Eberhard


Eberhard

Eberhard (Eberhardt), deutscher Taufname, bedeutet stark wie ein Eber. I. Fürsten: A) Herzog von Baiern: 1) E., Sohn des Herzogs Arnulf, folgte 937 seinem Vater, wurde aber vom Kaiser Otto J. 939 entsetzt u. st. 966. B) Graf von Berg: 2) E., um 1100, st. als Mönch zu Altenberg, s.u. Berg. C) Herzöge u. Grafen von Elsaß: a) von Oberelsaß od. Südgau: 3) E., Sohn des Herzogs Adalbert, regierte 722–747, wo er auf seinem Schloß Egisheim bei Kolmar starb. b) Von Niederelsaß od. Nordgau: 4) E. I., Sohn Albrechts, regierte 777–778 5) E. II., Sohn des Vor., regierte 864. 6) E. III., Sohn des Vor., regierte 898–900. 7) E. IV., Sohn Hugos I., regierte 940–951, wo er abdankte, fortan in Altorf wohnte u. 967 st. 8) E. V., Sohn Hugos II., regierte 984–996. 9) E. VI., zweiter Sohn des Vor., folgte seinem Bruder Hugo III., regierte seit 1000 u. starb 1016. D) Herzog von Franken: 10) E., Sohn Konrads des Altern, folgte, als sein Bruder Konrad deutscher König wurde, 911 diesem als Herzog von Rheinsranken u. Pfalzgraf am Rhein; von seinem Bruder 913 gegen Herzog Heinrich I. von Sachsen gesandt, wurde er bei Eresburg geschlagen; erhielt von seinem Bruder das Herzogthum Baiern, konnte sich aber gegen Arnulf nicht lange behaupten. Auf seines sterbenden Bruders Bitten überbrachte er 919 Heinrich I. die Reichsinsignien u. unterwarf sich ihm zuerst. Mit Otto I. hatte er mehrere Fehden u. fiel gegen denselben vor Andernach 939. E) Markgraf von Friaul: 11) E., Sohn Hunroks I., regierte 846–868 (869); er war vermählt mit Gisela, Tochter des Kaisers Ludwig des Frommen u. der Judith. F) Graf zu Laurenburg: 12) E., lebte im 10. Jahrh. u. ist angeblich Stammvater der Grafen von Nassau. G) Graf von der Mark: 13) Sohn Engelberts I., regierte 1277–1308. H) Grafen u. Herzöge von Württemberg: 14) E. I., der Erlauchte (od. Ältere, od. der Zänker), Sohn Ulrichs I., folgte diesem 1265 mit seinem Bruder Ulrich II. u. regierte bis 1325, s. Württemberg; er war vermählt in zweiter Ehe mit Ermengard, Tochter des Markgrafen Rudolf I. von Baden. 15) E. II., der Greiner, Sohn Ulrichs III., des Vor. Enkel; regierte von 1344–62 mit seinem Bruder gemeinschaftlich u. dann allein unter steter Fehde; st. 1392; s. Württemberg; er war vermählt mit Elisabeth von Henneberg. 16) E. III., der Altere od. der Milde (Fromme), Enkel des Vor., Sohn Ulrichs; regierte 1390–1417, s. ebd.; er war vermählt mit Antoinette Visconti von Mailand (st. 1405), dann mit Elisabeth, Tochter des Burggrafen Johann II. von Nürnberg. 17) E. IV., der Jüngere, Sohn des Vor., regierte 1417–1419, s. ebd.; er war vermählt mit Henriette Gräfin von Montbeliard u. Montfaucon, mit welcher et die Grafschaft Montbeliard erheirathete. 18) Eberhard V., als Herzog E. I. der Bärtige od. im Bart, Enkel des Vor., Sohn des Grafen Ludwig I., geb. 1445, trat 1457 die Regierung an, wurde 1495 vom Kaiser Max I. zum Herzog erhoben u. st. 1496; s. Württemberg (Gesch.). Er war vermählt mit Barbara, Tochter Ludwigs Gonzaga, Markgrafen von Mantua, seine zwei Kinder waren vor ihm gestorben. Lebensbeschreibung von Pfister, Tüb. 1822. 19) E. VI. od. II., der Jüngere, Sohn Ulrichs V., Cousin des Vor., geb. 1447, folgte 1496 auf E. V. u. regierte bis 1498, wo er entsagte; er st. 1504 auf dem Schlosse Lindenfels, ohne Nachkommen von seiner Gemahlin Elisabeth von Brandenburg. 20) E. VII. od. III., ältester Sohn Johann Friedrichs, geb. 1614, folgte seinem Vater 1628 unter der Vormundschaft seines Oheims Julius Friedrich, wurde aber bald als Protestant von den Liguisten vertrieben u. erhielt erst beim Westfälischen Frieden sein Land zurück; er st. 1677, s. ebd. Er war vermählt seit 1637 mit Anna Dorothea, Tochter des Pfalzgrafen Johann Casimir (st. 1655) u. in zweiter Ehe seit 1656 mit Marie Dorothea Sophie Gräfin von Ötingen (st. 1698). 21) E. Ludwig, Enkel des Vor. u. Sohn von Wilhelm Ludwig, geb. 1676; stand, nach seines Vaters Tode 1677, unter der Vormundschaft seines Oheims Friedrich Karl, regierte dann von 1693–1733, legte die Residenz Ludwigsburg an u. st. 1733, s. ebd. Neben seiner Gemahlin, Johanne Elisabeth von Baden-Durlach, galt das Fräulein von Gonnewitz bei ihm viel; sein einziger Sohn Friedrich Ludwig war vor ihm, 1731, gestorben.

II. Erzbischöfe u. Bischöfe: A) Von Lüttich: 22) E. (Heraclius), regierte 959–972. B) Von Trier: 23) E., Sohn Ezelins, Graf von Schwaben, war erst Propst in Worms, regierte 1047–1066 als Erzbischof von Trier. C) Von Salzburg: 24) St. E. I., st. 1164, Tag: 23. Juni. 25) E. II., wurde als Anhänger des Kaisers Friedrich II. 1246 abgesetzt.

III. Gelehrte u. Künstler: 25) Johann August, geb. 1739 in Halberstadt, war erst Prediger[449] in Berlin, später in Charlottenburg, wurde 1778 Professor der Philosophie in Halle, 1805 Geheimerath u. st. 1809; er schr.: Neue Apologie des Sokrates, Berl. 1772, 2 Bde., 3. Aufl. 1788; Allgem. Theorie des Denkens u. Empfindens, Berl. 1776, 2. Aufl. 1786 (Preisschr.); Sittenlehre der Vernunft, Halle 1781, 2. Aufl. 1786; Theorie der schönen Wissenschaften, ebd. 1783, 3. Aufl. 1790; Geschichte der Philosophie, ebd. 1788, 2. Aufl. 1796, Auszug 1794; Versuch einer allgemeinen deutschen Synonymik, 4. Aufl. herausgeg. von C. H. Meyer, Lpz. 1853; Synonymisches Handwörterbuch, Halle 1802, 11. Aufl. Berl. 1854; Handbuch der Ästhetik, Halle 1803–5, 4 Bde., 2. Aufl. 1807–20; Geist des Urchristenthums, ebd. 1807 f., 3 Bde.; Vermischte Schriften, Halle 1784 u. m. a.; Neue vermischte Schriften, 1788. Gab heraus Philosophisches Magazin, ebd. 1788 ff.; Philosophisches Archiv, Berl. 1792 ff.; vergl. Fr. Nicolais Gedächtnißschrift auf E., Berl. 1810. 26) Franz, geb. zu Hindelang im Allgau, Bildhauer u. Bildschnitzer, st. 1837 27) Konrad, Bruder des Vor., geb. 1768 zu Hindelang, Bildhauer u. Bildschnitzer, begann schon frühzeitig unter Leitung des Vaters mit seinem Bruder Franz in Holz zu schnitzen u. in Stein zu meißeln, kam 1796 nach München, wo er auf dem Atelier von Roman Boos arbeitete. Seine Leistungen zogen 1806 die Aufmerksamkeit des baierischen Kronprinzen Ludwig auf sich. Dieser sandte den talentvollen Künstler zu seiner weiteren Ausbildung nach Rom, wo E. mehrere Büsten für die Walhalla u.a. ausführte. Er wandte sich hauptsächlich der christlichen Kunst zu u. schuf eine Reihe von Sculpturen, welche bei ihrem innigen Ausdrucke der religiösen Stimmung reichen Beifall ernteten. Doch auch in den der griechischen Mythe entnommenen Figuren bewies E. seine Meisterschaft inlebendiger Auffassung u. weicher Behandlung. Er wurde 1816 Professor der Bildhauerei an der Münchner Akademie, machte 1820 eine zweite Reise nach Rom u. trat 1834 in Ruhestand. Er lieferte das Relief zum Grabmale der Prinzessin Karoline in der Theatinerkirche, das Portalrelief für die Allerheiligenkirche daselbst, die Bildsäulen der Apostel Petrus u. Paulus auf den Thürpfeilern daneben, die kolossalen Sandsteinbilder des Erzengels Michael u. des Ritters St. Georg zu den Seiten des Eingangs am Isarthore der Residenz, die Denkmale der Bischöfe Sailer u. Wittmann im Regensburger Dome, Diana von Amor zu Endymion geführt im Cabinetsgarten des Königs. 28) Christian Aug. Gottlob, geb. 1769 in Belzig, studirte in Leipzig Theologie, wurde 1807, nachdem er sich seit 1792 schriftstellerisch beschäftigt hatte, Besitzer der Rengerschen Buchhandlung in Halle, verkaufte diese an F. Volckmar u. lebte seit 1835 in Hamburg u. seit 1842 in Dresden, wo er am 13. Mai 1845 starb; er schr.: Prinz Fet-Elof, Halle 1804; Ischariot Kralls Lehren u. Thaten, ebd. 1806; Taschenbuch zur Ehre alter u. neuer Moden, ebd. 1806; Ferdinand Warner, der arme Flötenspieler, ebd. 1802, 2. Aufl. 1808; Federzeichnungen von Ernst Scherzer, ebd. 1805; Westoldt u. sein Pflegesohn, ebd. 1811, 2 Bde.; Flatterroseu, Halle 1817; Hannchen u. die Küchlein, ebd. 1922, 13. Aufl. 1854; Der erste Mensch u. die Erde, ebd. 1828, 2 Aufl. 1834; Italien, wie es mir erschienen ist, Halle 1839, 2 Bde.; Blicke auf Tiedge's u. Elisa's Leben, Berlin 1844; Gesammelte Schriften, ebd. 1830, 20 Bdchn.; Vermischte Gedichte, ebd. 1833, 2 Bde.; gab auch C. A. Tiedge's Werke, ebd. 1822 ff., 7 Bde., mit Lafontaine die Monatsschrift Salina (Halle 1812–16, 8 Bde.) u. bis 1834 das Jahrbuch der häuslichen Andacht heraus.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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