Jena


Jena

Jena, 1) Amt im Kreise Weimar-Jena (Großherzogthum Weimar), ohne die Stadt J. 8200 Ew.; J. war ehedem, von 1672–90, Herzogthum einer Nebenlinie von Weimar, von Bernhard, Sohn des Herzogs Wilhelm von Sachsen-Weimar, errichtet, mit dessen Sohn Johann Wilhelm ausgestorben, s. Sachsen (Gesch.); vgl. v. Hellfeld, Geschichte der herzoglich Jenaischen Linie, ebd. 1828; 2) Hauptstadt darin, in einem reizenden Thale an der Saale, mit steinerner Brücke über dieselbe; Schloß u. Universität. Die erste Idee zur Gründung derselben faßte Kurfürst Johann Friedrich der Großmüthige 1547, als er nach der Schlacht bei Mühlberg gefangen durch J. gebracht wurde u. hier eine Zusammenkunft mit seinen drei Söhnen hatte, um das verlorene Wittenberg den Protestanten dadurch zu ersetzen. Diese Söhne riefen mehre berühmte Lehrer (Joh. Stigel, Victorin Striegel etc.) dahin, u. bald sammelten sich viele Studenten um dieselben. Kaiser Ferdinand I. gab die lange verweigerte Bestätigung den 15. August 1557 u. am 2. Febr. 1559 wurde J. als Universität feierlich geweiht u. blieb Gesammteigenthum der sächsisch-ernestinischen Häuser. Die Dotation der Universität besteht in der Herrschaft Remda, dem Rittergut Apolda u. den Geldzuschüssen der erhaltenden Höfe, wozu Weimar die eine Hälfte, Gotha-Koburg, Altenburg u. Meiningen die andere gibt In mehreren Perioden zeichnete sich J. dadurch es, daß neben der gründlichsten u. gediegensten Gelehrsamkeit neue Theorien, bes. in der Philosophie, daselbst früh Eingang fanden u. andere von hier ausgingen, so fand Kants Lehre in J. zuerst in Deutschland Anhänger, so lehrten Reinhold, Fichte, Schelling, Hegel hier zuerst. Die Schicksale der Universität seit 1813 hängen mit der Geschichte der allgemeinen Burschenschaft u. der demagogischen Umtriebe eng zusammen, von hier ging eigentlich erstere aus, eben so das Wartburgfest. Auch wurde die Schuld von Kotzebues Ermordung durch Sand auf die Universität geworfen, u. mehre unangenehme Folgen erwuchsen für J. daraus, so das Verbot des Besuchs von J. an preußische Studenten. Die Zahl der Studirenden war in J. sehr ungleich, in der Mitte des 18. Jahrh. soll sie sich oft auf 2–3000 belaufen haben, zu Ende desselben zählte man noch 800–1000, sie minderte sich durch Zurückberufung der Livländer unter Kaiser Paul u. andere Umstände auf 3–400, stieg aber nach dem Kriege von 1813–15 auf 800, betrug seitdem bei der Concurrenz neuer Universitäten 600, u. jetzt (1859) etwa 450. Die zur Universität gehörigen Anstalten sind ein Philologisches u. Theologisches (Homiletisches, Katechetisches, Kirchenhistorisches u. Exegetisches) Seminar, außerdem ein 1849 gegründetes staatswissenschaftliches Seminar; das Klinikum, welches zugleich Landeskrankenanstalt ist, das Irrenhaus, das Physikalisch-mathematische Institut, die Hebammenanstalt, das Anatomische Theater; an diese akademischen Lehranstalten reihen sich das 1828 von Wackenroder gegründete Pharmaceutische Institut, das 1839 von Schulze gegründete Landwirthschaftliche Institut; ferner die Universitätsbibliothek, seit 1858 in einem neuen stattlichen Gebäude mit 150,000 Bdn. (begründet 1548 von Johann Friedrich dem Großmüthigen durch Verlegung der kurfürstlichen Bibliothek von Wittenberg hierher), vermehrt durch spätere Ankäufe (Eurumäische Sagittarische, Birknersche etc. [786] Bibliothek) u. Schenkungen, bes. 1817 durch die großherzogliche Schloßbibliothek in J., u. später durch die Bibliotheken der Professoren Döbereiner, Voigt, Hand, Schmid), der Botanische Garten, Sternwarte, Mineralien- u. Naturaliencabinet, Archäologisches Museum u. Orientalisches Münzcabinet. Mit der Juristenfacultät steht ein Schöppenstuhl, gebildet aus den ordentlichen Professoren der Facultät u. mehreren außerordentlichen Beisitzern, in Verbindung. Außerdem ist J. auch seit 1816 der Sitz des Oberappellationsgerichtes für die gesammten großherzoglich u. herzoglich Sächsischen u. die Reußischen, neuerdings auch für die Anhalt-Dessauischen u. Schwarzburgischen Lande. Auch besteht hier eine, von dem akademischen Musikdirector geleitete Liedertafel, die Erziehungsanstalten von Zenker u. Stoy u. der 1852 gegründete Verein für thüringische Geschichte u. Alterthumskunde. Von J. ging die erste Literaturzeitung für Deutschland, vom Professor Schütz 1785 gestiftet, aus, u. als diese nach Halle überging, folgte ihr 1804–42 die von Eichstädt besorgte Jenaische Literaturzeitung, von 1843–48, als Neue Jenaische Literaturzeitung (Leipzig bei Brockhaus) unter Mitwirkung der Universität herausgegeben. Einw., ohne die Studirenden, 6500. In der Nähe der Hausberg, auf welchem die drei Schlösser Windberg, Greifberg u. Kirchberg (das mittelste) standen, Sitz des alten Dynastengeschlechtes Kirchberg, 1305 u. 1450 zerstört, nur der Hauptthurm Kirchbergs, der Fuchsthurm, ist noch übrig (vgl. H. Ortloff, Die Hausbergsburgen bei J., Jena 1858); ferner der Landgrafenberg (eine Zeit lang Napoleonsberg, weil Napoleon dort vor der Schlacht von J. bivouaquirte) nebst dem Steiger, mit steilem, auf ihn führendem Weg, welchen Napoleon in die Felsen hauen ließ.

J. wegen der dasigen Universität u. seiner Lage an der Saale Athenae Salanae (Saal-Athen) genannt, erscheint schon im 13. Jahrh. als Stadt; es gehörte zum Theil den Grafen von Arnshaugk, zum Theil den Herren von Lobdeburg-Leuchtenburg, von denen es seit dem Anfang des 14. Jahrh. als Heirathsgut, u. durch Kauf 1331 an die Markgrafen von Meißen kam. In der Theilung 1411 kam J. an Wilhelm, doch vertauschte er es 1423 an seinen Bruder, den Kurfürsten Friedrich den Streitbaren; 25. Februar 1437 hier Mutschirung zwischen Kurfürst Friedrich dem Sanftmüthigen u. Herzog Wilhelm III. in Betreff des Landestheiles ihres Bruders Siegmund, welcher in den geistlichen Stand trat; unter dem Kurfürsten Friedrich dem Sanftmüthigen gehörte J. zur Albertinischen Linie, nach dessen Tode 1464 kam es an die Ernestinische, bei welcher es geblieben ist. 2. Febr. 1558 wurde die 1548 gestiftete Universität feierlich eingeweiht. 1578–79 wurde die Universität wegen einer pestartigen Seuche nach Saalfeld verlegt. 1620 wurde das jetzige Schloß von Herzog Johann Ernst gebaut. 1672–90 war J. die Residenz einer Seitenlinie von Weimar (s. oben). 1690 kam J. an die Linie Eisenach, u. nach deren Aussterben 1741 an Weimar. Bei I. am 14. Oct. 1806 Sieg Napoleons über die Preußen u. Sachsen unter Hohenlohe, s. Preußisch-Russischer Krieg von 1806. Am 15.–17. Aug. 1858 die dreihundertjährige Säcularfeier der Stiftung der Universität, wobei das Standbild Johann Friedrichs des Großmüthigen auf dem Markte aufgestellt wurde. Vgl. Wiedeburg, Beschreibung der Stadt J., Jena 1785–88; Faselius, Beschreibung von J., ebd. 1805; Batsch, Taschenbuch für topographische Excursionen in die Umgegend von I., Weim. 1800; J. Günther, Jena u. die Umgegend, Jena 1857; Michelsen, Die Stadtordnung für J. (von 1540), ebd. 1858; Zenker, Historisch-topographisches Taschenbuch von J., Jena 1836; Schmidt, Verfassung der Akademie zu J., ebd. 1772, u. Aufl. 1784; Güldenapfel, Jenaischer Universitätsalmanach, ebd. 1816; Eichstädt, Annales Acad. J., ebd. 1823, 1 Bd.; K. Biedermann, Die Universität J. etc., ebd. 1858; Keil, Geschichte des Jenaischen Studentenlebens, Lpz. 1858; J. C. E. Schwarz, Das erste Jahrzehend der Universität J., Jena 1858.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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