Eisenhammer


Eisenhammer

Eisenhammer, Vorrichtung in einer Eisenhütte, um die im Innern des Eisens, sobald dasselbe gefrischt ist, noch befindliche flüssige Schlacke herauszupressen u. zugleich die Theile des Eisens durch Schweißung zu einer auch im Innern homogenen Masse zu vereinigen. Das auf diese Weise gezängte Eisen wird dann vermittelst desselben Hammers zu Stangen von beliebiger Dicke u. Gestalt ausgeschmiedet. Der gewöhnliche deutsche E. hat ein Gewicht von etwa 5 Centner u. ist auf das eine Ende eines Hebels aufgekeilt, dessen anderes Ende in einer zwischen zwei verticalen Balken (Büchsensäulen) drehbaren Hülse befestigt ist. Die Hebung des Hammers bewirkt ein Wasserrad, an dessen Welle ein gußeiserner Daumkranz angebracht ist. An diesem Daumkranz springen in Zwischenräumen die Daumen (Frösche) von Buchenholz vor, welche beim Drehen den Hammer in die Höhe werfen u. dann wieder fallen lassen. Um dem aufgeworfenen Hammer einen elastischen Widerstand entgegenzusetzen u. ihn herabzuschnellen, ist in dem Holzgerüst, welches aus einer senkrechten Säule (Drahmsäule), vor der ein starker horizontaler Balken (Drahmbalken) vorspringt, u. den an diesem Drahmbalken befestigten Büchsensäulen besteht, der sogen. Reitel angebracht. Dieser am besten aus Eschenholz gefertigte Balken ist mit dem einen Ende in der Drahmsäule u. etwas weiter dem anderen Ende zu noch in einer besonderen Säule (Reitelsäule) verkeilt; das andere Ende ragt frei bis über den Kopf des Hammers vor, so daß dieser beim Emporschnellen dagegen schlägt u. zurückprallt. Bei Puddeleisen wird bisweilen der Dampfhammer (s.d.) angewandt, gebräuchlicher ist aber ein Hebelhammer, welcher sich von dem deutschen E. sowohl durch größeres Gewicht, als auch massivere, zum größten Theil eiserne Construction unterscheidet. Die Größe des Gewichts des Hammers u. Hebels (Helm) 60–80 Centner betragend, macht den Reitel überflüssig. Je nach der Art, wie der Hammer gehoben wird, unterscheidet man Stirnhammer u. Aufwerfhammer. Der erstere wird von den 5–6 Fröschen einer starken Welle am vorderen Ende (Stirn) ergriffen u. emporgeschnellt, bei dem anderen geht die Hebung zum Vortheil des Werkes sanfter vor sich, indem von drei an einer Welle befestigten Excentrics ein jedes den an dem aufwärts gebogenen Hebel befindlichen Ansatz herausschiebt u. dann fallen läßt, worauf die Hebung durch das folgende Excentric von Neuem erfolgt. Statt des Hammers wendet man zweckmäßiger die Eisenpresse an, welche mittelst starken Drucks eines zweiarmigen, von einem Getriebe auf- u. abbewegten Hebels die Schlacke aus dem Eisen preßt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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