Nicolāi

Nicolāi

Nicolāi, 1) Philipp, geb. 10. Ang. 1556 in Mengeringhausen im Waldeckschen, studirte in Erfurt u. Wittenberg, wurde 1583 Pfarrer in Herdecke, 1587 in Nieder- u. 1588 in Alt-Wildungen, wo er sich an dem Streite über die Ubiquität Christi auf Seiten der Orthodoxen betheiligte, 1596 in Unna u. 1601 an der Katharinenkirche in Hamburg; er st. hier 26. Oct. 1608; bes. bekannt ist er als Liederdichter, u.a. sind von ihm: Wie schön leuchtet der Morgenstern u. Wacht auf ruft uns die Stimme; seine Werke gab heraus Dedeken, die lateinischen, Hamb. 1617, 2 Bde., Fol., die deutschen, ebd. 1617, 4 Bde., Fol. Vgl. Curtze, N-s Leben u. Lieder, Halle 1859. 2) Christoph Friedrich, geb. 1733 in Berlin, erlernte seit 1749 in Frankfurt a. d. O. den Buchhandel, beschäftigte sich dabei mit Wissenschaft u. Literatur, kehrte 1752 nach Berlin zurück, setzte seine Studien fort, wurde mit Lessing u. Mendelssohn bekannt u. widmete sich ganz den Wissenschaften; 1758 übernahm er nach dem Tode seines Bruders die väterliche Buchhandlung u. st. 8. Jan. 1811 in Berlin. Er schr.: Briefe den jetzigen Zustand der Wissenschaften betreffend, Berl. 1756; gab heraus mit Mendelssohn: Bibliothek der schönen Wissenschaften, Lpz. 1757–59, 4 Bde.; mit Mendelssohn u. Weiße, Briefe die neueste Literatur betreffend, Berl. 1759–65, 24 Bde.; Allgemeine deutsche Bibliothek, seit 1765 (mit dem 107 Bande, 1792, hörte N., durch das Ministerium Wöllner gehindert, auf Herausgeber zu sein; die Fortsetzung erschien in Kiel unter dem Titel: Neue allgemeine deutsche Bibliothek; vom 156. Bande an übernahm N. 1800–1805 wieder die Herausgabe; der anmaßende Ton in den oft oberflächlichen Urtheilen dieser Zeitschrift verwickelte N. mit Garve, Herder, Wieland, Fichte, Lavater u.a. in viele Streitigkeiten; vgl. Parthey, Die Mitarbeiter an der allgemeinen deutschen Bibliothek, 1842); Anekdoten von Friedrich II., Berl. 1788–92; Feyner kleyner Almanach vol schönerr, leblicherr Volksleder, ebd. 1777 f. (womit er das Volkslied lächerlich machen wollte); Topographisch. historische Beschreibung von Berlin u. Potsdam, 3. Ausg., ebd. 1786, 3 Bde.; Leben u. Meinungen des Sebaldus Nothanker (theologischer Roman), 1773, 4. Aufl, ebd. 1799, 3 Bde. (auch ins Französische, Englische, Holländische, Schwedische u. Dänische übersetzt); Geschichte eines dicken Mannes, ebd. 1794, 2 Bde.; Leben u. Meinungen Sempronius Gundiberts, ebd. 1798 (hierin suchte er die Kantische Schule lächerlich zu machen; dagegen schr. Fichte: N-s Leben u. sonderbare Meinungen, herausgeg. von A. W. Schlegel, Tüb. 1801); Reise durch Deutschland u. die Schweiz, Berl 1781, 3. Aufl. 1788–96, 12 Bde.; Gedächtnißschriften auf Kleist, Abbt, Möser, Engel u. Teller; Versuch über die Beschuldigungen, welche dem Tempelorden gemacht worden, Berl. 1782; Bemerkungen über die Geschichte der Rosenkreuzer u. Freimaurer, ebd. 1806; Über meine gelehrte Bildung, über meine Kenntniß der kritischen Philosophie u. meine Schriften dieselbe betreffend u. über die Herren Kant, Erhard u. Fichte, Berl. 1799, in Löwes Bildnissen. Vgl. N-s Leben u. literarischen Nachlaß, herausgeg. von Göckingk, Berl. 1820. 3) Johann Anton Heinrich, geb. 1797 in Kneitlingen; seit 1834 Medicinalrath u. Mitglied des Medicinischen Collegiums der Provinz Brandenburg, auch Privatdocent der Universität in Berlin; er schr.: Sur les tumeurs blanches des articulations, Par. 1827 (Preisschrift); Erforschung der alleinigen Ursache des immer häufigeren Erscheinens der Menschenblattern bei Geimpften, Berl. 1833; Die Wander- u. Processionsraupe, ebd. 1833; Grundriß der Sanitätspolizei, ebd. 1835; Die Medicinal- u. Veterinärpolizei, als 2. Theil des vorigen, ebd. 1838; Handbuch der gerichtlichen Medicin, ebd. 1841.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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