Futtermauer


Futtermauer

Futtermauer, Mauer, zur Bekleidung u. Unterstützung der Erdwände an Kanälen, Kunststraßen, Terrassen, Flußufern u. Festungen bestimmt. Besonders bei letzteren sind sie, um einen allgemeinen Sturm der Festung nach Eroberung des Grabens unthunlich zu machen, an der Escarpe unentbehrlich. Entbehrlicher sind sie auf der Contreescarpe, da sie hier zwar den Belagerer in der Grabendescente[825] aufhalten, aber auch den Belagerten hindern, allgemeine Ausfälle auf den Feind zu machen, während diese durch eine schräge Contreescarpe erleichtert werden würden. Als mindeste Höhe der F. des Hauptwalls wird 24 Fuß angenommen, da dann zu deren Ersteigung 30 Fuß hohe Sturmleitern, die schwer zu handhaben sind, angewendet werden müssen. Ost macht man sie jedoch. bes. bei Außenwerken, nur 12–18 Fuß hoch. Ist die F. an der Escarpe so weit in die Höhe geführt, wie die Federlinie des Glacis liegt, so heißt sie ganze F.; dagegen halbe F., wenn sie nur bis zur Höhe des gedeckten Weges reicht. Ihre Stärke hängt von ihrer Höhe u. von dem Druck der dahinter lastenden Erde ab. Meist macht man die F. an der Contreescarpe 3 Fuß oben stark u. gibt ihr nach Außen 1/12 Anlage, bisweilen jedoch hat man die innere u. äußere Wand auch parallel erbaut u. die Mauer dagegen schräg an den Erdboden (en surplomb) angelehnt. An der Escarpe, wo sie mehr Druck auszuhalten u. auch noch dem Kanonenfeuer zu widerstehen haben, werden die F-n oben 5–6 Fuß dick gemacht u. erhalten gleichfalls 1/12 ihrer Höhe zur Anlage der Böschung. Halbe F-n macht man, um ihr genug Widerstandsfähigkeit für den Erddruck zu geben, weit stärker u. zwar oben so stark, als sie es, wenn sie eine ganze wäre, auf dem Punkte, wo sie beginnt, sein würde. Der Erddruck schadet den F-n wesentlich; Montalambert u. Carnot haben daher abgerückte F-n vorgeschlagen, wo gar keine Erde hinter den F-n dieselben drückt, sondern erst der Fuß des Walles am Fuß der F-n beginnt. Die Festigkeit der F-n wird noch durch Strebepfeiler erhöht, die bei Uferbauten oft vorn, bei Festungen aber, damit sie nicht den Stürmenden Schutz gegen das Feuer der Festung geben, hinten in der Erde so angebracht werden, daß sie 4–5 Fuß stark, 5_–10 Fuß in die Wallböschung zurückreichen u. in Abständen von 15–18 Fuß von einander stehen. Der Umstand, daß der leichte Nachsturz hoher Escarpensuttermauern der Erzeugung einer Bresche sehr günstig ist, hat zu mannigfachen Abänderungen der Construction geführt. Dahin gehören zunächst die Kasematten, welche man erhielt, indem man die Strebepfeiler überwölbte, u. dann die freistehenden F-n, welche allerdings mit Unrecht ihren Namen führen. Diese freistehenden F- u. werden als halbe F. aufgeführt u. so weit vom Erdwall abgerückt, daß hinter ihnen, etwa 6–8 Fuß über der Grabensohle, ein Gang, der sogenannte Rondengang, von 5–8 Fuß Breite bleibt. Meist werden in diese freistehende Mauer Schießscharten für Infanterie eingeschnitten, um so eine niedere Grabenbestreichung zu erhalten; auch die freistehenden Mauern erhalten Strebepfeiler, welche zugleich die Stelle von Traversen versehen. Werden diese Strebepfeiler zunächst an der Mauer auf 3–5 Fuß als Widerlager für Gewölbe benutzt, so entstehen die sogenannten freistehenden Bogenmauern. Die oberste Steinreihe der F-n greift stets nach Außen über, um das Regenwasser von der Mauer abzuleiten, u. heißt ihr Cordon (s.d.).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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