Geiz


Geiz

Geiz, 1) die Begierde Eigenthum zu erwerben, zu besitzen u. zu vermehren. Er hat seinen Grund in einer beschränkten engherzigen Gemüthsart od. in einem stillen Eigendünkel, der sich durch die Macht des Besitzes Geltung verschaffen will. Oft entwickelt sich aus der Sparsamkeit eine gewisse Sparsucht, u. diese ist dann schon der Übergang zum G., welcher mehrere Stufen u. Nüancen hat, so die Habsucht, die Begierde nach Erwerb, die selbst mit Verschwendung verbunden sein kann; die Kargheit, die sich nur auf Befriedigung der nothwendigsten Bedürfnisse beschränkt; die Genauigkeit u. Knickerei, die auch in reellen Bedürfnissen Abbruch thut u. bes. zur Knauserei wird, sofern sie Anderen das Gebührende entzieht. Im höchsten Grade des Geizes wird derselbe zum schmutzigen G. od. zur Filzigkeit, u. der ihm willenlos Fröhnende zum Geizhals. In der Bibel wird der G. die Wurzel (Quelle) alles Übels genannt, 1 Tim. 6, 9 u. 10., u. in der scholastischen Zeit wurde der G. von Thomas von Aquino als eine Hauptsünde bezeichnet; 2) die überflüssigen Schosse in den Blattwinkeln am Weinstock, an Tabakspflanzen, am Türkischen Weizen etc.; sie entziehen dem Hauptstamme die Nahrung u. bringen doch keine Frucht; das Ausbrechen derselben: Geizen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Geiz — Geiz …   Deutsch Wörterbuch

  • Geiz — der; es; nur Sg, pej; eine starke Neigung, kein Geld auszugeben <großer, krankhafter Geiz>: Ihre Sparsamkeit grenzt schon an Geiz || hierzu gei·zig Adj …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Geiz — Geiz: Zu mhd., ahd. gīt‹e› »Gier, Habgier« gehört das Verb mhd. gīten »gierig sein«, dessen gleichbedeutende Weiterbildung gīt‹e›sen, gīzen im Nhd. zu geizen wird. Das Substantiv »Geiz« (mhd. gīz) ist entweder zum weitergebildeten Verb gebildet… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Geiz [1] — Geiz (Geiz, v. althochd. kîdi, »Keim«), die zwischen den Blattwinkeln hervorkommenden Kurztriebe, z. B. an der Tabakpflanze und am Weinstock, die, weil sie dem Hauptstamm die Nahrung entziehen, ohne selbst Früchte zu tragen, entfernt werden; es… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Geiz — ist Grausamkeit gegen die Dürftigen, und die Verschwendung ist es nicht weniger. «Christian Fürchtegott Gellert» Der Geizige macht zahllose Testamente. Sie haben für ihn den Reiz einer Geldausgabe, von der er weiß, daß er sie nie erlebt. «Sigmund …   Zitate - Herkunft und Themen

  • Geiz [2] — Geiz (althochd. kît, »ungezügelte Habgier, Heißhunger«) ist der zur Leidenschaft gewordene Erwerbs und Spartrieb, der auch unerlaubte Erwerbsmittel nicht scheut und auf die Befriedigung auch notwendiger Bedürfnisse verzichtet. Geringerer Grad von …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Geiz — Geiz, die Achseltriebe des Weinstocks, der Tabakspflanze etc.; geizen, diese Seitentriebe ausbrechen …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Geiz — Geiz, der, ist gleich der Habsucht eine unordentliche Begierde nach zeitl. Gütern, aber von letzterer dadurch unterschieden, daß er nur besitzen will, um zu besitzen und das Seinige ängstlich zusammenhält, während die Habsucht dem Grundsatze… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Geiz — Sm std. (14. Jh.), spmhd. gīz, (eigentlich gītese) Stammwort. Rückbildung aus mhd. gītesen, gītsen, wie ae. gītsian begehren, verlangen . Das Verb ist eine Ableitung zu ahd. gīt, mhd. gīt Habsucht, Gier . Außergermanisch vergleicht sich lit.… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Geiz — der; es, e (übertriebene Sparsamkeit [nur Singular]; die Entwicklung beeinträchtigender Nebentrieb einer Pflanze) …   Die deutsche Rechtschreibung