Costüm


Costüm

Costüm (fr. Costume, vom ital. Costume, Gewohnheit, Gebrauch), Alles, was zu der einem Volke einer Zeit, einem Stande eigenthümlichen [480] Tracht gehört (daher sich costümiren, sich in eine bestimmte Tracht kleiden). Für die historische Darstellung ist das Studium des C-s (die Costümkunde) von großer Wichtigkeit, da sich in der Decoration des menschlichen Körpers nicht minder die Geistesrichtung einer Zeit ausprägt, wie in den Denkmälern der bildenden Kunst. Erst die neuere Zeit erkannte den Grundsatz an, daß neben der Naturwahrheit auch die historische Treue von den Gegenständen der Kunst gefordert werden müsse. Die Dichtkunst kommt nur da, wo sie die Sitten eines Volkes u. einer Zeit auch in der äußeren Erscheinung charakterisirt, also im Epos u. im Roman, in den Fall, auch des C-s zu erwähnen. Wichtiger ist die Darstellung des C-s in der bildenden Kunst, weil diese unmittelbar durch die sichtbare Erscheinung wirkt. Die Rücksicht auf das C. mußte sich hier um so mehr geltend machen, je mehr profane, dem realen Leben entnommene Elemente neben den mythologischen od. christlich-religiösen Gestalten Gegenstand künstlerischer Darstellung wurden. Für jene idealen Figuren bestand in der ersten Zeit der Regeneration der bildenden Künste in Italien ein bestimmter traditioneller Typus des C-s, später wendete man die jeweilige Kleidertracht auch auf die Götter u. Heroen, auf die biblischen Personen, die Apostel u. Heiligen an. Diese Außerachtlassung der historischen Rücksicht dauerte bis zum Wiederaufblühen der Künste gegen Ende des 18. Jahrh., u. noch die Maler des Zeitalters Louis XV. kleideten griechische Gottheiten u. arkadische Schäfer nach der Mode ihrer Zeit. David war einer der Ersten, welcher auf die Gewandung größeren Fleiß verwandte u. eine bessere Geschmacksrichtung herbeiführte. Anders als mit der Malerei verhielt es sich mit der Plastik; hier wurde das Zeitcostüm selbst bei monumentalen Bildwerken, bei Portraitstatuen u. dergl., wo das C. der Zeit zum Verständniß des Kunstwerkes wesentlich beiträgt, entschieden verworfen u. die Gestalten mit einer faltigen, halb antiken, halb idealen Gewandung behangen. Die realistische Richtung brach sich erst allmälig Bahn; ihr Vorkämpfer war Schadow in Berlin, dann Thorwaldsen, später Rauch u. Rietschel u. in Frankreich David d'Angers; doch hat die neueste Zeit noch Anhänger des idealen C-s aufzuweisen. Die Schauspielerkunst schloß sich in ihrer Entwickelung in Bezug auf das C. ganz der Malerei an, u. noch um die Mitte des 18. Jahrh. sah man griechische Helden, römische Feldherren etc. in Allongenperrücken, kurzen Beinkleidern u. Schnallenschuhen auf der Bühne erscheinen, während Fürstinnen der alten Welt in Reifröcken u. Glaceehandschuhen auftraten. Talma war einer der Ersten, welcher nach der Revolution die historische Treue des C-s als Princip für die Bühne aufstellte. Früher schon wirkte Koch in dieser Beziehung reformirend, indem er zuerst 1775 in Berlin den Götz von Berlichingen im historischen C. gab. Seinem Beispiel folgten Schröder u. Iffland, u. vor Allem war Graf von Brühl, während er das Hoftheater in Berlin von 1815–30 verwaltete, bemüht, im C. der historischen Treue Rechnung zu tragen. Viel hat man darüber gestritten, ob jene Schöpfungen der dramatischen Poesie, deren Inhalt kein eigentlich historischer ist, sondern auf der Phantasie des Dichters beruht, in einem modernen C. od. in dem C. der Zeit zu geben seien, welcher der Dichter angehört. Die meisten Gründe hat wohl die letztere Ansicht für sich. Das Interesse an der Geschichte des C-s ist durch die Bedeutung, welche dieselbe für die moderne Kunst erhalten hat, mächtig angeregt worden, u. wir besitzen bereits mehrere vortreffliche Werke über diesen Gegenstand der historischen Forschung, u.a.: Hefner, Trachten des christlichen Mittelalters, Frkf. 1847 ff.; Weiß, Costümkunde, Stuttg. 1856 ff.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • costum — COSTÚM, costume, s.n. 1. Îmbrăcăminte bărbătească compusă din haină şi pantaloni (şi din vestă). ♦ Îmbrăcăminte femeiască compusă din fustă şi jachetă; taior. 2. (Cu determinări) Fel de îmbrăcăminte la anumite ocazii. 3. (Cu determinări) Fel de… …   Dicționar Român

  • Costüm — (eigentlich Gewohnheit), die verschiedene Form des Hausgeräths, der Kleidung, Waffen etc.; für die bildenden Künste und auf dem Theater ist das C. ein Gegenstand von großer Bedeutung …   Herders Conversations-Lexikon

  • costum — cos|tum Mot Agut Nom masculí …   Diccionari Català-Català

  • КОСТУМ —    • Costum,          греч. κόστος, κόστον, корень индийского кустарника, принадлежащий, вместе с nardum, листом одного растения, к ароматнейшим индийским травам; поэтому то и другое преимущественно назывались radix et folium. Plun. 12, 12, 25.… …   Реальный словарь классических древностей

  • costuma — COSTUMÁ, costumez, vb. I. refl. A se îmbrăca cu un costum special pentru bal mascat, pentru ieşirea în scenă etc. – Din fr. costumer. Trimis de ionel bufu, 30.07.2004. Sursa: DEX 98  costumá vb., ind. prez. 1 sg. costuméz, 3 …   Dicționar Român

  • scafandru — SCAFÁNDRU, (1) scafandri, s.m., (2) scafandre, s.n. 1. s.m. Persoană specializată în lucrări sub apă cu ajutorul unui aparataj special; scafandrier. 2. s.n. Costum special, impermeabil, închis ermetic, prevăzut cu aparat respirator, cu care se… …   Dicționar Român

  • Balsamkraut — oder Frauenminze Frauenminze Systematik Ordnung: Asternartige (Asterales) Familie …   Deutsch Wikipedia

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  • Tanacetum balsamita — Balsamkraut oder Frauenminze Frauenminze Systematik Ordnung: Asternartige (Asterales) Familie …   Deutsch Wikipedia

  • COSTUMS — radix iucundi odoris, de qua sic Plin. l. 12. c. 12. Radix costi gustu fervens, odore eximiô, frutice alias inutili. Primô statim introitu amnis Indi in Patale insula, duo sunt eius genera, nigrum, et quod melius, candicans. Pretium in libras XVI …   Hofmann J. Lexicon universale