Herōdes


Herōdes

Herōdes, 1) H. der Große, Sohn des Antipater 7), geb. 62 v. Chr. in Askalon, wurde nach seines Vaters Tode Statthalter von Galiläa; er erwarb sich große Verdienste um die Ruhe u. Ordnung im Lande, indem er mit Energie gegen die Räuber u. Tumultuanten verfuhr, aber deshalb vor dem Shnedrium verklagt wurde, Juden ohne Richterspruch hingerichtet zu haben. Vor dem Urtheil verließ er Jerusalem, ging nach Damaskus u. wurde Strateg von Cölesyrien u. Samaria; nach Cäsars Tode wurde er Procurator von Syrien u. wirkte ganz im römischen Interesse, verband sich mit Antonius, vertrieb den Antigonus aus seiner Statthalterschaft Judäa u. wurde zum Tetrarchen u. 40 v. Chr. zum König von Judäa ernannt. Nach der Niederlage des Antonius bei Actium, 31 v. Chr., unterwarf sich H. dem Octavian, wurde in seiner Königswürde bestätigt u. erhielt eine ansehnliche Gebietserweiterung, namentlich Trachonitis, Batanäa u. Auranitis; er regierte bis 2 n. Chr., wo er starb, s.u. Hebräer (Gesch.) VI. Er war sehr prachtliebend u. baute viel. Unter ihm wurde Jesus geboren u. von ihm verfolgt (vgl. Bethlehemitischer Kindermord). Von den Juden als Tyrann gehaßt, befahl er testamentlich, daß nach seinem Tode die vornehmsten Juden in Hippodrom getödtet werden sollten, damit sein Tod wenigstens so Thränen erregte; doch wurde es nicht ausgeführt. Seine 10 Gemahlinnen waren Doris, Mutter des Antipater (s.d. 8); Mariamne, Tochter Hyrkans II. aus dem Geschlecht der Makkabäer, Mutter des Alexander u. Aristobulos, im Jahr 25 hingerichtet; Mariamne, die Tochter des Hohenpriesters Simon, Mutter des Herodes Philippos; Malthake, eine Samariterin, Mutter des Archelaos u. H. Antipas; Kleopatra, aus Jerusalem, Mutter des Philippos; Pallas, Phädra, Elpis u. zwei seiner Nichten. 2) H. Archelaos, ältester Sohn des Vor., s. Archelaos 6). 3) H. Antipas (Antipater), Sohn von H. 1) u. der Malthake, wurde nach des Vaters Tode Tetrarch von Galiläa u. residirte in Sepphoris. H. verstieß seine Gemahlin, die Tochter des Königs der Araber Aretas, u. heirathete seine Nichte Herodias, die er seinem Bruder entführte (s. Herodes 4). H. ließ Johannes den Täufer enthaupten u. stellte Jesu nach, erklärte ihn jedoch nachher als Richter für unschuldig. Als er später König werden wollte u. deshalb nach Rom reiste, verdächtigte ihn sein Schwager Agrippa dem Kaiser Caligula, dieser entsetzte ihn 42 n. Chr. u. verwies ihn mit Herodias nach Lyon. Später erhielt er die Erlaubniß nach Spanien zu gehen, wo er starb. 4) H. Philippos, Bruder des Vorigen, Sohn des Herodes u. der Mariamne, wurde Tetrarch von Trachonitis, heirathete die Herodias, Tochter seines Bruders Archelaos, die jedoch, nachdem sie ihm eine Tochter, Salome, geboren hatte, sein Bruder, H. 3), ihm entführte; H. st. 34 n. Chr. 5) H. Agrippa I., Enkel Herodes des Großen, Sohn des Aristobulos u. der Berenike, lebte in Rom so verschwenderisch, daß er Schulden halber nach Idumäa entweichen mußte. Nachdem seine Gemahlin bezahlt hatte, kam er nach Rom zurück, wo ihn Tiberius ins Gefängniß setzen ließ; H. wußte aber die Gunst des Taligula u. Tlaudius zu erwerben, von denen er nach u. nach alle Besitzungen seines Großvaters Herodes mit dem Königstitel bekam, u. st. 44. n. Chr.; er ließ den St. Jacobus hinrichten. 6) H. Agrippa II., Sohn des Vor., letzter König der Juden, Kaiser Claudius nahm ihm sein Reich, gab ihm aber andere Provinzen. Während der Empörung der Juden wurde er im römischen Heere vor Gamala verwundet. Mit Titus war er bei der Belagerung von Jerusalem u. st. um 94. 7) H., Sohn des Odenatus, unter die 30 Tyrannen gezählt, erhielt mit seinem Vater die Herrschaft u. war ein üppiger u. ausschweifender Mensch; vgl. Rom (Gesch.). 8) H., mit dem Beinamen Tib. Claud. Atticus, aus Marathon, geb. 104 n. Chr., Lehrer der Kaiser Verus u. Marc Aurel, Sophist u. großer Redner, wurde 125 Asiarches, 141 Consul u. st. 180. Seine unermeßlichen Reichthümer wendete er zur Verschönerung Athens an, bes. zu großartigen Bauwerken, so zierte er Athen mit dem Odeum, welches er seiner Gattin Regilla widmete, u. Rom mit dem Triopium, einem Park mit Familienbegräbniß an der Appischen Straße. Von seinen Schriften ist nichts übrig als die (ihm fälschlich zugeschriebene) Rede über den Staat (Περὶ πολιτείας), herausgeg. in den Sammlungen griechischer Redner von Aldus 1513, von Gruter 1619, Reiske, im 5. Bd. von Bekkers Oratores Attici (Berl. 1826); einzeln von Fiorillo, Lpz. 1801. Vgl. Schillbach über das Odeion des H. Attikos, Jena 1858.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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