Oder


Oder

Oder, 1) ein Hauptstrom Deutschlands u. Hauptfluß des Preußischen Staats; entspringt im Odergebirge, einem Zweige der Sudeten, im mährischen Kreise Olmütz, geht, nachdem sie die Grenze zwischen dem Österreichischen u. Preußischen Schlesien gemacht hat, unterhalb Oderberg in den Preußischen Staat über, welchen sie über 100 Meilen lang durchfließt, u. gehört mit ihrem ganzen, von Ratibor an für kleine, von Oppeln für mittlere, von Breslau für größere Fahrzeuge schiffbaren Lanse allein diesem Staate an. In Braudenburg wird sie sehr inselreich u. theilt sich unterhalb Küstrin in zwei Arme, wovon der rechte, Neue Oderkanal, 1753 zur Abkürzung der Schifffahrt u. Urbarmachung eines Oderbruchs, aus dem Strome geführt u. allmälig so erweitert worden ist, daß er jetzt allein zur Schifffahrt gebraucht wird u. bei Hohensaaten sich wieder mit der O. vereinigt. Unterhalb Schwedt gelangt sie in die Provinz Pommern; bei Garz theilt sie sich in zwei Hauptarme, von denen der östliche die Große Regelitz od. der Zollstrom heißt, der westliche Arm aber den Namen O. beibehält. Ein Arm oberhalb Stettin heißt die Kleine Regelitz, welche in den Dammschen See fällt, Ein anderer Arm, die Parnitz, ergießt sich, so wie auch der Arm auf der andern Seite, Dunoch, ebenfalls in den Dammschen See. Unterhalb Stettin bildet die O.[211] einen neuen Arm, Schwantestrom, u. verliert dann ihren Namen, indem sich hier der Ausfluß des Dammschen Sees, die Wopape, mit ihr vereinigt hat. Der Dammsche See ergießt sich durch drei Ausflüsse in das Papen- od. Pfaffenwasser, welches in das Stettiner od. Frische Haff geht, u. dieses sendet seine Gewässer durch die drei Ausflüsse: Dievenow (östlicher Ausfluß, zwischen den Dörfern Ost- u. Westdievenow), Swine u. Peene, in die Ostsee. Diese drei Ausflüsse werden Odermündungen genannt. Die O. steht durch die Warthe, Netze, den Bromberger Kanal u. die Brahe mit der Weichsel, durch den Friedrich-Wilhelmskanal mit der Spree u. durch den Finowkanal mit der Havel in schiffbarer Verbindung u. berührt 27 preußische Städte, darunter Breslau, Frankfurt u. Stettin. Das gesammte Gefälle der O. beträgt 1700 Fuß, am stärksten ist dasselbe in Schlesien, geringer in Brandenburg u. am geringsten in Pommern. Ihr Flußgebiet begreift 2072 QM. (n.A. 2400), ihr Lauf 132 Meilen u. die wichtigsten Nebenflüsse auf dem linken Ufer sind: die Oppa, Zinna, Hotzenplotz, Stradune, Schlesische Neiße, Ohlau, Lohe, Weistritz, Katzbach, Bober, Lausitzer Neiße u. Welse, auf dem rechten Ufer: die Ostrawiza, Ölsa, Ruda, Birawka, Klodnitz, Malapane, Brinitza, Stober, Miniska, Weida, Bartsch, Obra, Pleiske, Miezel, Plöne, Ihna, Stöpultz, Volzer u. Warthe, der stärkste unter allen. In das Stettiner Haff gehen die Ucker u. Peene; Karte vom Lauf u. Flußbette der O., Lpz. 1812, 6 Bl. Fol.; 2) rechter Nebenfluß der Ruhme, entspringt bei St. Andreasberg im Harz, nimmt rechts die Sieber auf u. mündet bei Lindau.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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