Fenster [1]


Fenster [1]

Fenster, die Öffnung in den Umfassungsmauern, durch welche der innere Raum eines Gebäudes erleuchtet wird. Die Größe der F. richtet sich nach dem Zwecke, den das Gebäude hat; unbedeutende Gebäude erhalten kleinere, wichtigere aber größere F.; eben so ist das Verhältniß der Breite zur Höhe von dem Charakter des Gebäudes abhängig; die besten Verhältnisse sind für Wohngebäude 2:7, 1:2, die höchsten gleich der Diagonale des Verhältnisses 1:2; in Kirchen u. großen [186] Sälen etc. stellen sich indessen die Verhältnisse höher, u. werden 6–10 F. breit, 12–30 F. hoch, während sie bei gewöhnlichen Wohnhäusern nicht unter 3 Fuß, bei landwirthschaftlichen Gebäuden aber noch schmäler sind. Man unterscheidet: viereckige F., deren Sturz wagerecht liegt; Bogenfenster, die durch einen Bogen geschlossen od. überwölbt sind; Kirchenfenster (s. ob.); Kellerfenster, welche die Breite der obern, aber eine geringe Höhe haben; Oberlichtfenster, die über die Thüren angebracht sind; Guckfenster, kleine, in Thüren od. Zwischenwänden angebrachte F.; ferner Balconfenster, die keine Brüstung haben u. bis zum Fußboden reichen; Venetianische (Englische) F., die an jeder Seite ein schmaleres. 4eckiges, durch schmale Pfeiler getrenntes F. haben; die Englischen Aufschiebefenster sind in Rollen durch Gewichte sich bewegende F.; Griechische F., deren Gewände nach oben zu etwas schmäler wird; Dachfenster, welche zur Erleuchtung des Dachbodenraumes dienen u. entweder von Holz od. Zink od. Weißblech angefertigt werden. Ihre Form ist im ersteren Falle gewöhnlich viereckig, sieerhalten dann ein eigenes kleines Giebeldach, müssen auf 2 Sparren aufstehen u. heißen gewöhnlich Dachnasen; sind sie bogenförmig u. ausgeschweift, so nennt man sie Fledermäuse u. wendet sie gewöhnlich bei landwirthschaftlichen Gebäuden an; auch heißen sie Dachluken, u. zwar forlaufende, wenn sie durch die ganze Länge des Daches gehen; Ochsenangen, wenn sie zirkelrund sind, Kapfenster etc. Die Dachfenster von Blech od. Zink, gewöhnlich halbrund geschlossen, sind die besten zur bloßen Erleuchtung des unbewohnten Bodenraums; sie bestehen aus zusammen gelötheten Metallplatten u. werden auf den Dachlatten befestigt Damit das Wasser von dem Dache abgeleitet werde, ist an den Seiten des Dachfensters ein Blech (Abweiseblech) angebracht. Ein F. vor od. in welchem ein Drahtgitter angebracht ist, heißt Drahtfenster; dergl. werden bes. in Speise- u. Vorrathskammern gebraucht, um Fliegen u. anderes Ungeziefer abzuwehren u. doch frische Luft zu erhalten. Hinsichtlich des Öffnens der F. unterscheidet man Gewindefenster, deren Flügel an Haspen hängen u. an die F-schmiege anschlagen; die Schiebefenster, wo sich ein Theil eines Flügels in einer Nuthe vor- u. rückwärts schieben läßt; Aufziehfenster, bei denen die untere Hälfte mittelst Gegengewichten u. Federn in einer im Futter angebrachten Nuth hinauf u. hinunter geschoben werden kann.

F. massiver Mauern enthalten eine steinerne, über die Mauerfläche hervorragende Fensterverkleidung (Einfassung), bestehend aus der Unterlage, der Fenstersohlbank, den auf dieser senkrecht stehenden Einfassungen, Fenstergewände, über dieser ein wagerecht liegendes od. bogenförmiges Bedeckungsstück, Fenstersturz, der zuweilen noch ein überdeckendes Gesims, Fensterverdachung, erhält. Die Breite der Gewände, der Sohlbank u. des Sturzes beträgt, wenn sie vor der Mauerfläche vorstehen u. mit Gliederungen verziert sind, 1/4-1/6 der Breite der F-öffnung. Werden diese Stücke von eichenem Holz gefertigt u. in die Mauer eingesetzt, so heißt dies ein Fenstergerüst. Bei Holzwänden werden sie durch die Wandsäulen u. Riegel ersetzt. Zusammen heißen diese Einfassungen das Fenstergestelle. Die Fensterbrüstung ist die um 1–11/2 Fuß schwächere Mauer zwischen dem Lichten u. dem Fußboden; sie ist 1–11/2 Fuß dick, 21/2–3 Fuß hoch u. wird oberhalb mit einem Bret von hartem Holze, dem Fensterbret, bedeckt; der Fensterausschnitt (Fensterschmiege) in massiven Mauern, die Erweiterung der F-öffnung nach innen od. außen, um dadurch mehr Licht im Zimmer zu erhalten: der Fensteranschlag, der zur Befestigung des Futters für das Glasfenster dienende 3–4 Zoll breite Vorsprung der Gewände, des Sturzes u. der Bank vor der innern Mauer; der Fensterschaft (Fensterpfeiler), der Raum zwischen 2 Fensteröffnungen. Fensterbeschläge, sind alle an einem F. erforderlichen Schlosserarbeiten, welche dasselbe schließen, die Flügel zusammenhalten u. dieselben am Futter befestigen: zur Erfüllung des ersteren Zwecks dienen die Vorreiber, Anziehknöpfe, Fensterriegel, Basquillen- u. Espagnoletstangen; zum zweiten die Scheinhaken od. Ecken; zum dritten die aufgesetzten od. Winkelbänder mit dem Haspen. Die F-beschläge werden von Eisen od. Messing gemacht, gewöhnlich aber sind nur die Anziehknöpfe, die Ruderan den Espagnoletstangen, auch zuweilen die Fisch- od. Aufsatzbänder von Messing. Zu den eigentlichen Glasfenstern gehören das Fensterfutter (Fensterrahmen Fensterzarge), der hölzerne Rahmen, welcher mit seinen einzelnen Hölzern (Fenstershenkeln) bei massiven Mauern mittelst Bankhaken u. Dubeln an den Anschlag (s. ob.), bei hölzernen Wänden aber wie ein Thürfutter am F-gerüst befestigt wird. An dem F-futter hängen die Fensterflügel mittelst Bändern, die sich an den im Futter befindlichen Haspen bewegen, öffnen u. schließen lassen. Die Flügel schlagen am besten mit doppeltem Falze in das Futter u. werden durch die Fenstersprossen, 1_–11/2 Zoll starke, auf beiden Seiten abgeschrägte Stäbe in mehrere Theile getheilt. Die Glasscheiben sitzen in einem Falze (Glasnuth) derselben u. werden von außen mit Fensterkitt, einer Mischung aus Leinölfirniß u. Kreide, befestigt. An dem untern Querstück erhält das F. einen Wetterschenkel, der in einer hervorragenden, abgerundeten, unterhalb ausgehöhlten Leiste besteht, die das Eindringen des am F. herablaufenden Wassers in die untere Fuge verhindert. Bei zweiflügeligen F-n erhält das Futter zuweilen einen Mittelschenkel, der aber immer hinderlich ist, weshalb man ihn an dem einen Flügel befestigt u. zum Aufschlagen einrichtet; bei vierflügeligen F-n ist indessen ein solcher zum Anschlag der Flügel durchaus nöthig; er wird am Futter befestigt u. erhält einen Wetterschenkel. Ist in einem F. ein senkrechter u. ein wagerechter Mittelschenkel angebracht, so bilden beide zusammen das Fensterkreuz. Das Futter u. die Flügel der F. werden von Eichen-, besser aber von Lerchenholze gefertigt u. tüchtig mit Ölfarbe angestrichen. In neuester Zeit fertigt man Fensterrahmen ganz von Eisen, welche die großen Vortheile der Dauerhaftigkeit, u. wegen der weit dünneren Sprossen u. Schenkel, größerer Lichtfläche in sich vereinigen. Die Verzierung der F. beschränkt sich mehr auf die Einfassung der äußeren Öffnung, die Gewände, den Sturz, die Sohlbank, wobei man die Hauptstockwerke mit den am meisten verzierten F. versieht; indessen ist auch das Glasfenster mannichfacher Verzierung fähig, die bei. 4eckigen F. nin den verschiedenen, durch Sprosseneintheilung erzeugten Formen, bei halbkreisförmig geschlossenen F-n in reicherer od. geringerer Anordnung des Bogens[187] besteht. Die verschiedensten Formen der F-verzierung finden sich an den altdeutschen u. romanischen Kirchenfenstern. Die Häuser der Römer hatten im Erdgeschoß selten F., da die Zimmer nach dem Atrium u. Cavädium (s.d.) gingen u. Licht durch die hohen u. weiten Thüröffnungen erhielten; im obern Stock dagegen waren häufig, auch nach der Straße zu F., aber sie waren klein. In den ältesten Zeiten wurden sie mit Laden od. Vorhängen (Vela) verschlossen; die F-scheiben kamen erst unter den römischen Kaisern. auf. Diese Fscheiben bestanden gewöhnlich aus Frauenglas (Lapis specularis), bisweilen aber auch aus Glas. Die Hebräer schlossen die F. nicht mit Glasscheiben, sondern mit Gittern od. Jalousien. Fast nirgends gingen die F. auf die Straße; dasselbe ist noch jetzt bei den Orientalen der Fall.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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