Kaukasien


Kaukasien

Kaukasien, 1) sonst Provinz Rußlands zwischen dem Schwarzen u. Kaspischen Meere u. südwärts vom Kaukasus begrenzt, gegenwärtig das Gouvernement Stawropol bildend; 2) das gesammte zu Rußland gehörende Ländergebiet zwischen dem Schwarzen u. Kaspischen Meere u. zu beiden Seiten des Kaukasus; daher Ciskaukasien u. Transkaukasien, das erstere das nördlich vom Gebirge, das letztere das südlich davon gelegene Gebiet. Gegen Norden wird K. vom Gouvernement Astrachan u. dem Lande der Donschen Kosacken, gegen Süden von Persien u. Türkisch Armenien begrenzt. Ciskaukasien bildet gegenwärtig das Gouvernement Stawropol, ist als solches dem Czarthum Astrachan zugetheilt u. hat bei einem Flächengehalt von 1963 QM. 540,000 Ew.; Transkaukasien, welches aus dem organisirten u. nichtorganisirten Transkaukasien besteht, hat einen Flächengehalt von 5469 QM. u. etwa 33/4 Millionen Ew. Das organisirte Transkaukasien, welches auf 3808 QM. (im J. 1851) 2, 175,000 Ew. hatte, umfaßt die Gouvernements Tiflis (das ehemalige Georgien), Katais (Imeretien u. das ehemalige Türkische Georgien), Eriwan (ehemals Persisch Armenien), Schemacha u. Derbent (die ehemalige persische Provinz Schirwan) u. das Gebiet des Schamchal in der Landschaft Daghestan, zwischen den Gouvernements Derbent u. Stawropol. Das unorganisirte Transkaukasien (1661 QM. mit 11/2 Millionen Ew.) umfaßt die Länder der Kaukasischen Bergvölker (s.d.), welche bis in die neueste Zeit großentheils unabhängig waren, aber von Rußland stets als zu seinem Gebiet gehörig betrachtet wurden. Erst seit der 1859 erfolgten Unterwerfung Schamyls (s.d.) scheinen die Russen factisch ihre Herrschaft über die Bergvölker erstrecken zu können. Die Gebiete der Bergvölker liegen theils in, theils an dem Kaukasus, hauptsächlich in dem Theil des Gebirges, welcher sich von der Kubanmündung längs der Küste des Schwarzen Meeres bis nach Imeretien u. Mingrelien hinabzieht u. von den drei Hauptstämmen der Tscherkessen od. Cirkassier, der Abchasen u. der Tschetschenzen bewohnt wird. K. hat seinen Namen von dem Gebirge Kaukasus (s.d.), welches das ganze Land in der Richtung von Nordwesten nach Südosten durchzieht u. dem Lande zum großen Theile den eigenthümlichen Charakter einer Gebirgslandschaft verleiht. Von den zahlreichen Flüssen. welche von dem Gebirge herabkommen, sind die hauptsächlichsten: Manytsch, Kuban, Rion ins Schwarze, Kuma, Terek, Koissu, Kur ins Kaspische Meer abfließend, alle auf kurzen Strecken schiffbar; Klima: auf dem Gebirge rauh, in den Niederungen mild u. überhaupt gesund; Producte: Metalle (Kupfer, Blei, Eisen), doch kaum benutzt, Steinsalz, Naphtha (an beiden Enden des Gebirges), schlammige Vulkane, Mineralwasser; die Vorberge sind dicht bewaldet (Eichen, Buchen, Wallnußbäume u.a.); viel Wild (Gemfen, Steinböcke, Argali, an einigen Stellen selbst Auerochsen), Wölfe, Schakals, Leoparden, Luchse, Kameele, Schafe, Seehunde, Fasanen (Gold- u. Silberfasanen), Schildkröten, Bienen, Seidenwürmer, viele Fische, Skorpionen, Getreide, Südfrüchte, Tarak, Gewürz- u. Farbepflanzen (Krapp), Öl, Baumwolle, Wein; Einwohner meistkaukasischer Abstammung in vielen Stämmen. Außer den schon angeführten Bergvölkern mit ihren Unterabtheilungen Kosacken, Tataren, Truchmenen, Kirgisen, Kasi-Kumyken u.[393] andere, ferner Armenier, Perser, Türken, Juden u. russische, deutsche, griechische u. schottische Colonisten; Beschäftigung: Viehzucht (fettschwänzige Schafe, vorzügliche Pferde), Jagd, Ackerbau, Seidenbau, Handwerke etc. sehr verschieden, je nach der Örtlichkeit u. dem Grade der Bildung; die wilden Gebirgsbewohner sind fast beständig im Kriege od. auf Raubzügen, theils unter sich od. gegen die Russen u. betreiben Sklavenhandel. Religion: Islam, Christenthum, Fetischismus. Die Bewohner dieser Länder standen früher unter verschiedenen Fürsten (mit mächtiger Aristokratie u. Sklaverei der Gemeinen), wurden jedoch seit dem Ende des vergangenen Jahrhunderts Rußland allmälig zinspflichtig u. unterthan; dennoch besitzen viele Khane u. Fürsten (meist mit russischem Militärrang), bes. in Daghestan u. Transkaukasien, eine mehr od. weniger beschränkte Herrschaft. Zwischen den beiden Gebieten nördlich u. südlich vom Kaukasus besteht nur eine Straße von Stawropol u. Jekaterinograd am Terek her nach Wladikawkas, durch den hohen Gebirgspaß am Kasbek über Passanur u. Ananur nach Tiflis. Außerdem ist das südliche Gebiet im Westen nur von Redut-Kaleh aus am Schwarzen Meere, od. von Baku aus am Kaspischen Meere zugänglich, von Norden her von Kislar über Tarku u. Derbent nach Baku.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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