Jassy


Jassy

Jassy (spr. Jaschy), 1) Ziunt (Kreis) im Unterlande der Moldau, fruchtbar; 2) Hauptstadt darin u. der Moldau, am Mo rast u. Flusse Bachlui u. am Abhang des Kopo; Sitz des Hospodars, der Landesbehörden, mehrerer Consuln, eines griechischen Erzbischofs; Trinkwasser wird durch eine Wasserleitung zugeführt; im Volksgarten die Denksäule der mit dem Frieden von Adrianopel 1819 eingeführten Repräsentativ-Verfassung. J. hat evangelische, katholische, armenische Kirche, mehrere Synagogen, 10 Klöster nebst Privatkapellen u. 70 griechische Kirchen, von denen die älteste die Dreiheiligenkirche aus dem 14. Jahrh. ist; das Kloster St. Spiridion hat ein großes Krankenhaus; der Fürstenhof, wo die Landesbehörden ihren Sitz haben, der Palast des Metropoliten, Akademie, Gymnasium, Naturforschende Gesellschaft, Buchdruckerei, Canevasweberei, Fertigung von Holzarbeiten, Weinbau, stark besuchte Messen, lebhafter Handel, der durch Anlegung eines Hafens am nahen Pruth u. die dadurch hergestellte Verbindung mit Galacz u. dem Schwarzen Meere noch gehoben ist, 70–80,000 Ew., worunter gegen 30,000 Juden, viele Griechen, Armenier, Deutsche u. 3000 Zigeuner. – J. scheint seinen Namen von den alten Jasi (s.d.) zu haben; es wurde vom Hospodar Radul mit Mauern umgeben. Hier 9. Jan. 1792 Definitivfriede zwischen Rußland u. der Pforte u. Vertrag, wodurch die Moldau unter die Oberherrlichkeit der Pforte u. den Schutz Rußlands kam; im Nov. 1806 wurde J. von den Russen erobert. Große Feuersbrünste verwüsteten J. in neuerer Zeit 1783, 1822 zweimal u. am 9. Aug. 1844. Hier brach am 6. März 1821 der Griechische Aufstand unter Alexander Ypsilanti aus, ein Theil der türkischen Einwohner wurde ermordet; am 26. Juni dieses Jahres besetzten türkische Truppen die Stadt. Im Russisch-türkischen Kriege 1828 besetzten die Russen J. u. behielten dasselbe bis 1834. 1844 wurde J. Sitz der Moldauischen Regierung. Im April 1848 fanden hier Unruhen statt, welche jedoch der Fürst Stourdza durch energische Maßregeln dämpfte, darauf rückte im Sommer General Duhamel mit 4000 Mann Russen ein; im April 1851 folgte auf die russische Besatzung, türkische; am 3. Juli 1853 wurde die Stadt abermals von den Russen unter Osten-Sacken besetzt, nachdem diese im Septbr. 1854 die Stadt geräumt hatten, nahmen 2. Octbr. österreichische Truppen von derselben Besitz.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Jassy — • Diocese in Rumania Catholic Encyclopedia. Kevin Knight. 2006. Jassy     Jassy     † Catholic Encyclo …   Catholic encyclopedia

  • Jassy — may be: *Jassy (city), a city in north eastern Romania * Jassy (novel), a novel by Norah Lofts * Jassy (film), a 1947 British film melodrama adaptation of the novel …   Wikipedia

  • Jassy — Jassy, Hauptst. der Moldau, in einer reizend schönen Gegend am Abhange eines Hügels erbaut, mit ungefähr 30,000 Ew. Der größere Theil der Häuser ist von Holz, doch zeichnen sich der erzbischöfliche Palast, 14 Bojarenpaläste, 96 Kirchen und… …   Damen Conversations Lexikon

  • Jassy — (rumän. Iaşi, spr. jáschi), Kreisstadt in Rumänien, ehemalige Hauptstadt der Moldau, 318 m ü. M., links am Fluß Bachlui, 8 km vom Pruth entfernt, in reizender Lage, Knotenpunkt der Bahnlinien Paşcani J. Ungheni (Anschluß nach Odessa), Vaslui J.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Jassy — (Iaşi, Jasch), Hauptstadt des rumän. Kreises J. (3121 qkm, 1899: 192.531 E.), früher Hauptstadt des Fürstent. Moldau, (1903) 78.611 E. (60 Proz. Juden), Universität; Handel mit Getreide, bes. Mais, Schweinen, Petroleum, Steinsalz. Hier 9. Jan.… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Jassy — Jassy, Jasch, Hauptstadt der Moldau u. Residenz des Hospodars, Sitz eines griech. Metropoliten, hat 70 Kirchen. ist sehr unregelmäßig gebaut, zum Theil noch ungepflastert. hat bei 70000 E., darunter über 25000 Juden. beträchtlichen Verkehr, ganz… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Jassy — [yä′sē] var. of IAşI …   English World dictionary

  • Jassy — Iaşi …   Deutsch Wikipedia

  • Jassy — Jạssy,   rumänisch Iaşi [ jaʃj], Hauptstadt des Kreises Jassy, Nordostrumänien, nahe der Grenze zu Moldawien, am Bahlui, 348 500 Einwohner; wichtigstes Kultur und Wissenschaftszentrum der Moldau; Sitz eines rumänisch orthodoxen Metropoliten… …   Universal-Lexikon