine Kirche, worin die nach Zurücknahme des Edicts von Nantes emigrirten französischen Protestanten Gottesdienst hielten; 14 andere Kirchen, worunter die St. Martinskirche, sehr alt, auf den Ruinen eines römischen Tempels erbaut, schöner Taufstein, die Heilige Kreuzkirche u. die St. Dunstanskirche, worin das Haupt von Sir Thomas More begraben ist; Synagoge; Ruinen eines Augustinerklosters, längere Zeit als Brauhaus benutzt, in neuerer Zeit aber theilweis restaurirt; Ruinen eines Schlosses; Rathhaus, Theater, Hospitäler, große Kasernen; Ökonomische Gesellschaft. Gewerbthätigkeit ziemlich gering; etwas Seidenwaaren, Kattun u. Musselin; Handel, namentlich mit Getreide u. Pöckelfleisch, war früher nicht unbedeutend, hat aber seit Anlage der Eisenbahn verloren; in der Umgegend etwas Hopfenbau. Einw. (im Jahre 1856) 18,400. In der Nähe 2 Mineralquellen; ein Zweig der London-Dover-Eisenbahn führt von Ashford aus über C. nach Ramsgate. C. sendet 2 Mitglieder ins Parlament. – C. soll nach der Sage 900 v. Chr. von Rudilibas angelegt worden sein u. Anfangs Caerther geheißen haben. Zur Römerzeit hieß es Durovernium. Bis 596 war C. Residenz der Könige von Kent. Schon früh war hier eine christliche Kirche, u. im 6. Jahrh. wurde das Bisthum hier gegründet; St. Augustin war der erste Bischof, u. ihm wurde bald der Titel als Primas des Reiches gegeben, der unter Lanfranc 1072 erneuert wurde u. bis jetzt dem dasigen Erzbischof geblieben ist. 1170 wurde der Erzbischof Thom. Becket in der Kathedrale ermordet. 2) Städtischer Bezirk mit Postamt (Post-township) in der Grafschaft Merrimack im Staate New-Hampshire (Vereinigte Staaten von NAmerika), an der Boston-Concord-Montreal-Eisenbahn; 1800 Ew.; 3) Städtischer Bezirk in der Grafschaft Windham im Staate Connecticut; 1900 Ew.; 4) Colonie im Grunde der Pegasusbai auf der Ostküste der Insel Tawai, britische Südprovinz von Neuseeland (Polynesien).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Canterbury — • The Ancient Diocese of Canterbury was the Mother Church and Primatial See of All England, from 597 till the death of the last Catholic Archbishop, Cardinal Pole, in 1558 Catholic Encyclopedia. Kevin Knight. 2006. Canterbury     Canterb …   Catholic encyclopedia

  • Canterbury — Saltar a navegación, búsqueda Para otros usos de este término, véase Canterbury (desambiguación). Localización de Canterbury …   Wikipedia Español

  • CANTERBURY — CANTERBURY, cathedral city, Kent, England. Canterbury possessed one of the most important medieval Anglo Jewish communities, first mentioned c. 1160. The Jewish quarter was in the modern Jewry Street. Traces of the synagogue were to be seen in… …   Encyclopedia of Judaism

  • Canterbury — Can ter*bur*y (k[a^]n t[ e]r*b[e^]r*r[y^]), prop. n. 1. A city in England, giving its name various articles. It is the seat of the Archbishop of Canterbury (primate of all England), and contains the shrine of Thomas [ a] Becket, to which… …   The Collaborative International Dictionary of English

  • CANTERBURY — Sur un site occupé antérieurement, les Romains fondent, à un carrefour routier, la ville de Durovernum où l’on a découvert les vestiges d’un très vaste théâtre. Après la fin de l’occupation romaine et des invasions germaniques, elle prend le nom… …   Encyclopédie Universelle

  • Canterbury [2] — Canterbury (spr. Käntrbörri), englisches Zeug von baumwollenem Grunde, mit seidenen bunten Blumen; in Berlin u. Elberfeld nachgemacht …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Canterbury — (spr. kännterbĕrĭ, das röm. Durovernum, neulat. Cantuaria), Stadt (city) und Grafschaft im südöstlichen England, liegt höchst malerisch am Stour und gewährt mit ihren meist engen Straßen, Spitzdächern, Giebelfenstern und hölzernen Balkonen ein… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Canterbury — (spr. kännt rberri), das röm. Durovernum, Stadt in der engl. Grafsch. Kent, am Stour, Sitz eines Erzbischofs (Primas des Reichs), (1901) 24.868 E.; Kathedrale (Denkmäler des Schwarzen Prinzen und Heinrichs IV.) …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Canterbury [2] — Canterbury (spr. kännt rberri), Thomas von, s. Thomas a Becket …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Canterbury [1] — Canterbury (Cänterbörri), Hauptstadt der engl. Grafschaft Kent, 17500 E., prächtige Kathedrale, Sitz eines anglic. Erzbischofs, der Primas von Großbrittanien ist und 20 Bischöfe unter seinem Sprengel hat; er ist zugleich der erste Pair des… …   Herders Conversations-Lexikon