Erle


Erle

Erle, die Pflanzengattung Alnus, aus der Familie der Betulaceae, Bäume mit männlichen u. weiblichen Blüthen auf einem Stocke, die walzigen Kätzchen an gemeinschaftlichem ästigem Stiele, die männlichen zu dreien stehend, mit 3 fast kreisrunden Schuppen, od. vierspaltiger Blüthenhülle u. 4 Staubgefäßen, deren Beutel zweifächerig; die weiblichen Blüthen mit eiförmigen Schuppen, die oberen mit 4 Schüppchen, an der Frucht vergrößert, spatelförmig, bleibend; 2 fadenförmige Narben, Fruchtknoten sehr klein; Frucht eine zusammengedrückte, zweifächerige Nuß, in einem Zapfen, der unter jeder Schuppe 2 solche Nüsse trägt. Arten: a) Gemeine (Schwarze) E. (A. glutinosa Willd.), Laubholzbaum, in 40–50 Jahren 60–80 Fuß hoch u. 1 – 2 Fuß dick werdend, in ganz Europa bis zum 60° wachsend. Blätter erscheinen[857] aus gestielten Knospen rundlich, stumpf, etwas ausgeschnitten, klebrig, mit spitzigen Sägezähnen am Rande; Blüthen: traubenartig, beisammensitzend, sie erscheinen schon das Jahr vorher aus den Spitzen der neuen Triebe, obschon sie erst das folgende Frühjahr blühen; männliche Blüthe braunroth, Blüthenhülle vierspaltig, 11/2 –2 Zoll lange Blüthenkätzchen, weibliche kleine, schuppige, braunrothe Zäpfchen. Zapfenfrucht reist im October; man darf sie zum Samen nicht zu spät, Anfangs October, noch graugrün einsammeln, indem sie sonst den Samen ausschütten. Der Same fliegt Ende October, im November u. bis zum nächsten Frühjahr aus, läßt sich aber in mäßiger Stubenwärme leicht ausklengen. Das Erlenholz ist frisch orange, alt weißgelb, ziemlich hart u. schwer elastisch; Nutzen desselben: als Bauholz unter Wasser (bes. zu Mühlen) u. in der Feuchtigkeit unzerstörbar, indem es schwarz wie Ebenholz u. hart wie Stein wird; außerdem zu Hopfen- u. Bohnenstangen, auch nimmt es eine schöne Politur u. Beitze an, welche das Holz dem Mahagoni ähnlich macht, oft gibt es auch schöne Masern zu Pfeifenköpfen. Als Brenn- u. Kohlholz steht sein Werth zum rothbuchenen wie 75 zu 100, auch darf es ungespalten nicht lange liegen. Die Rinde, sehr aufspringend, rauh u. braun, dient zum Gerben, wobei sie das Leder kastanienbraun macht, es zum Aufschwellen bringt u. nach dem Trocknen härtet; zum Färben auf Wolle u. Baumwolle von Braun (doch nicht so gut, als mit Wallnußschalen), schwarz mit Eisensalzen, glänzend gelb mit Zinnauflösung, orange od. gelb mit Alaun. Das Laub geköpfter Erlen wird zum Futter für Schafe u. Kühe benutzt; die Blätter werden gerühmt, um, äußerlich aufgelegt, Milchknoten bei Wöchnerinnen vorzubeugen, euch Ödeme zu zertheilen. Rinde u. Blätter waren sonst officinell. Knospen u. Samen liebt das Federwild. Eine Varietätmit fiederspaltigen, spitzlappigen Blättern, ebenso die Eingeschnittene gemeine E. (A. incisa), mit mehrlappiggespaltenen Blättern (A. laciniata), wird in Gartenanlagen cultivirt. Die gemeine E. liebt einen moorigen, sumpfigen u. wenigstens nassen, jedoch nicht zu nassen Standort, gedeiht daher bes. an Bächen. Man säet den Samen im Herbste od. Frühjahr u. bedeckt ihn 1/2 Z. mit Erde. Der Same schlägt mit 2 ovalen Samenläppchen aus, die jungen Pflänzchen versetzt man zuweilen in Reihen. Die E. wächst schnell u. ist in 60 Jahren schlagbar. Der Stock schlägt, wenn er nicht über 30–40 Jahr alt ist, wieder gut aus. Der Erlenbusch gedeiht bes. in sumpfigem Boden u. kann aller 10 bis 15 Jahre mit Nutzen geschlagen werden. b) Graue E. (Nordische E., Weiße E., A. incana), Baum, 50–70 F. hoch u. 2 Fuß dick, geht schon im 80. Jahre ein; Blätter eiförmig zugespitzt, am Rande ungleich, einfach u. doppelt gesägt, an der untern Fläche mit silbergrauer Wolle besetzt; Blüthe: die männliche u. weibliche getrennt, obschon auf demselben Baume sitzend; Blüthenhülle vierspaltig; Samenzäpfchen haselnußförmig u. rund; sie werden Anfangs October gepflückt u. zur Samengewinnung ausgeklengt. Standort weniger feucht, wie die vorige; Anbau wie der vorige. Holz weißer, dichter, härter, seiner u. zäher, als von der vorigen; Nutzen derselben wie bei voriger, doch fault es leicht unter dem Wasser. In Schweden, Lappland u. auf den süddeutschen u. Schweizer-Alpen heimisch; in sehr kaltem Klima wird sie strauchartig, variirt ebenfalls. c) Grüne E. (Alnus viridis, Betula ovata et Alnobetula), Blätter eirund, spitz od. kurz zugespitzt, geschärft doppelt gesägt, kahl, gleichfarbig, nur die Adern unterseits kurzhaarig; Samen (Nüßchen) mit breitem häutigem Flügel umzogen; Blüthenhülle dreiblätterig. An Abhängen der Alpen u. Voralpen, auch auf den höheren Punkten des Schwarzwaldes. d) Alpen-E. (A. alpina), Strauch, 8–12 F. hoch u. 4–6 F. dick, auf den höheren Gebirgen Deutschlands u. der Schweiz, in trocknem, leichtem Boden; wächst langsam; der Same reist im December, Blätter verkehrt, eirund, etwas zugespitzt, mit scharf u. sein gesägtem Rande; Holz weiß, zähe, mittelmäßig hart; gutes Brennholz. Das versteinerte Erlenholz heißt Clethrites, s.d. – Die E. war bei den Germanen ein heiliger Baum, bes. verehrte man sie in Jütland. Bei Pirna in Sachsen war sonst ein Brunnen, Erlepeter, u. dabei eine E., wohin viel gewallfahret wurde. Die nordische Mythologie läßt aus einer E. bei der Schöpfung der Menschen die Frau Embla gebildet werden, s.u. Nordische Mythologie. Vgl. Erlkönig.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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