Epīros


Epīros

Epīros (a. Geogr.), Landschaft in Hellas, grenzte an Macedonien, das griechische Illyrien, Thessalien, Ätolien, Akarnanien, das Ionische Meer u. den Ambrakischen Busen. Gebirge: das Akrokeraunische Gebirge, der Pindos u. die Berge Tomaros u. Krania; mit fruchtbaren Thälern u. Weiden; daher Vieh- u. Pferdezucht Hauptnahrungszweig der Bewohner war. Flüsse: Kalydnos, Thyamis, Acheron mit Kokytos, Arachthos. Getheilt in Chaonia, Thesprotia, Molossis u. Athamania. Die Einwohner waren außer den Hauptvölkern, den Chaoniern, Thesprotern u. Molossern, noch Athamaner, Äthiker, Orester, Elymioten (welche nachher zu Macedonien gerechnet wurden), Atintaner, Paroräer, Tymphäer, Kassopäer; jetzt das Paschalik Janina. – E. wurde anfangs von Pelasgern bewohnt, wie dies ihre Sprache (sie redeten den Dorischen Dialekt), Institute u. Götterculte beweisen; doch verwilderten die Einwohner nach u. nach so, daß E. für ein barbarisches. Land galt u. nicht mit zu Hellas gerechnet wurde. Pyrrhos (Neoptolemos), Sohn des Achilles, kam mit Hektors Gemahlin Andromache an der Spitze der Myrmidonen hierher u. wurde König der Molosser, welche der mächtigste Stamm waren. Seine Nachfolger hießen Pyrrhiden[802] od. Äakiden. Um 480 v. Chr. regierte Admetos, welcher den verwiesenen Themistokles aufnahm. Unter seinem Nachfolger Thargabes führte dessen Vormund Sabylinthos den Spartanern Unterstützung zu. Sein Nachfolger Alketas I. dagegen verband sich 429 mit Athen. Von seinen Unterthanen vertrieben, setzten ihn Dionysios von Sicilien u. die Illyrier 385 wieder ein, u. von Jason, dem Tyrannen von Pherä, befreiten ihn die Athener. Ihm folgten seine Söhne Neoptolemos u. Arymbas (Arrubas). Jener starb bald; dieser, in Athen erzogen, erwarb sich in seiner 10jährigen Herrschaft grosse Verdienste um E. als Gesetzgeber, Beförderer der Wissenschaften u. Erzieher seiner Bruderskinder, unter denen Olympias, Gemahlin Philipps von Macedonien, war. Seinen Sohn Äakides verdrängte Philipp von Macedonien u. ihm folgte Alexander I., Bruder der Olympias, aber nach dessen Tode 326 (er fiel in einem Kriege gegen die Lucaner) nahm der verdrängte Äakides den Thron wieder in Besitz. Als er aber der in Pydna belagerten Olympias zu Hülfe zog, vertrieben ihn seine Unterthanen, u. Kassander besetzte 316 E. Zurückberufen fiel Äakides 313 in einem Treffen gegen Kassander. Sein Bruder, Alketas II., setzte den Krieg mit abwechselndem Glücke fort; 311 tödteten ihn seine Unterthanen. Nun wurde Pyrrhos II., ein muthiger u. unternehmender Mann, mit Hülfe des Königs Glaukos von Illyrien zum König erhoben, doch von den Epirern vertrieben, u. an seiner Stelle erhielt 307 Neoptolemos das Regiment. Bald in sein Reich zurückgekehrt, wurde Pyrrhos nochmals vertrieben u. hielt sich bei Demetrios Poliorketes auf, für welchen er nach der Schlacht bei Ipsos als Geißel zu Ptolemäos Lagi ging. Ptolemäus gab ihm seine Tochter Antigone zur Gattin u. setzte ihn nach der Vertreibung des Neoptolemos 295 wieder in E. ein. Pyrrhos machte nun einen vergeblichen Eroberungszug gegen Macedonien, zog 281 den Tarentinern gegen die Römer zu Hülfe schlug diese 280 bei Heraklea u. 279 bei Asculum u. kämpfte dann glücklich in Sicilien gegen die Carthager, wurde aber 275 bei Benevent geschlagen (s. Rom [Gesch.] u. Syrakus [Gesch.]). Er kehrte nach E. zurück u. fiel von Neuem in Macedonien, das er jetzt auch eroberte, ein; allein, übermüthig u. hart gegen seine neuen Unterthanen, mußte er seine Eroberung wieder aufgeben. Da rief ihn der vertriebene Spartanerkönig Kleonymos zu Hülfe, den er jedoch nicht wieder einsetzen konnte. Auf seinem Heimzuge wurde er zu Argos 271 getödtet. Sein Sohn u. Nachfolger Alexander II. machte 266 einen Zug nach Macedonien gegen Antigonos Gonatas, wurde aber nicht allein zurückgetrieben, sondern mußte auch vor der Übermacht der nachdrängenden Macedonier sein eigenes Land verlassen. Von Akarnanien aus eroberte er sein Reich wieder. Auf ihn folgten seine Söhne Ptolemäos u. dann Pyrrhos III., aber sie konnten sich nicht gegen die Römer behaupten. 192 führten die Epiroten eine republikanische Verfassung mit jährlich gewählten Machthabern ein. Bald aber entstanden innere Unruhen; Illyrier u. Macedonier benutzten dies zur abwechselnden Eroberung des Landes E. Die Römer erklärten die Epiroten zwar 191 für frei, allein diese durchschauten die römische Politik u. unterstützten Antiochos d. Gr. u. Perseus von Macedonien. Da zog Paulus Ämilius, nach dem Siege über Perseus, 168nach E., zerstörte 70 Städte u. verkaufte 150,000 Ew. als Sklaven, u. E. wurde von 167 an als römische Provinz behandelt. Im 13. Jahrh. bildete E. mit Ätolien u. Akarnanien ein eignes Despotat innerhalb des Byzantinischen Reichs, beherrscht von der Familie der Tolhi, s.u. Albanien (Gesch.).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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