Elemente


Elemente

Elemente, 1) (Urstoffe, Grundstoffe, einfache Körper, Chem.), Stoffe, welche auf chemischen Wegen nicht weiter zerlegt werden können u. sie in ihrer Verbindung alle übrigen Körper zusammensetzen. Von jeher hat man sich mehr bemüht, E. in den Körpern aufzusuchen, als wirklich dargestellt. Doch hat lange Zeit die von Empedokles aufgestellte u. bes. von Aristoteles erweiterte Elementarlehre sich erhalten, nach welcher es nur zwei Grundeigenschaften der Körper, jede aber in zwei Gegensätzen, gibt, nämlich Warm u. Kalt, Trocken u. Feucht, u. wornach Feuer u. Luft, Erde u. Wasser als die vier E. unterschieden werden. Nach Plato waren der Schöpfer des Weltalls, die Form, nach welcher, u. die Materie, aus welcher er schuf, die drei der Schöpfung selbst vorausgehenden Urwesen; die E. aber ein Product dieser Schöpfung. Der höchste Verstand setzte nämlich die E. aus der in Dreiecken gebildeten Materie zusammen, die Erde aus einem gleichseitigen, die übrigen E. aus ungleichseitigen Dreiecken, die alle in einander verwandelt werden können; durch diese geringste Zahl von Dreiecken wird hiernach das Feuer gebildet, dessen Grundfigur die Pyramide ist, die Grundfigur der Luft dagegen das Dodekaeder, die des Wassers das Ikosaeder, die der Erde der Würfel. Aristoteles fügte diesen vier E-n noch ein fünftes überirdisches, den Äther, zu, wodurch den vier E-n erst Bewegung verliehen würde; zwei von denselben (Feuer u. Luft) strebten hiernach nach oben, zwei (Wasser u. Erde) nach unten. Die Elementarqualitäten gehen nun nach dieser Ansicht auf alle aus den E-ngebildeten Körper über. Hiernach erhielt nach der Lehre des Hippokrates auch der menschliche Körper vier Elementarfeuchtigkeiten, schwarze Galle, gelbe Galle, Blut u. Schleim. Später versuchten die Alchemisten den von ihnen verworfenen vier E-n des Alterthums chemische E. zu substituiren; bes. stellen die Paracelsisten Salz, Schwefel u. Quecksilber als solche auf. Andere legten rein hypothetische E. den Körpern unter, wie Stahl das Phlogiston. Bovle, der Gründer der neueren Elementarlehre, bezeichnete zuerst als Element jeden Körper, der chemisch nicht weiter in einfachere Bestandtheile zerlegt werden kann; er hielt aber noch viele Stoffe für E., die später als zusammengesetzt erkannt wurden. Gegenwärtig kennt man 64 E.; ob sie wirklich alle chemisch unzerlegbar sind, ist nicht bestimmt, indeß liegen keine positiven Gründe vor, dies zu bezweifeln; aber es ist sehr wahrscheinlich, daß man noch nicht alle, unsern Planeten zusammensetzenden E. kennen gelernt hat. Die 64 bekannten E. theilt man ein in: A) Nichtmetalle: a) Ametalle: Sauerstoff, Chlor, Brom, Iod, Fluor, Schwefel, Selen; b) Metalloide: Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Phosphor, Arsen, Bor, Silicium. B) Metalle: a) Leichte Metalle: aa) Alkalimetalle: Kalium, Natrium, Lithium; bb) Metalle der alkalischen Erden: Calcium, Baryum, Strontium; cc) Metalle der eigentlichen Erden: Magnesium, Aluminium, Beryllium, Zinkonium, Yttrium, Erbium, Cerbium, Thorium, Norium; b) Schwere Metalle: aa) Unedle Metalle: Cerium, Buthan, Didym, Mangan, Eisen, Nickel, Kobalt, Uran, Kupfer, Zink, Cadmium, Blei, Wismuth, Aridium; bb) Edle Metalle; Quecksilber, Silber, Gold, Palladium, Platin, Sodium, Rhodium, Ruthenium, Osmium; cc Elektronegative Metalle: Zinn, Antimon, Tellur, Titan, Niobium, Tantal, Wolfram, Molybdän, Vanadin, Chrom, Ilmenium, Pelopium. 2) (Pädag.), s.u. Elementarschule; 3) die Hauptsätze[629] einer Wissenschaft, bes. der mathematischen Wissenschaft, aus welchen alle besonderen Sätze abgeleitet werden; sie unterscheiden sich von den Folgesätzen durch die Verbindung mit einem Begriffe, der in den vorherigen Lehrsätzen noch nicht angewendet war; 4) (Astron.), E. der Bahn eines Planeten od. Kometen sind die Bestimmungsstücke derselben hinsichtlich ihrer Lage im Weltenraume. Es gibt deren sechs: a) die halbe große Achse der Bahn od. die mittlere Entfernung des Planeten von der Sonne; b) die Excentricität der Bahn; c) die Länge des Perihels für eine gewisse Zeit; d) die mittlere Länge des Planeten zur Zeit des Perihels, d.h. die Epoche; e) die Länge des aufsteigenden Knotens der Bahn u. f) die Neigung der Bahn gegen die Ekliptik. Die Länge des Perihels u. des aufsteigenden Knotens sind heliocentrische Längen, die Epoche u. die Umlaufszeit bilden die Grundlage der ganzen Planetentheorie in ihrer größten Einfachheit. Die Excentricität u. Neigung, sowie die Länge des aufsteigenden Knotens sind zwar Veränderungen unterworfen, die jedoch nur periodisch u. innerhalb sehr enger Grenzen stattfinden. Dagegen macht die Lage der großen Achse eine große Ausnahme, denn die Apsiden bewegen sich nach derselben Richtung immer weiter fort, ohne, wie die anderen E-e, in bestimmten Grenzen periodisch auf- u. abzugehen. Die Länge der großen Achse selbst endlich bleibt für immer unveränderlich, u. auf diesem Umstande beruht die Stabilität unseres Planetensystems. Diese E. sind von der größten Wichtigkeit. Wenn nämlich z.B. für irgend zwei Planeten deren E. zum Theil od. sämmtlich von einander sich unterscheiden, so schließt man hieraus, daß die Bahnen dieser beiden Planeten verschiedentlich groß sind, überdies eine verschiedene Gestalt u. Lage haben. Ferner kann z.B. aus den durch Rechnung gefundenen E-n der Bahn von zwei Kometen sicher geurtheilt werden, ob diese beiden Kometen wirklich nur einer u. derselbe od. zwei verschiedene sind; 5) die E. beim heiligen Abendmahl, s.d.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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