Jambus


Jambus

Jambus (v. gr., Jambos, spr. J-ambus), 1) eigentlich das an den Demeterfesten übliche Necken u. Spotten; 2) (Metr.), zweisylbiger Versfuß, aus einer kurzen u. einer langen Sylbe bestehend (◡_–). Aus jambischen Füßen gleichartig zusammengesetzte, Verse geben die Jambische Versart. Die Griechen u. Römer maßen sie dipodisch (◡ − ◡_–) u. Erstere gestatteten statt der Kürze des ersteren Fußes eine Länge (∪ ∪ ◡_–), die Tragiker lösten auch die Längen in je 2 Kürzen auf (∪ ∪ ◡_–) u. verbanden gewöhnlich 6 J-n od. 3 Dipodien (daher Trimeter, bei den Römern Senarius), zu einem Vers (∪ − ◡_– | ∪ − ◡_– | ∪ − ◡ ∪). Am freiesten wurde der I. (meist in achtfüßigen Versen, Jambischer Tetrameter) von den Komikern behandelt, die ihn durch den häufigen Wechsel mit (in den ungeraden, d.i. in dem 1., 3., 5. Fuße stehenden) Anapästen (◡ ◡_–), Tribrachen (◡ ◡ ◡), Daktylen (– ◡ ◡), Spondeen (–_–) den mannigfaltigsten Gang gaben. Besonders reich an Jamben ist die Deutsche Sprache, weshalb diese Versart (zwei- bis sechsfüßig) bei uns eine der gewöhnlichsten ist, namentlich bei den dramatischen Dichtern. Der Ausgang des Verses kann männlich (einsylbig) od. weiblich (zweisylbig) sein. Hat der jambische. Senar den Hauptabschnitt im dritten Fuße so wird er zum [734] Alexandriner (s.d.). Da die griechischen Dichter ursprünglich die J-n zu Spott- u. Schmähgedichten brauchten, hieß ein J. 3) (Jambisches Gedicht), so v.w. Spott- od. Schmähgedicht; s. Jambische Poesie. Weil die Dramen in dem jambischen Metrum, als der Rede des gewöhnlichen Lebens am nächsten kommend, geschrieben waren, 4) so v.w. Drama, u. bes. so v.w. improvisirtes Drama: solche Improvisatoren hießen Autokabdaloi; 5) (Musik), eine aus einer langen u. kurzen Note bestehende Notenfigur.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Jambus — Als Jambus (altgriech. ἴαμβος ïambos; Plural: Jamben) bezeichnet man einen Versfuß, in dem auf eine „leichte“ eine „schwere“ Silbe folgt. In der akzentuierenden Metrik, die nach Silbenbetonung unterscheidet, heißt das, dass auf eine unbetonte… …   Deutsch Wikipedia

  • Jambus — Jạm|bus 〈m.; , Jạm|ben; Metrik〉 Versfuß aus einer unbetonten u. einer betonten Silbe; oV Jambe [<grch. iambos, eigtl. „Geschoss“; zu iaptein „schleudern“] * * * Jạm|bus, der; , Jamben, (seltener:) Jambe, die; , n [lat. iambus < griech.… …   Universal-Lexikon

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  • Jambus — Jạm|bus 〈m.; Gen.: , Pl.: Jạm|ben; Metrik〉 Versfuß aus einer unbetonten u. einer folgenden betonten Silbe; oV [Etym.: <grch. jambos, eigtl. »Geschoss«; zu iaptein »schleudern«] …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Jambus — Jam|bus der; , ...ben <über lat. iambus aus gleichbed. gr. íambos> Versfuß aus einer kurzen (unbetonten) u. einer langen (betonten) Silbe (∪ ) …   Das große Fremdwörterbuch

  • Jambus — Jạm|bus vgl. Jambe …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Jambus (Begriffsklärung) — Unter einem Jambus (altgriech. ἴαμβος, ïambos; Plural: Jamben) versteht man den jambischen Versfuß sowohl in quantitierender als auch in akzentuierender Metrik; siehe Jambus das jambische Versmaß, einen jambischen Vers oder ein jambisches Gedicht …   Deutsch Wikipedia

  • Hinkender Jambus — Hinkender Jambus, s. Skazon …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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