Geistesgaben


Geistesgaben

Geistesgaben, 1) (Charismata), die eigenthümlichen geistigen Fähigkeiten einzelner Christen, die auf dem Einfluß des Heiligen Geistes beruhen, indem derselbe theils unmittelbar dergleichen Vorzüge mittheilt, theils die schon vor der Bekehrung vorhandene Tüchtigkeit für den Dienst im Reiche Gottes od. in der Gemeinde Christi zu heiligen u. zu veredeln sucht. Die G. in der apostolischen Kirche, die in ihrer Erscheinungsform stets als etwas Außerordentliches u. Übernatürliches angesehen werden, beziehen sich entweder auf Förderung des Gottesreiches u. der Gemeinde durch das Wort od. auf diese Förderung durch eine mehr äußerliche Thätigkeit, u. es werden dazu gerechnet die Prophetie, das Zungenreden, die Didaskalie, die Auslegung, die Diakonie, die Kirchenregierung, die Armenpflege, die Wunderverrichtung u.s.w. Auch hatten nicht bloß die Apostel das Charisma, sondern auch sonst reich begabte Christen konnten daran Theil nehmen. Bei der G. des Lehrens od. der Didaskalie unterschied man die Gabe, die Lehre nach ihrem Zusammenhang zu entwickeln u. theoretisch darzustellen von der Gabe, dieselbe auf die verschiedenen Lebensverhältnisse anzuwenden. Wie in den Schriften der Apostel, namentlich bei Paulus, so ist auch in den Schriften der Kirchenväter von den Geistesgaben die Rede, z.B. bei Justin, Irenäus etc., obschon von einzelnen, wie z.B. von Chrysostomus, der überhaupt das Gebiet der G. als ein dunkles bezeichnet, bemerkt wird, daß das Charisma der Wundergabe selbst dem Würdigen nicht mehr ertheilt werde. Man neigt sich zwar gegenwärtig der Ansicht zu, daß die G. nur eine Erscheinungsform für die alte Kirche in ihrer Drangperiode gewesen sind, jedoch wird von Andern ihr Fortbestehen behauptet u. z.B. die innere Mission als ein Charisma der Diakonie hingestellt. Vgl. Engelmann, Von den Charismen, 1848 (Preisschrift). 2) Jede höhere Äußerung eines besonderen geistigen Vermögens, wenn dieses ohne erhebliche Mühe etwas Vorzügliches bewirkt; vgl. Talente.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Geistesgaben — Geistesgaben(Pl):⇨Verstand(1) …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Geistesgaben — Als Gaben des Heiligen Geistes (von griechisch charis, „Gabe, Geschenk“; Singular „Charisma“, Plural „Charismata“, umgangssprachlich oft auch mit „Charismen“ bezeichnet) werden im Christentum besondere Begabungen bezeichnet, die gemäß dem Neuen… …   Deutsch Wikipedia

  • Geistesgaben — Geis|tes|ga|ben <Pl.>: geistige Anlagen, Fähigkeiten: mit hervorragenden G. ausgestattet sein. * * * Geis|tes|ga|ben <Pl.>: geistige Anlagen, Fähigkeiten: mit hervorragenden G. ausgestattet sein …   Universal-Lexikon

  • Geistesgaben — Geis|tes|ga|ben Plural …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Gaben des Heiligen Geistes — Als Gaben des Heiligen Geistes (von griechisch charis, „Gabe, Geschenk“; Singular „Charisma“, Plural „Charismata“, umgangssprachlich oft auch mit „Charismen“ bezeichnet) werden im Christentum besondere Begabungen bezeichnet, die gemäß dem Neuen… …   Deutsch Wikipedia

  • Gaben des heiligen Geistes — Als Gaben des Heiligen Geistes (von griechisch charis, „Gabe, Geschenk“; Singular „Charisma“, Plural „Charismata“, umgangssprachlich oft auch mit „Charismen“ bezeichnet) werden im Christentum besondere Begabungen bezeichnet, die gemäß dem Neuen… …   Deutsch Wikipedia

  • Geistesgabe — Als Gaben des Heiligen Geistes (von griechisch charis, „Gabe, Geschenk“; Singular „Charisma“, Plural „Charismata“, umgangssprachlich oft auch mit „Charismen“ bezeichnet) werden im Christentum besondere Begabungen bezeichnet, die gemäß dem Neuen… …   Deutsch Wikipedia

  • Zungenrede — Unter Zungenrede, Glossolalie (altgr. γλοσσα (glôssa), γλοττα (glotta) Zunge, Sprache und λαλεο (laleô) sprechen) oder Sprachengebet versteht man unverständliches Sprechen, insbesondere im Gebet. Nach dem Neuen Testament ist es eine Gnadengabe… …   Deutsch Wikipedia

  • Evangelikalismus — Billy Graham 1954 in Duisburg Der Evangelikalismus (vom englischen evangelicalism) ist eine theologische Richtung innerhalb des Protestantismus, die auf den deutschen Pietismus, den englische …   Deutsch Wikipedia

  • Glosollalie — Zungenrede oder Glossolalie (von altgr. γλῶσσα (glôssa), „Zunge, Sprache“ und λαλέω (laleô), „sprechen, reden“), nach dem Neuen Testament manchmal auch als Sprachengebet oder Beten im/mit dem Geist bezeichnet, sind unverständliche Lautäußerungen …   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.