Omer Pascha


Omer Pascha

Omer Pascha, eigentlich Michael Latas, geb. 24. Nov. 1806 zu Plaski im Oguliner Bezirke der Kroatischen Militärgrenze, besuchte zuerst die Militärnormalschule in. Plaski, dann die Höhere Schule in Thurm bei Karlstadt; wurde zunächst dem Oguliner Grenzregiment als Cadet zugetheilt, darnach beim Straßenbau verwendet, verließ aber diese Stellung bald u. begab sich 1828 über Zara nach Banjaluka in Bosnien u. 1829 nach Widdin, wo er in die Dienste des Vezier Hussein Pascha trat u. nach Annahme des Islam dessen Kinder unterrichtete. Mit seinen Zöglingen kam der nunmehrige Omer 1834 nach Constantinopel u. fand daselbst zunächst als Schreiblehrer an einer militärischen Bildungsanstalt u. dann als Unterbeamter im Kriegsministerium Beschäftigung, erhielt aber darauf durch Khosrew Pascha eine Stelle im Heer u. wurde, dem Sultan Mahmud bekannt geworden, Schreiblehrer des jetzigen Sultans Abdul Medschid. 1838 war O. bereits Obrist u. wurde mannigfach bei der Reorganisation der Armee u. dann als Adjutant des Generals Chrzanowsky verwendet. Er machte unter Jochmus 1840 den Feldzug in Syrien mit, wo er Brigadegeneral wurde, war 1842 eine Zeitlang Militärgouverneur im Libanon, wo er sich durch Härte u. Intoleranz gegen die Christen auszeichnete, wohnte 1843 dem Zuge gegen den Aufstand Dschuleka's in Albanien u. 1846 gegen den Kor-Hussein-Bei's in Adschara an der Kaukasisch-russischen Grenze bei. Darauf unterwarf er 1847 Kurdistan mit großer Schnelligkeit der Autorität der Pforte, wurde Gouverneur von Aleppo u. erhielt 1848 das Commando über das Armeecorps, welches mit den unter General Lüders stehenden russischen Truppen die Moldau u. Walachei zu pacificiren hatte, worauf er Gouverneur in Bukarest wurde; er zog 1850 gegen die Rebellen in Bosnien u. der Herzegowina u. unterdrückte den Aufstand der Bosnier 1851 nach Erstürmung der Veste Bihac. 1852 an die Spitze der gegen Montenegro verwendeten Truppen gestellt, konnte er nichts ausrichten. Als 1853 eine russische Armee von 60,000 M. in die Moldau u. Walachei einrückte, um diese Fürstenthümer als Pfand in Besitz zu nehmen, u. so der neueste Russisch-türkische Krieg herbeigeführt wurde, erhielt der schon seit einer. Reihe von Jahren zum Pascha aufgerückte O. den Oberbefehl über sämmtliche türkische Streitkräfte in Europa u. lieferte den Russen mehre siegreiche Gefechte, obgleich er dieselben nicht aus den Donaufürstenthümern vertreiben konnte. Als endlich die Russen in Folge der drohenden Stellung Österreichs diese Fürstenthümer räumten, ging O. P. über die Donau nach Bukarest. Von hier wurde er, da inzwischen der Schauplatz des Krieges auf die Krim verlegt worden war, mit 30,000 Türken nach Eupatoria gesendet u. bestand dort mehre Gefechte mit den Russen, vermochte aber nicht, wie beabsichtigt war, von Eupatoria aus eine Diversion im Rücken der Russen zu machen, kämpfte dann wiederholt mit vor Sebastopol u. wurde 1855 mit einem türkischen Corps von 30,000 Mann nach Batum eingeschifft, um durch eine Bewegung auf Tiflis wo möglich die bedrängte Festung Kars zu befreien. Obgleich aber O. P. beim Übergange über den Ingur den Sieg über die Russen davon trug, so blieb doch seine Bewegung für Kars ohne Bedeutung u. konnte den Fall der Festung nicht aufhalten. Nach Beendigung des Krimfeldzuges wurde er mit dem Oberbefehl in Syrien u. Babylonien betraut, bekämpfte dort mehrfache Aufstände, fiel aber 1859 in Constantinopel in Ungnade u. wurde seines Commandos enthoben u. nach Kutahia verbannt, aber im Januar 1861 wieder nach Constantinopel berufen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Omer Pascha — (eigentlich Michael Latas), türk. General, geb. 24. Nov. 1806 zu Plasky in dem kroatischen Militärgrenzland, wo sein Vater Verwaltungsleutnant des Oguliner Bezirks war, gest. 18. April 1871, trat als Kadett in das Oguliner Grenzregiment,… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Omer Pascha — Omer Pascha, türk. General, geb. 24. Nov. 1806, aus einer kroat. Familie, trat zum Islam über, 1848 Militärgouverneur in den Donaufürstentümern, im Krimkriege (1853 56) Oberbefehlshaber der türk. Armee, führte 1862 mit Erfolg den Krieg gegen… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Omer Pascha — Omer Pascha, eigentlich Lattas, ein Kroate aus dem Oguliner Gränzbezirke, entwich 1833 wegen eines Vergehens in die Türkei, wurde Renegat u. Schreiblehrer Abdul Medschids, des damaligen Kronprinzen, jetzigen Sultans. 1840 wurde er Oberst, bewies… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Omer Pascha — Omar Pascha Omar Pascha (eigentlich Michael Latas; auch Omer Pascha) (* 24. November 1806 zu Plaški (Plasky), Kaisertum Österreich; † 18. April 1871 in Konstantinopel) war ein osmanischer General serbischer Herkunft. Leben Omar Pascha wurde in… …   Deutsch Wikipedia

  • Pascha Qmer — Omar Pascha Omar Pascha (eigentlich Michael Latas; auch Omer Pascha) (* 24. November 1806 zu Plaški (Plasky), Kaisertum Österreich; † 18. April 1871 in Konstantinopel) war ein osmanischer General serbischer Herkunft. Leben Omar Pascha wurde in… …   Deutsch Wikipedia

  • Omer Vriōne — Omer Vriōne, war früher Pascha von Delphino u. wurde 1822 Nachfolger Ali Paschas von Janina. Kaum im Besitz seines Paschaliks, wurde er von Marko Bozzaris geschlagen u. zog sich nach Janina zurück, rückte jedoch im October gegen Missolunghi u.… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Omar Pascha — (eigentlich Michael Latas; auch Omer Pascha) (* 24. November 1806 zu Plaški (Plasky), Kaisertum Österreich; † 18. April 1871 in Konstantinopel) war ein osmanischer General kroatischer Herkunft.[1] …   Deutsch Wikipedia

  • Mehmed Ali Pascha — Berliner Kongress gemalt von Anton von …   Deutsch Wikipedia

  • Hussein Avni Pascha — Hussein Avni Pascha, türk. Staatsmann, geb. 1819 in dem Dorf Dost Köj bei Isparta in Kleinasien, gest. in der Nacht vom 15. zum 16. Juni 1876, ward 1845 Hilfslehrer an der Kriegsschule (Harbije Mekteb), 1850 Major und 1853 Oberstleutnant. Er… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Riza Pascha, Hassan — Riza Pascha, Hassan, geb. 1809, wurde im Serail erzogen u. war zuerst Page, dann Kammerherr des Sultan Mahmud; unter Abdul Medschid wurde er 1839 Minister des großherrlichen Hauses, erhielt 1841 das Commando der kaiserlichen Garde u. nahm in der… …   Pierer's Universal-Lexikon