Indus


Indus

Indus, 1) (a. Geogr.), von den Eingebornen auch Sindus genannt, einer der Hauptströme Indiens; seine Quellen (am Paropamisos od. Indischen Kaukasos) waren im Alterthum nicht genau bekannt; die größte Breite gab man bis auf 100 Stadien (5 Stunden), Andere immer noch übertrieben auf 50 Stadien an; die gewöhnliche Tiefe 15 Schritte; er hatte kaltes, meerfarbiges Wasser u. strömte nach Mela träg u. langsam, nach Eustathios aber schnell u. reißend; auf seinem langen südwestlichen Laufe nahm er auf dem linken Ufer den Akesines nebst Hydaspes, Hydraotes, Zaradros u. Hyphasis, auf dem rechten den Choaspes, Kophen mit Choes u. v. a., im Ganzen 15, nach Anderen 10, auf u. theilte sich 45 Meilen vor seiner Mündung in zwei Arme, welche die Insel Pattalene bildeten; die beiden Arme theilten sich in mehrere, nach gewöhnlicher Annahme sieben Äste u. mündeten in den Irinischen Busen des Indischen Meeres; die sieben Mündungen waren, von Westen nach Osten: Sagapa (j. Pittyfluß), Sindon (j. Darraway), die Goldene Mündung (j. Ritschel), welche vom westlichen Hauptarme ausgingen; Chariphron (j. Fetty), Sapara, Sabala (Sabalasa) u. Lonibare, in welche sich der östliche Hauptarm theilte. 2) (n. Geogr., im Sanskrit Sindhu, in den neueren indischen Sprachen Sind, persisch Hind), einer der beiden Hauptströme Indiens, der unter 32° nördl. Br., 81° 30' östl. Länge (von Greenwich) auf dem Gebirge Kailasa in Tibet entspringt, in seinem oberen, im Allgemeinen nordwestlichen Laufe den Namen Sinh-kha-bab (d.i. Löwenmaul, weil er nach der Sage aus einem solchen hervorströmt) führt, u. nachdem er Leh od. Ladakh berührt, den Zanskar aufnimmt. Nachdem der Sinh-kha-bab in Baltistan Iskardo berührt u. den Schy-yol u. Gilgit aufgenommen hat, biegt er unter 35° 48' nördl. Br. u. 74° 30' östl. Länge bei Makpon-i-Shagaron südlich um, welche Richtung er fortan beibehält. Oberhalb Attok erhält er im Kabulstrom von der rechten Seite her einen sehr wichtigen Zufluß; Attok selbst ist ein wichtiger Platz, weil hier die Hauptpassage zwischen Indien u. Afghanistan stattfindet u. der I. schiffbar wird. Letzter durchströmt nun das Pendschab u. Sindh u. spaltet sich unterhalb Tatta in mehrere Arme, welche das Delta des I. bilden, von denen aber nur vier für Schiffe zugänglich sind. Die Fluth steigt in ihnen mit großer Schnelligkeit mehr als 16 Meilen weit hinauf; die jährlichen Überschwemmungen beginnen mit Ende April, erreichen ihre größte Höhe im Juli u. endigen im September. Die Küstenlänge des Delta beträgt 30 Meilen. Die Gesammtlänge des Stromlaufs wurde auf 390 Meilen berechnet, wovon 205 schiffbar sind. Das Stromgebiet umfaßt 19,500 QM. Der wichtigste Nebenfluß des I. ist der Pendschnad (d.i. Fünfstrom), welcher aus der Vereinigung der fünf Ströme, die das Pendschab (s.d.) bewässern, dem Sutledsch, Bedscha, Rawi, Tschinab, Jelum, entsteht. Im Ganzen ist der Strom der Schifffahrt nicht günstig; doch bleibt er immer eine wichtige Verkehrsader für das fruchtbare u. reiche Pendschab, wie für den Handel mit Afghanistan, Khorasan u. Centralasien. Seit das Indusgebiet den Briten unterworfen ist, haben diese viel für die Erleichterung des Verkehrs u. Hebung des Handels gethan; Kurrachee u. Sukkur wurden zu Meßplätzen erhoben u. Dampfboote der Regierung verbinden Kurrachee, den wichtigsten Seeplatz von Sindh, mit den oberen Theilen des Stroms. Das Delta war einst durch seine hohe Cultur berühmt. Doch ist es schon längst zur Wüstenei geworden. Erst in der letzten Zeit beginnt es unter anderen politischen Verhältnissen sich wieder zu erheben.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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