Gastein


Gastein

Gastein, die, 1) (Gasteiner Thal), Seitenthal des Pongaues in der Bezirkshauptmannschaft Werfen des österreichischen Herzogthums Salzburg, von der Ache durchströmt, von hohen, bewaldeten Spitzen u. Gletschern der Norischen Alpen umgeben, mit rauhem u. kaltem Klima, 10 Stunden lang u. 1/2 Stunde breit, 3700 Ew.; darin 2) (Bad-G., Wildbad-G.), kleines Pfarrdorf von 300 Ew., rechts an der Ache u. dem Fuße des Großkogels in 3226 Fuß Höhe über dem Meere gelegen, mit berühmten warmen Heilquellen, deren jetzt fünf benutzt werden: die Fürstenquelle, Doctorsquelle, Franzensquelle, Untere od. Hauptquelle u. die Grabenbäckerquelle. Sie sollen schon den Römern u. Ostgothen bekannt gewesen sein, sind ihren Mischungsverhältnissen nach sämmtlich gleich u. haben eine Temperatur von 29 bis 39° R., daher das Wasser 12 Stunden lang in den Bädern stehen bleiben muß, ehe es zum Gebrauch genug abgekühlt ist; es ist ganz rein, ohne Nebengeschmack, wird theils als Getränk, theils zum Baden in jeder Art benutzt, setzt einen Badeschlamm ab, der bereits auch seine Verwendung gefunden hat, u. ist bes. dadurch merkwürdig, daß die chemische Analyse dasselbe nur wenig verschieden findet von dem gewöhnlichen Quellwasser. Obwohl es daher auch nicht an solchen gefehlt hat, welche die auffallende Wirksamkeit des Gasteiner Wassers mehr der Einwirkung der gefunden Gebirgsluft in G. u. dem eine Zeitlang fortgesetzten Einfluß eines täglichen Warmbades, als dem Wasser zugeschrieben haben, so haben doch diese Bäder in neuerer Zeit einen europäischen Ruf erlangt. Die Wirkung der Gasteiner Wasser ist die der alkalisch-salinischen, gelind reizend, belebend u. stärkend, beruhigend u. auflösend, u. sie werden angewendet vorzüglich gegen Nerven- u. allgemeine Körperschwäche, selbst vom hohen Alter, Lähmungen, Impotenz, gichtische Zufälle u. ihre Nachlässe, Harnbeschwerden, Rückenmarksschwächen, Verschleimungen, Hypochondrie, Hysterie, Geschwüre, Ausschläge etc. Die vornehmsten Bäder sind das Fürstenbad im Schloß, worin sich noch fünf andere befinden, u. das Straubingerbad (so genannt nach der Familie Straubinger, der es seit 300 Jahren gehört). Als Cursaal u. Spaziergang bei trübem Wetter, das im Juni u. Juli hier vorherrschend ist, dient die Wandelbahn, eine Glasgallerie neben der Brücke über die Ache. Die Wohnungen, der Lage des Thals wegen nicht zahlreich u. meist nur von Holz, sind in steiler Steigung an der östlichen Thalwand aufgeführt. Die durch enge Klüfte aus der oberen Thalstufe herabstürzende Ache bildet unmittelbar in der Nähe einen doppelten Wasserfall, der obere 200 Fuß, der untere 270 Fuß hoch. Die Badegäste,[4] deren etwa 3000 jährlich erscheinen, gehören vorzugsweise den höheren Ständen an; aber die gewöhnlichen Anstalten zur Unterhaltung u. Zerstreuung derselben fehlen ganz, u. sie sind nur auf die Natur u. Ausflüge in die Umgegend angewiesen; man besucht von hier aus den 7789 F. hohen Gamskahrkogel, den Radhausberg, das Naßfeld, das oberhalb des Bades gelegene. Dorf Böckstein mit Poch-, Wasch- u. Amalgamirwerken etc.; auch die Spaziergänge um das Dorf, sowie an der westlichen Thalseite werden viel besucht. Da die ungünstige Lage des Wildbades eine andere Einrichtung sehr wünschenswerth erscheinen ließ, so wurde im J. 1828 eine aus 2235 hölzernen Röhren bestehende u. 24,000 Fuß lange Wasserleitung angelegt, durch welche das Wasser aus dem Wildbad herabgeführt wird nach 3) Hof-Gastein, einem Marktflecken, der 2 Stunden vom Wildbad entfernt ist u. mehr als 500 F. tiefer liegt; hierher gelangt das Wasser in einer Temperatur von 27–28° R. u. kann sogleich zum Baden gebraucht werden; die Bäder befinden sich im Moserschen Gasthof. Der Ort liegt an der breitesten Stelle des Thales, ist Sitz eines Bezirksgerichts, hat freundlichere Wohnungen u. ist geräumiger. Auf dem Marktplatze steht die vergoldete Büste des Kaisers Franz I., 1847 vom Kaiser Ferdinand I. errichtet; eine kleine zoologische u. mineralogische Sammlung ist in Privatbesitz; 600 Ew. Früher stand das Thal auch in Ruf wegen seiner Gold- u. Silberbergwerke, u. der Marktflecken war nach Salzburg die reichste Stadt im Lande; da aber die meist evangelischen, namentlich sächsischen Bergleute bedrückt u. zur Auswanderung genöthigt wurden, so verfiel der Bergbau mehr u. mehr; auch wurden mehrere Stollen durch Erdbeben verschüttet, so daß zuletzt nur drei im Gange sind, der Rauriser, im Radhausberg u. auf der Erzwiese, worin man 70 bis 90 Mark Gold gewinnt. Bad G. wurde vom Kaiser Franz I. 1807 dem Publikum zum Gebrauch überlassen. Die jetzige Einrichtung ist vom Jahre 1830, durch eine Actiengesellschaft gegründet, u. beruht auf der kaiserlichen Resolution vom 23. Aug. 1828. Vgl. Koch-Sternfeld, Das Gasteiner Thal, Münch. 1810, u. Aufl. ebd. 1820; Eble, Die Bäder von G., Wien 1824; Mupar, Das Thal u. Warmbad G., Grätz 1834; Emil, Die Straubinger Hütte zu Bad G., Gastein 1832, 2. Aufl.; Normann, Hof-Gastein, wie es ist, München 1834; Königsberg, Wildbad G. im J. 1856 mit 1 geognostischen u. 1 Quellenkarte, Wien 1857.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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