Dobrudscha


Dobrudscha

Dobrudscha (Dobrodscha), der nordöstlichste Theil der türkischen Provinz Bulgarien, zum Ejalet von Silistria gehörig; unterhalb Silistria wendet sich die Donau nämlich nördlich bis zur Südgrenzeder Moldau u. von da wieder östlich zum Schwarzen Meere; zwischen diesem Bogen der Donau u. dem Schwarzen Meere liegt die D.; von S. her tritt in dieselbe von den Vorbergen des Balkan in nordöstlicher[207] Richtung eine vielfach zerschnittene Hochebene herein, welche auch die Wendung der Donau verursacht, theils öde u. von steppenartiger Vegetation, theils aber auch sehr fruchtbar u. mit Getreidefeldern bedeckt ist; die Gegenden an der Donau haben gutes Weideland, aber hier wie am Meere sind auch große u. sehr ungesunde Sumpfstriche; die Flüsse sind zahlreich, wenn auch nur klein, Seen gibt es an der Küste, worunter der große Rasinsee im N.; ungefähr in der Mitte, von Kustendsche bis Czernawoda, wird die D. von alten römischen Wällen durchschnitten. Die Bewohner sind Turkomanen u. Tataren, welche in Dörfern wohnen, Ackerbau, Vieh- u. Bienenzucht treiben, dann Osmanen, Armenier, Griechen u. Juden, welche von Handwerken, Fischerei, Salzgewinnung u. Handel leben. Die Bevölkerung ist dünn (auf der Quadratmeile wenig mehr als 300 Ew.), von den wenigen Städten sind Matschin, Isaktschi, Tultscha, Babadagh, Hirsowa, Czernawoda u. Kustendsche anzuführen. Die D. hieß im Alterthum Scythia minor (Kleinscythien). Ungeachtet der ungünstigen Beschaffenheit für die Bewegung einer Armee besitzt dennoch die D. große strategische Wichtigkeit, da sie von Norden her den kürzesten u. wegen des Balkangebirges auch bequemsten Weg nach Constantinopel bildet, vorzüglich wenn es gelingt, sich eines Hafenortes am Schwarzen Meere, wie Kustendsche od. Varna, zu bemächtigen. Auf diesem Wege haben auch die Russen 1828 ihre Operationen gegen die Türkei begonnen u. 1854, nachdem sie bei Braila, Galacz u. Tultscha die Donau am 23. März überschritten u. Matschin genommen hatten, hoben sie damit die Bedeutung der von Omer Pascha gewählten u. stark befestigten Stellung von Widdin-Kalafat auf. Seit 1829 den Russen gehörend, kam die D. im Frieden von Paris 1856 wieder an die Pforte.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Synonyme:

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  • Dobrudscha — (rumän. Dobrogia), rumän. Landschaft zwischen der Donau und dem Schwarzen Meer, umfaßt das Donaudelta und die südwestlich davon belegene Hochebene bis zur Linie Silistria Mangalia (s. Karte »Rumänien«). Sie hat einen Flächeninhalt von 15,600 qkm… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Dobrudscha — Dobrudscha, rumän. Dobrogea, im Altertum Scythia minor, südöstl. Teil Rumäniens zwischen der untern Donau und dem Schwarzen Meer, 15.536 qkm, (1899) 267.808 E.; größtenteils wasserarmes Lößplateau, im Ţuţujat (im NW.) bis 456 m hoch; zwei Kreise …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Dobrudscha — (bei den Römern Scythia minor), der nordöstl. Theil Bulgariens zwischen der Donau, dem schwarzen Meere und dem kleinen Balkan gelegen, zu dem Ejalet Silistria gehörig, enthält die Donaumündungen mit ihren Inseln, Schilfwäldern, ist sonst eine… …   Herders Conversations-Lexikon

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  • Dobrudscha — z. BG, RO Dobrudža, Dobrogea …   Wiener Dialektwörterbuch

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