Kamtschatka


Kamtschatka

Kamtschatka, 1) sonst Seeverwaltung im asiatischen Rußland; Halbinsel; letztere grenzt östlich an das Meer von K. (s. unten), westlich an das[272] Ochotskische Meer u. die Provinz Jakutsk u. nördlich ebenfalls an die letztere, von der es durch die Flüsse Pustaja u. Anapka getrennt ist; im Süden sind die Kurilischen Inseln; das ganze Gebiet beträgt gegen 20, 800 QM. Gebirge: Kamtschalkische (s. unten); Flüsse: Kamtschatka (bei den Eingeborenen Ulkoall-K., großer Fluß, 71 Meilen), mündet ins Meer von K., Awatscha, Kroda-Kyg, Unag-Kyg, Uku, Karaga, Olutor, Bolschaja Reka (theilweise schiffbar), Tigil u. v. a.; Seen: Kolko-Kro, Kronotzkoje, Kurilskoje, Apalskoje; Klima sehr rauh, an den Küsten etwas milder; Einwohner: Koriäken, Kurilen, Kamtschadalen, einige Russen (Kosacken) u. Verbannte; treiben sehr wenig Ackerbau, Gartenbau (Kohl. Erbsen, Möhren, Kartoffeln etc.) u. wenig Viehzucht, ihre Hauptbeschäftigung ist Fischerei u. Jagd, wobei sie zum Ziehen meist Hunde gebrauchen, weniger Rennthiere; Producte: wilde Thiere: Bären, Wölfe, Füchse, Zobel, Meerottern, Biber, Seehunde, Seekühe, Wallrosse u.a., theils des Fleisches u. Pelzes, theils des Thranes wegen gefangen; Vögel: Alke, Schwäne, wilde Gänse u. Enten, Hühner; Fische (im Überfluß) dienen den Einwohnern u. selbst den Hausthieren zur häufigen Nahrung; bes. zahlreich sind Lachs, Stockfisch, Häringe u.a.; der Wallfisch wird zuweilen im Meere von Penshina gefangen od. todt ans Ufer getrieben u. von den Einwohnern verzehrt; Pflanzen: außer einer Menge verschiedener Beeren, mehrere gute Wurzelgewächse u. viel Wald (Birken, Lärchen, Cedern, Tannen u.a., zuweilen hoch gewachsen); Eintheilung: bis 1856 wurde die Provinz K. in die Bezirke von Petropawlowsk (5675 Ew.) u. Gishiga (1360 Ew.) u. das Anadyrgebiet (gegen 10,000 Ew.) eingetheilt; seitdem bildet es mit den transjablonischen Ländern u. der jüngst erworbenen Amurprovinz die Seeverwaltung Ostsibiriens (s.u. Primorskaja Oblastj); der Hauptort K-s war Petropawlowski Port od. Awatscha, bis 1855 Sitz der Behörden, an der Awatschabai, guter Hafen; 2) Gesch.) s.u. Sibirien; 3) Gebirg auf der Halbinsel Kamtschatka, Fortsetzung des Stanowoigebirges, vulkanisch, viele kegelförmige Berge (Gorelyja Sopki), auf welchen kein Schnee liegen bleibt; einige dieser Vulkane sind erloschen, andere brennen noch (zu den letzteren gehören: Tolbatschin, Awatscha, Kljutschi, Schewelitsch, Wilüitschinskaja u. m. a.); die höchste dieser Spitzen Kljutschi (Kljutschewskaja) hat 15, 450 Fuß; das Gebirge läuft südlich in dem Vorgebirge Lopatka aus, doch sind die Kurilen als dessen Fortsetzung anzusehen; 4) Meer von K. (Bibermeer), zwischen Nordwestamerika u. russisch Asien, wird durch die Aleutischen Inseln umschlossen, hat die Vusen: Karaginskij (mit der Insel gleiches Namens, 7 Meilen lang, 4 Meilen breit, von Kamtschadalen bewohnt), Olutorowskij (mit Vorgebirge gleiches Namens), Awatschinskij (mit gutem Hafen, rauchenden Vulkanen, Fluß u. Fort gleiches Namens, Biber- u. Robbenfang); darin die Inseln St. Laurentii (Lawrentija), am Eingange der Behringsstraße, niedrig, mit einigen Tschuktschen od. Korjäken, welche auf den Fischfang angewiesen sind; Pribylowsinseln, nördlich von den Aleuten, um der Seethiere willen besucht; St. Mathäi, St. Pauls u. St. Georgs Insel; die Kupferinsel, ehemals Fundort von Kupfer, mit der Behrings Insel, hießen sonst Kommandors Inseln; 5) Vorgebirge im Südosten der Halbinsel K., zwischen den Flüssen Kamtschatka u. Stolbowaja.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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