Hannĭbal [1]


Hannĭbal [1]

Hannĭbal (Annibal, griech. Annibas), 1) H., um 265 v. Chr. Befehlshaber einer carthagischen Flotte bei Lipara; sein Versuch, die Mamertiner, die sich in Messana empört hatten, zu unterwerfen, mißlang; später zeichnete er sich in Agrigent aus, das er. gegen die Römer sieben Monate lang vertheidigte;.endlich zog er sich zurück u. starb daheim den Kreuzestod. 2) H. Rhodius, zeichnete sich im ersten Punischen Kriege gegen die Römer aus, indem er mit seinen Schiffen unversehrt durch die römische Flotte dahinfahrend, den Bewohnern von Lilybäum zu Hülfe eilte. 3) H., Sohn des Hamilkar, führte 259 v. Chr. der von den Römern bedrängten Stadt Lilybäum Hülfe zu, mußte sich aber hernach vor der Übermacht des Feindes zurückziehen; er fand seinen Tod im. Söldnerkriege. 4) H. der Große, der älteste Soku des Carthagers Hamilkar Barkas, geb. 247 v. Chr.; als er 9 Jahre alt war, begleitete er seinen Vater auf dessen Eroberungszuge nach Spanien, nachdem ihn dieser vorher einen feierlichen Eid, die Römer ewig zu hassen, hatte ablegen lassen; er wurde 224 in Spanien Anführer der Reiterei u. 221 nach der Ermordung seines Schwagers Hasdrubal Oberbefehlshaber des carthagischen Heeres in Spanien. Er drang siegreich bis an den Ebro vor u. griff 219 die römische Bundesstadt Sagunt an, welche nach achtmonatlichem muthigem Widerstande fiel. Eine römische Gesandtschaft forderte hierauf von dem Senate in Carthago H-s Auslieferung u. erklärte, als diese nicht erfolgte, den Carthagern den Krieg (zweiter Punischer Krieg). H. brach im Frühling des Jahres 218 mit 90,000 Mann Fußvolk, 12,000 Reitern u. 27 Elephanten von Neucarthago nach Italien auf, unterwarf sich in kurzer Zeit den Küstenstrich vom Ebro bis zu den Pyrenäen, welche er mit nur 50,000 Mann Fußvolk u. 9000 Reitern passirte u. setzte, nachdem er sich durch das feindliche Gallien den Durchgang gebahnt hatte, über den Rhodanus, wandte sich an diesem Flusse aufwärts über die Isara nach den Alpen, welche er, von cisalpinischen Galliern geführt, in 15 Tagen überschritt. Am wahrscheinlichsten ist, daß er über den Mont Cenis ging u. nicht, wie Andere annehmen, über den Großen od. den Kleinen Bernhard od. über den Mont Genèvre. Mit nur 20,000 Mann Fußvolk u. 6000 Reitern langte er im November im Gebiet der Tauriner an u. eroberte die Hauptstadt derselben; am Ticinus besiegte er in einer Reiterschlacht den P. Corn. Scipio u. nach dem Übergang über den Po an der Trebia den Ti. Sempr. Longus. Im folgenden Jahre (217) zog er über die Apenninen u. durch die Sümpfe des Arno nach Etrurien u., verlor auf dem Marsche dahin durch die giftigen Ausdünstungen der Sümpfe ein Auge. In den Engpässen zwischen dem Trasimenischen See u. den Gebirgen von Cortona schlug er im Juni den römischen Consul Caj. Flamininus u. setzte, Rom seitwärts liegen lassend, um sich zuvor den Rücken zu decken, seinen Marsch über Spoletum nach Picenum, Apulien, Samnium u. Campanien fort. Damals war die Furcht vor H. in Rom so groß, daß man die Kinder mit den Worten: H. ante portas! (H. ist vor den Thoren!) schreckte. H. verbrachte den Winter in Apulien u. siegte am 2. Aug. 216 über die Consuln Caj. Terentius Varro u. Luc. Ämil. Paulus bei Cannä. Obgleich nun dem H. die meisten Völker Mittel- u. Unteritaliens zufielen u. auch der König Philipp III. von Macedonien sich mit ihm verband, so hinderte ihn doch der große Verlust an Menschen, den er in so vielen Schlachten bisher erlitten hatte, u. der verzögerte Zuzug von carihagischen Truppen aus der Heimath, vor Rom zu rücken. Nachdem er von M. Claud. Marcellus bei Nola geschlagen worden war, bezog er Winterquartiere bei Capua. Von da an machten die Römer, wenn auch langsam, Fortschritte gegen H.; zwar bemächtigte sich derselbe 212 Tarents, sahe aber 211 Capua hart von den Römern bedroht. Ein rascher Zug gegen Rom sollte ihn nun ans Ziel führen; allein dieses Unternehmen mißlang, u. er mußte sich nach Unteritalien zurückziehen, worauf Capua u. mehrere Staaten Unteritaliens sich den Römern wieder unterwarfen. Obgleich sich H. noch in Lucanien, Bruttium u. Apulien behauptete, verlor er doch 209 Tarent u. dadurch den größten Theil der ihm noch treu gebliebenen Italiener; dennoch erfocht er im folgenden Jahre bei Venusia noch einen Sieg über Marcellus; als aber 207 die Absicht seines Bruders Hasdrubal, ihm Hülfe zu bringen, durch die unglückliche Schlacht am Metaurus vereitelt worden war, zog sich H. nach Bruttium zurück, wo er sich ruhig hielt; nur bei Croton kam es 204 zu zwei größeren Treffen, in deren einem H. siegte, in dem anderen[966] aber geschlagen wurde; 298 wurde H. nach Afrika gerufen, wohin schon 204 die Römer gekommen waren u. Vortheile erfochten hatten. H. versuchte erst durch Unterredung mit Scipio den Frieden zu vermitteln, da es ihm nicht gelang, lieferte er 19. Oct. 202 die entscheidende Schlacht bei Zama, in welcher er noch einmal sein ganzes großes Feldherrntalent entwickelte, aber geschlagen wurde. Er sammelte die Reste des Heeresin Adrumetum u. begab sich nach Carthago, wo er zum Frieden rieth. Gleich darauf wurde dieser mit den Römern geschlossen u. H. an die Spitze der Staatsverwaltung gestellt. Unter seiner Leitung hob sich sein gedemüthigtes Vaterland wieder auf eine solche Höhe, daß die Römer argwöhnten, er möchte die Friedensbedingungen nicht halten u. neue Kriegsrüstungen gegen sie unternehmen, u. ihn beim Senate verklagten, daß er den König Antiochus zum Kriege gegen Rom reize. Deshalb wurde eine Commission nach Carthago zur Untersuchung der Sachlage geschickt, u. H., von vielen seiner eigenen Landsleute verleumdet u. verfolgt, mußte entfliehen. Er begab sich nach Ephesus zu König Antiochus dem Großen von Syrien (195) u. suchte diesen zu einem Einfall in Italien zu bewegen. Antiochus ließ indeß die beste Zeit thatenlos verstreichen, u. als er in Italien den Krieg anfing, ließ er H-s Rathschläge unbeachtet u. wurde geschlagen; er mußte mit den Römern Frieden schließen u. versprechen, den H. auszuliefern. Letzter entzog sich der Auslieferung durch die Flucht zu König Prusias in Bithynien, den er in seinem Kampfe gegen Eumenes, den Freund der Römer, unterstützte. Aber auch dort verfolgten ihn die Römer, u. als Prusias den H. seinen Feinden überliefern wollte, tödtete sich dieser selbst durch Gift (183 v. Chr.). Lebensbeschreibung bei Cornelius Nepos.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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