Kette


Kette

Kette, 1) Verbindung mehrer, in einer Reihe sich folgender, ringartig (rund od. auch elliptisch) geformter Körper (Kettenglieder, Kettengelenke), von denen jedes der Mittelglieder mit dem vorherigen u. dem folgenden durch Ineinandergreifen verbunden ist. Wird das erste u. letzte Glied der K. unter sich auf gleiche Art verbunden, so wird dadurch die K. zu einer geschlossenen K. od. zu einer K. ohne Ende. Die K-n sind gewöhnlich von Metall; sie werden geschmiedet, od. gegossen, od. aus Draht od. Blech verfertigt. Die gegossenen K-n[447] werden entweder aus dem Ganzen gegossen, od. man gießt die Glieder einzeln, öffnet sie u. löthet sie nach dem Ineinanderstecken zusammen. Man hat goldene, silberne, messingene, eiserne K-n, von denen die ersteren zum Schmuck u. zur Zierrath dienen; so Hals-, Ordens-, Pfeifen-, Uhrketten. Nach dem Material od. der Gestalt u. Größe der einzelnen Gelenke unterscheidet man Draht-, Panzer- u. Erbstetten u.a. Eiserne K-n gebraucht man vorzüglich beim Feldmessen (Meßkette, s.d.); in der Landwirthschaft zum Pferdegeschirr u. zu Fuhrwerken u. unterscheidet immer hauptsächlich nach dem Gebrauch, z.B. Brust-, Hemm-, Halt-, Halfter-, Kinn-, Spann-, Kuh-, Hundeketten etc.; beim Maschinenwesen u. vorzüglich bei den Bergmaschinen heißen die K-n oft eiserne Seile; bei der Schifffahrt gebraucht man große eiserne K-n, um einen Hafen od. einen Strom zu sperren, indem man sie nahe unter der Oberfläche des Wassers am Eingang des Hafens, od. quer durch den Strom ausspannt (Hafenkette, Stromkette). Bei den größten Ketten, welche im Schiffswesen vorkommen, ist in die länglichrunden Glieder ein gußeisernes Querstück, der Steg, eingesetzt u. gibt der K. größeren Halt. An Bord werden die Ketten in vielerlei Art verwendet, für den Anker statt der Kabeltaue (Ankerketten), als Kabellaring zum Lichten des Ankers, als Wanten u. Stage auf Dampfern in der Nähe des Rauchfanges, für die Dregganker auf den Raaen, um feindliche Takellage damit zu entern (s. Dregg); Ruderketten zu beiden Seiten des Steuerruders, um dasselbe an diesen aus den Angeln (Fingerlingen) zu heben, Kettenschoten, Kettentoppenants, Kettenfallen, die in der neuesten Zeiten von Eisen statt von Hanf angefertigt werden. Bei der Vaucansonschen Bandkette haben die Glieder aus Eisen- od. Messingdraht eine zweimal rechtwinkelig umgebogene Gestalt Kette; die beiden oberen Enden werden zu Öhren umgebogen u. in den mittlern Theil der nächsten Glieder eingehängt. Sie dient wie die Gelenkketten gewöhnlich zur Übertragung der Bewegung mittelst der Kettenräder (s.d.). Bei den Gelenk- od. Laschenketten sind die Glieder stabförmig, flach, an beiden Enden mit einem runden Loche versehen; durch diese Löcher steckt man zur Verbindung von zwei auf einander folgenden Gelenktheilen Bolzen hindurch. Die Gelenktheile bestehen abwechselnd aus einem u. zwei neben einander liegenden stabförmigen Gliedern, oft aber liegen deren auch fünf bis sechs neben einander, wie bei den Kettenbrücken (s. Brücke I. A) c). 2) So v.w. Fessel, s. Geschmeide 1); 3) eine Reihe gleicher Gegenstände, als Ganzes; 4) (Kettengebirg), s. Gebirgskette unter Gebirge; 5) (Volk), mehre, gewöhnlich zusammen liegende Vögel, so Reb-, Auer-, Birk- u. Haselhühner, Trappen; 6) so v.w. Gehecke; 7) eine Reihe Quadersteine an den Ecken eines Gebäudes; 8) (Aufzug, Zettel) das horizontal über den Webstuhl gespannte Garn zur Grundlage des Gewebes. Geschlossene K. nennt man, wenn der Faden des Aufzugs in einer Linie liegt; ist sie aber durch die Fußtritte in zwei Hälften getheilt, so heißt sie Gespaltene od. Offene K. Jeder einzelne Faden der K. (Kettenfaden) muß etwas länger sein, als das Stück Zeug werden soll. Um das Garn in Fäden von gleicher Länge abzutheilen, wird es von den Spulen auf eine große Winde (Scherrahmen) aufgewunden (geschert); das eine Ende der Faden wird durch die verschiedenen Kämme u. Schäfte, dann durch das Blatt gezogen u. in dem Zeugbaume befestigt (Aufbäumen) Dadurch, daß die einzelnen Kettenfäden abwechselnd durch einen anderen Kamm gezogen werden, kann nun die K. Fach machen u. der Einschlagsfaden hindurchgeschossen werden. Dabei muß aber der Weber untersuchen, ob das Oberfach sich eben so viel erhebt, als das Unterfach niedergeht (die K. abwiegen), u. wenn dies nicht der Fall ist, die Kämme höher od. niedriger hängen. Um der K. mehr Festigkeit zu geben, wird sie gesteift, u. zwar das wollene Garn mit Wasser u. Fisch- od. Tischlerleim (K. leimen), das baumwollene Garn mit einem Brei von Stärke (K. schlichten). In der Maschinenweberei hat man besondere Schermaschinen u. Schlichtmaschinen. Wird die K. behufs der Verfertigung geflammter Zeuge bedruckt, so bedient man sich dabei der Kettendruckmaschine. 9) Stück Kattun in der Größe, wie es vom Stuhle kommt; 10) (Tanzl.), s. Chaine 3); 11) (Math.), s.u. Kettenregel.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Kette [1] — Kette, aus kurzen Gliedern zusammengesetztes, höchst gelenkiges Band aus Metall (selten aus Holz, Elfenbein etc.) zum Aufhängen und Ausziehen von Lasten (Kranketten, Uhrketten etc.), zur Fortpflanzung von Bewegungen bei Maschinen, als… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Kette — [Basiswortschatz (Rating 1 1500)] Bsp.: • Der Hund liegt an einer langen Kette …   Deutsch Wörterbuch

  • Kette [2] — Kette, bis 1884 erlaubte deutsche Bezeichnung des Dekameters = 10 m; vorher in Sachsen = 10 Feldmesser oder Geometerruten zu 182 Zoll = 42,9505 m. In Mecklenburg Schwerin gab es neben dem Feldfuß einen geometrischen Kettenfuß = 46,02 cm …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Kette — Kette, eine zur Aufnahme und Übertragung von Zugkräften geeignete Aneinanderreihung gegenseitig beweglicher Glieder. Nach dem Bau unterscheidet man Ring oder Glieder K. und Gelenk oder Flach K., letztere nur in einer Richtung beweglich. Die… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Kette — Kettenfäden; Zettel (Weberei); Handfessel; Handschelle; Fessel * * * Ket|te [ kɛtə], die; , n: 1. a) aus einzelnen beweglichen Gliedern, Teilen bestehender, wie ein Band aussehender Gegenstand aus Metall oder anderen Materialien: eine eiserne,… …   Universal-Lexikon

  • Kette — Kẹt·te die; , n; 1 eine (lange) Reihe von Ringen aus Metall, die fest aneinander hängen <die Glieder einer Kette; einen Hund an die Kette legen; ein Tier hängt / liegt an einer Kette; die Kette klirrt, rasselt>: Von der Decke hing ein… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Kette — 1. Die gülden Ketten binden härter als Eysen. – Lehmann, 126, 55. Weil sie in der Regel den Geist in Banden legen, d.i. unfähig machen, nach seiner besten Ueberzeugung zu handeln. 2. Die Kette allein macht kein Gewebe. Engl.: To make woof or warp …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Kette — Diese Seite wird derzeit im Sinne der Richtlinien für Begriffsklärungen auf der Diskussionsseite des Wikiprojektes Begriffsklärungen diskutiert. Hilf mit, die Mängel zu beseitigen, und beteilige dich an der Diskussion! Hinweise zur Überarbeitung …   Deutsch Wikipedia

  • Kette — die Kette, n (Grundstufe) Schmuck, der um den Hals getragen wird Synonym: Halskette Beispiele: Sie trug eine silberne Kette um den Hals. Die Kette hat einen großen Wert. die Kette, n (Aufbaustufe) eine Reihe aus beweglichen, ineinandergefügten… …   Extremes Deutsch

  • Kette — Über die Kette springen: sich verheiraten. Die Metapher wird u.a. im Schweizer Kanton Waadt gebraucht, wo der Bräutigam z.B. in Leysin über die vor der Kirchentüre ausgespannte Kette springen mußte. Er überreichte danach den Burschen Geld oder… …   Das Wörterbuch der Idiome