Hyderabad


Hyderabad

Hyderabad (spr. Heiderabad), 1) (Staat des Nizams von H.), Staat u. Provinz eines muhammedanischen u. britischen Vasallenfürsten (Nizam),[655] gehört zum mittelbaren Gebiete der britischen Präsidentschaft Bengalen in Vorderindien; 3650 QM. mit 81/2 Mill. Ew; meist Dschaghiren; zwischen den britischen u. mahrattischen Ländern; besteht aus den Provinzen H., Bender u. Berar u. Antheilen an Aurungabad u. Bedschapur. Der Stadt H. wird auch das Königreich Dekan od. Golkonda genannt. Die Einkünfte des Staates betragen 151/2 Millionen Rupien, die Militärmacht 8000 Mann. Der jetzige Nizam (seit 1857 regierender Fürst) heißt Aszul-ud-Daula. – Anfangs war H. ein Theil von Telingana u. gehörte dem zu Warangol residirenden Radscha. Zu Anfang des 14. Jahrh. wurde es zum Theil von den Muhammedanern erobert u. gehörte zu dem dekanischen Reiche Bhamani, s. Dekan (Gesch.). Unter Mahmud II. rissen sich mehrere Staaten von dessen Theile los u. bildeten unabhängige Staaten; ein solcher war Golkonda, sein erster Herrscher 1512–1551 war Kuli Kuttub Schah, ein türkischer Abenteurer, der in dem Heere Mahmuds bis zum Heerführer gestiegen war. Diesem folgte bis 1558 sein Sohn Dschemschid Kuttub Schah u. diesem bis 1586 dessen Bruder Ibrahim Kuttub Schah, der 1585 die Stadt H. gründete. Nach Andern geschah dies erst unter seinem Sohn (od. Bruder), Muhammed Kuttub, der bis 1586 regiert habe; dessen Bruder u. Nachfolger war Abdallah Kuttub Schah, der im 17. Jahrh. den Großmogul Schah Dschihan besiegte u. zinsbar machte. 1690 wurde Abu Hussein von dem Großmogul Aurengzeyb gefangen u. st. 1704 als Gefangener; Golkonda aber wurde dem Großmogulischen Reiche als Provinz einverleibt u. zu dem Vicekönigreich der 5 südlichen Staaten geschlagen, welche ein Statthalter (Subahdar) befehligte. Um 1717 war Chin Khilin Khan als Nizam el Muschik Statthalter; dieser machte sich unabhängig, behielt aber den Titel Nizam von H. bei u. wählte Aurungabad zu seiner Residenz; ihm folgte 1748 sein Sohn Nasir Dscheng, u. als dieser 1750 ermordet worden war, sein Sohn (od. Neffe) Modasser Dscheng (Muzusser Dschung), der auch 1751 ermordet wurde; diesem sein Bruder (Vetter) Salabet Dscheng (Salahub Dschung), den aber sein Bruder Nasir Ali 1761 ins Gefängniß werfen u. 1763 hinrichten ließ. Dieser verlegte die Residenz nach H. Aber in seinen Kriegen mir Hyder Ali, den Mahratten u. der Britisch-ostindischen Compagnie war er sehr unglücklich, u. sein Gebiet wurde sehr geschmälert, s. Indien (Gesch.); durch die Verträge von Seringapatam 1792 u. von Mysore 1792 verlor er alles Land in Süden der Kistna, Tumbudra u. Wurda an Letztere. Er st. 1803; nach ihm regierte sein Sohn Mirza Sekander Dschah bis 1829, nach dessen Tode sein jüngrer Sohn Nasir ed Dowlah von der Mutter dem älteren Mobaras ed Dowlah vorgezogen u. auf den Thron gesetzt wurde; Nasir konnte sich nur mit englischer Hülfe halten, doch hat ihn das Offensiv- u. Defensivbündniß mit den Engländern zu einem bloßen Vasallen derselben gemacht, der ganz von dem britischen Residenten zu H. abhängt u. nur die Verwaltung u. Justizpflege noch in seinen Händen hat. Am 20. Februar 1843 wurde H. vom General Charles erobert u. durch Proclamation des Lord Ellenboroughs vom März des Jahres mit Britisch-Indien einverleibt. Im Jahre 1853 kamen von seinem Lande 6 Districte mit 850 QM. u. 2 Millionen Ew. an die Briten s.u. Indien (Gesch.); 2) Provinz desselben, hochliegend, ohne Diamanten, reich an indischen Producten, Fabriken etc.; Flüsse: Godavery, Kistna, Manjera; 16 Districte; 3) (Bagnagor), 1585 gegründete u. unter Nasir Ali zur Residenz erhobene Hauptstadt darin, am Moussy; Sitz des Nizam u. eines britischen Befehlshabers, schlechte Befestigung, ansehnliche Paläste, Bazars, Moscheen, Diamantenschleifereien mit Diamantenmarkt; 300,000 Ew.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Hyderabad — Hyderabad, engl. Schreibweise für Haidarabad …   Kleines Konversations-Lexikon

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  • Hyderabad — [hī′dər ə bad΄, hī′dər əbäd΄; hī′drəbad, hī′drəbäd΄] 1. city in SC India: capital of Andhra Pradesh state: pop. 2,546,000 2. city in S Pakistan, on the Indus River: pop. 795,000 3. former state of SC India …   English World dictionary