Oberhaut


Oberhaut

Oberhaut, 1) (Epidermis), bildet einen dünnen, glatten, durchscheinenden, je nach dem Teint verschieden gefärbten Überzug über die Lederhaut, mit der sie durch den Malpighischen Schleim innig verbunden ist. Sie bildet an den kleinen Öffnungen der Schweißkanäle Haarbälge u. Talgdrüsen, u. in diese hinein sich ziehend, röhren- od. trichterförmige, in die Lederhaut eindringende Fortsätze, ist also nirgends von eigentlichen Löchern durchbohrt. An den großen, zu inneren Höhlen führenden Öffnungen des Körpers setzt sie sich in das innere Epithelium (s.d.) fort. Die äußere gefäßreiche Fläche der Lederhaut ist die Matrix der Epidermis, wo das Cytoblastem od. Zellenstoff (s.u. Zellenbildung) abgesondert wird, in dem sich die Zellenkerne bilden. Auf diese kernreiche Schicht (intermediäre Haut), folgt die Schicht der jüngsten, rundlichen, abgeplatteten, den Kern eng umgebenden, in Essigsäure lösliche Zellen od. das Malpighische Netz. Nach außen drängen sich die Zellenschichten dichter zusammen, ändern ihr chemisches Verhalten u. werden hornartig. Die Epidermis, welche zum Schutz der Lederhaut dient, das zu schnelle Verdunsten u. in gewissen Graden den Durchgang der Luft, der Wärme u. Kälte u. der Elektricität hindert, nimmt bei längerer Berührung Feuchtigkeiten in sich auf, schwillt. dabei an u. läßt dann jene in Form od. als kleine Tropfen durchdringen, löst sich in kochendem Wasser nicht auf, wird nach langem Kochen spröde u. zerreiblich, verwandelt sich bei langer Maceration in kaltem Wasser, ohne in eigentliche Fäulniß überzugehen, in Brei. Weingeist löst sie nicht, Schwefelsäure u. Ätzkali als salzige Masse auf. Am lebenden Körper wird sie durch Säuren, Metallsalze u. manche andere Pigmente gefärbt, welches so lange besteht, bis die durchdrungenen Schichten abgestoßen u. durch neue ersetzt sind. Am Feuer schmilzt sie u. verbrennt unter Hinterlassung einer porösen Kohle. Bei der trockenen Destillation erhält man Ammonium u. ein gelbes Öl; vgl. Haut 1). 2) Die äußerste Zellenschicht einer Pflanze; ist je nach den Medien, aus denen sie sich entwickelt, verschieden u. erscheint a) als Epithelium, ohne Spaltöffnungen, der Fläche nach dicht aneinanderschließende, höchst zarträudige mit durchsichtigem, ungefärbtem, homogenem Safte erfüllte Zellen, bei sich bildenden Pflanzentheilen immer vorhanden, nur in verschlossenen Höhlen länger bleibend, außerdem sich später umändernd, entweder in das b) Epihlema,[178] aus etwas derbwandigen, nach Außen abgeplatteten, sonst nicht sehr flachen Zellen, ohne Spaltöffnungen bestehend, im Wasser od. in der Erde sich entwickelnd; od. c) in die Epidermis, meist aus sehr flachen, tafelförmigen Zellen bestehend, deren Wände nach außen u. an der Seite derber sind. Sie schließen dicht an einander u. sind nur an bestimmten Stellen durch Spaltöffnungen unterbrochen, welche die Ausgänge der zwischen den Zellen des Parenchyma liegenden, der äußeren Luft Zutritt gestattenden Räumen od. Intercellulargängen u. an der inneren Seite mit zwei halbmondförmigen, mit ihren concaven Flächen einander zugekehrten, mehr od. weniger wulstigen u. daher eine größere od. kleinere Spalte zwischen sich lassenden Zellen besetzt sind. Aus der O. erheben sich mehre, zu den Nebentheilen der Pflanzen gerechnete, accessorische Organe, als: Papillen, Haare, Borsten, Brennspitzen, Stacheln, Warzen, s.u. Nebenpflanzentheile.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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