Fasanen


Fasanen

Fasanen (Phasianus L.), Gattung der hühnerartigen Vögel, deren Backen nackt u. mit[124] rother Haut, mit dachförmig gestellten Schwanzfedern u. Sporen an den Füßen, zerfällt in die Untergattungen: a) Huhn (s.d.); b) eigentlicher F., s. unten 2); c) Argusfasan (Argus), s.d.; d) Federbuschträger (Spicifer), wie ein Hahn, aber auf dem Kopfe ein Federbusch, wie beim Pfau, Sporen stark; Art: Sp. ignitus s. Gallus Macartneyi, schwarz, Bürzel rothgoldig, Seiten weiß u. gelb gefleckt; auf Inseln Südasiens; e) Pfauenfasan (Lophophorus), s.d.; f) Satyr (Tragopan), s.d.; g) Perlhuhn (Numida), s.d.; h) Rurul (Cryptonyx Temm., Liponix Vieill.), nur die Augenkreise nackt, der Schwanz mittellang u. eben, keine Sporen, Daumen ohne Nagel; Art: Cr. coronatus s. Columba cristata Gm. et Lath., Phasianus cristatus Sparrm., Männchen mit langem rothem Busche zerschlitzter Federn u. langen Bartborsten an den Augenlidern, übrigens grün, mit braunen Flügeln, von der Größe der Wachteln; lebt auf Malakka. 2) Eigentlicher F., Gattung der Fasane; Schnabel dick, an der Wurzel nackt, oben gewölbt, etwas gebogen, Füße vierzehig, mit Sporen, Flügel kurz, Schwanz lang, zusammengedrückt, keilförmig; Arten: a) Gemeiner F. (Kolchischer F., Ph. colchicus), das Männchen (Fasanhahn) mit Schwanz 3 Fuß lang, 21/2–3 Pfund schwer, Kopf u. Hals grün, violett schillernd, Brust u. Rücken glänzend braunroth, mit schwarzen glänzenden herzförmigen Flecken, Flügel dunkelbraun, gelblich weist gefleckt, am Hinterkopfe 2 Erhöhungen, bei der Paarungszeit entspringt hinter jedem Auge ein Federbüschel, schwarz, grünglänzend, wie ein Horn, vergeht in der Mauser; Weibchen (Fasanhenne), kleiner, braunweiß u. rothgrau melirt. Varietäten: Weißer F., Bunter F., weißgefleckt, Blasser F., alle Farben blässer, Halsbandfasan, Bastard mit dem Haushuhn, Gold- u. Silberfasan etc. Der Schwanz heißt Spal, die Flügel Schilder, auch schildern die jungen F., die sich mausern; er ist von den Kaukasusländern (vgl. Phasis, woher auch der Name kommt) nach Europa gebracht worden. Wild findet man ihn jetzt noch um das Kaspische Meer, an den Flüssen Kuma, Terek u. Kuban u. am ganzen Kaukasus. Nahrung: Sämereien, Getreide, Eicheln, Kohl, Obst, Möhren, Insecten, Würmer, Schnecken, kleine Frösche. Sie baden sich gern im Staub u. verlangen reines Wasser zum Trunk. Balzzeit: Ende März, junger Hähne im Juni, jeder Hahn hat 2–3 Hennen, kann aber gefangen 6 bedecken. Die Henne legt nach 3–4 Wochen in ein gescharrtes, mit Genist gefüttertes Nest, nach u. nach 18 bis 20, junge nur 6–8 Eier, u. brütet sie in 24 Tagen aus; die Jungen laufen gleich mit der Mutter davon u. bleiben bis im Herbst bei der Alten. Der F. ruft bes. im Auffliegen Kock Kock, das Weibchen. Göck Göckern; er ist eindummer Vogel u. unterliegt daher Raubthieren leicht. Dabei ist er zärtlich u. wird in Norddeutschland in Fasanerien (s.d.) gezogen. Dennoch ist er Jagdvogel, da mehrere Fasanerien wilde sind, u. er auch oft aus zahmen Fasanerien sich verfliegt u. sich in Hölzern fortpflanzt. Man schießt die F-e, indem man sie bei Tagemit dem Fasanhunde (einem kleinen Hunde, welcher abgerichtet ist, den auf einem Baume sitzenden F. durch Bellen anzuzeigen u. um denselben herumzulaufen, damit der Jäger herzukommen u. schießen kann) aufsucht od. sich des Nachts an den F. heranschleicht; ferner indem man sie fängt, wozu man Schlingen u. kleinere Netze, auch Fasansteckgorne u. Fasantreibzeuge, von der Beschaffenheit wie das Hühnerzeug, doch größer, breiter u. mit größern Maschen, gebraucht. Beim Treiben oars man das Geräusch nicht zu groß machen, damit die F. nicht auffliegen; man stellt diese Garne quer durch das Holz od. durch einzeln stehende Getreidestücke. Seltner werden die F. mit Falken gejagt (Fasanbeitze). Nach den meisten Jagdgesetzen gehören die F-e zur hohen Jagd, u. es ist meist nachgegeben, daß ein Jagdberechtigter, der selbst F-e hält, auch auf seinem Revier F-e schießen darf. In frühern Zeiten wurden die F-e sehr werth gehalten u. die einem Fasanenstande od. auch nur einem F. zugefügte Beschädigung an dem Beleidiger durch das Abhauen der rechten Hand geahndet. An den Ecken einer Fasanerie stand daher oft eine aufgerichtete Tafel, mit dem Bilde einer abgehaunen rechten Hand u. der Unterschrift: Dem, der stört den Fasanenstand, wird abgehauen die rechte Hand. Der F. wird wegen Delicatesse des Fleisches, das gut gespickt, gebraten, gekocht, gedämpft od. in Ragouts u. Fricasseen gegessen wird, sehr geschätzt Man reinigt ihn von den Eingeweiden u. läßt ihn 6–8 Tage hängen, sonst ist er zu zähe. Die besten deutschen F. sind in Böhmen; b) Goldfasan (Pb. pictus L.), Männchen mit langem, nach hinten herabhängendem goldgelbem Federbusche, orangegelbem Federkragen am Oberhalse, mit seinen dunkelblauen Binden, der übrige Oberleib ist glänzend goldgelb; die vorderen Schwungfedern schwarz, gelbbraun gefleckt, die mittleren dunkelroth, schwarz gefleckt u. die hinteren, wie die Schulterfedern blau, der Unterleib feuerroth u. der Schwanz lang, keilförmig, schwarz u. braun gefleckt u. gestreift; Weibchen rostfarbig, schwarz gewellt, heller am Bauche; c) Silberfasan (Phas. nycthemerus L.), Männchen weiß mit schwarzen, seinen Linien gestrichelt, Federbusch, Gurgel, Brust u. Bauch schwarzviolett, Schwanz lang; Henne bräunlich, dunkel gewellt, beide letztre aus China, werden in Europa häufig zur Zierde auf Hühnerhöfen gehalten, sind empfindlich für Kälte, u. bes. erster sehr zär Uich; d) Ph. versiccolor s. Diardi, kripfergrün, an der Brust blau, Flügel u. Schwanz braun mit duukeln Binden, aus Java; e) Ph. veneratus, mit hellgrünem, 41/2 Fuß langem Schwanz, auf dem Rücken goldgeschuppt, in China, sehr selten; f) Ph. superbus, dem Argusfasan ähnlich, mit noch längerm, weißem, schwarz u. braun gestreiftem Schwanz, nur aus chinesischen Tapeten bekannt; g) Ph. Sömmeringii, in Japau; h) Ph. Amherstiae, schön, mit rothem Federbusch u. opalweißem Halskragen, mit grünem u. blauem Halbmond, aus Ava von der Lady Amherst nach Europa gebracht. 3) Deutscher F., so v.w. Birkhuhn.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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