Euphrat


Euphrat

Euphrat, 1) (Euphrātes, a. Geogr.), ein bedeutender Fluß in Asien, floß Anfangs in 2 Hauptarmen, von denen der nördliche auf den armenischen [955] Gebirgen entsprang, der südlichere auf dem Ararat. Der nördliche Hauptarm bildete in seinem Laufe Anfangs die Grenzscheide zwischen Klein- u. Großarmenien u. vereinigte sich südöstlich von Zimara nach seinem Durchbruch durch den Antitaurus mit dem südlichen Hauptarme. Breit u. tief strömte er nun Anfangs in westlicher Richtung, sodann durch Gebirgszüge bald gehindert westlich od. östlich, bald diese durchbrechend südlich, bis er in die Ebene von Mesopotamien u. Syrien herabstieg, als schiffbarer Grenzfluß zwischen beiden Ländern in südöstlicher Richtung hinfloß u. sich endlich bei Digba mit dem Tigris vereinigte u. bei Charax Spasinu in den Persischen Meerbusen ergoß. In der Gegend von Seleucia, wo sich der E. dem Tigris bis auf 200 Stadien näherte, war er mit letzterem durch mehrere Kanäle verbunden, unter denen der bedeutendste, der Königskanal, schon von den ältesten Beherrschern Babylons angelegt war. Durch die beiden Kanäle Maarfares, der weit nördlich von Babylon beginnt, u. Pallakopas war der E. mit der See in Verbindung gesetzt. Nebenflüsse des E. waren auf demlinken Ufer: Pyxirates, Arsinus, Arkanias, Belias u. Chaboras; auf dem rechten: Karmalos, Metas, Daradax; 2) (n. Geogr.), der größte Strom Vorderasiens, noch jetzt E. od. Phrat genannt (wie schon früher bei den Hebräern), bei den Arabern Forath od. Naharal Kiusa, bei den Türken Morad Su; entspringt im Ejalet Erzerum (Armenien in der Asiatischen Türkei), in 2 Quellenflüssen (einem nördlichen od. We st-F rat, türk. Karas u, u. einem südlichen Ost- Frat od. Murad genannt, von beiden der größere), welche südwestlich fließen u. sich bei Kieban-Maden 120 Fuß breit vereinigen, durchbricht dann in südlicher Richtung den kurdischen Gebirgszug des Taurus (von hohen Felswänden bis zu 80 Fuß eingeengt u. durch zahlreiche Stromschnellen ausgezeichnet), tritt bei El Bir in die Ebene, nimmt eine südöstliche Richtung an, trennt Mesopotamien von Syrien u. die Arabische Wüste, nähert sich in der Gegend von Bagdad dem Tigris bis auf 3 Meilen, fließt einige Zeit mit demselben parallel, vereinigt sich bei Korna mit demselben, nimmt dann den Namen Schatel Arab (d.i. Araberstrom) an, nimmt den Karasu auf u. mündet 30 Meilen unterhalb Bassora in den Persischen Meerbusen. Seine Gesammtlänge beträgt 373 Meilen, die Entfernung von seiner Quelle bis zur Mündung in gerader Linie nur 150 Meilen; sein Stromgebiet mit dem des Tigris 12,230 QM. In der Gegend von Bajazith verliert er sich auf einige Zeit unter der Erde, bei Samosata bildet er einen doppelten Wasserfall. Sein Lauf ist in der Regel langsam u. sanft; nur im Juni steigt er vom geschmolzenen Schnee Armeniens, tritt über seine Ufer u. düngt so das Land durch Schlamm. Sein Wasser ist trübe, hat aber gereinigt einen angenehmen Geschmack (weswegen es die Araber noch Morad Sui, Wasser des Verlangens, nennen). Trotz seiner bedeutenden Wassermenge ist er doch wegen seiner vielen Stromschnellen u. Klippen im oberen, seiner zahlreichen Sandbänke im unteren Laufe nur theilweis zur Schifffahrt geeignet. Die Briten haben, um dadurch den Weg von Ostindien nach Europa abzukürzen, ihn neuerdings als Wasserstraße, welche schon früher (namentlich unter Kaiser Julian 363 u. bis ins 14. Jahrh.) benutzt worden war, herzustellen versucht u. unter dem Oberst Chesney vom October 1835 bis Mai 1836 mit 2 Dampfbooten, Tigris u. Euphrat, von Bir aus, wohin die Dampfschiffe auf der Achse gebracht worden waren, befahren, sind jedoch, da das eine, Tigris, im Mai 1836 durch einen Windstoß unterging, nicht glücklich hiermit gewesen, indeß hat 1838 der Lieutenant Lyngh, Begleiter Chesneys den Plan wieder aufgenommen. Zu demselben Zwecke ist auch von den Briten längs seines Laufes eine Eisenbahn (Euphratthalbahn) projectirt worden, zu deren Bau die Pforte dem Oberst Chesney 1857 die Concession ertheilte. Vgl. F. A. Schrämels Karte vom E. u. Tigris, Wien 1786; Chesney, The expedition for the survey of the rivers Euphrates and Tigris, Lond. 1850, 2 Bde.; 3) so v.w. Lagos in Afrika.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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