Kolchis

Kolchis

Kolchis (a. Geogr.), Landschaft in Asien, zwischen dem Kaukasos, Iberien, Armenien, Pontos, dem Korax u. Schwarzen Meer, also das jetzige Mingrelien u. Abchasien; Flüsse: Phasis, Korax; Prodnete: Schiffbauholz, Hanf, Wachs, Pech; Gold fand man in Flüssen. Die Kolchier (Kolchi, in der römischen Zeit Lazier genannt) waren armenischen, nach Anderen ägyptischen Ursprungs (s. unten), lebten sehr mäßig, meist von Buchweizen, u. handelten vorzüglich mit der von ihnen selbst verfertigten u. im Ausland berühmten Leinwand. Zu ihren zahlreichen Stämmen gehörten die Machelones, Heniochi, Zydretä, Lazi, Apsilâ, Abasci, Sanigä, Koraxi, Koli, Melanchtâni, Geloni, Suani, Moschi, Bruchi etc. Städte in K. waren: Dioskorias, Sarapana, Surion, Archäopolis, Kurelision. Der Name K. kommt erst im 5. Jahrh. v. Chr. bei den Griechen vor, früher hieß das Land Äa, eigentlich Name der Residenz des mythischen Königs Äetes, welcher im Besitz des von dem Kolchischen Drachen (s. Drache) bewachten Goldenen Vließes war, nach welchem der Argonautenzug (s.d.) unternommen wurde, obgleich vielfach bezweifelt wird, daß sich dieser Zug bis dahin erstreckt habe. Nach der Sage ging auch der Zug des Ägyptierkönigs Sesostris bis hierher, u. von einer, von demselben zurückgelassenen Colonie wollten die Kolchier abstammen, u. die Späteren fanden eine Bestätigung dieser Sage in dem dunkeln u. krausen Haar, der Ähnlichkeit der Sprache u. Sitten, namentlich der Beschneidung u. Leinwandbereitung. Sie standen nachmals unter der Herrschaft der Perser, dann der Könige von Pontos u. fochten für Mithridates u. wurden von den Römern besiegt; indeß gaben diese das Land dem Pontischen König zurück. Später gehörten sie unter römische Herrschaft, doch zahlten sie den Römern blos Tribut u. waren frei; diese legten, bes. seit Trajan, Castelle u. Factoreien an der Küste an; auch die Byzantiner erhielten am Phasis ein Castell, u. die Kolchier wurden wegen Mangels an Salz von den Byzantinern in Abhängigkeit erhalten. Als der Kolchierkönig Gubazes von Justinian übermüthig behandelt wurde, schloß er 542 mit Khosroës, König von Persien, ein Bündniß gegen jenen. Doch von diesem treulos u. noch übermüthiger behandelt, kehrte er 549 zu Justinian zurück. Darüber brach zwischen Justinian u. Khosroes der Kolchische Krieg (Lazische Krieg) aus. Justinian schickte den Dagisteus zur Vertreibung der Perser vom Schwarzen Meere ab, u. dieser eröffnete den Krieg mit der Belagerung von Petra (549–551). So lange Mermeroes die Perser befehligte, waren sie siegreich, aber sein Nachfolger Nakoragan erlitt eine schimpfliche Niederlage. Als Gubazes auf Justinians Befehl, bei dem er verläumdet worden war, 556 meuchlings ermordet worden war, wurde, nach langen fruchtlosen Unterhandlungen u. fortdauernden Verheerungen, Friede geschlossen, in welchem Khosroes dem Besitz von Kolchis entsagte. Das Land kam nachher an die Könige von Georgien.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

См. также в других словарях:

  • Kolchis — Kolchis, bei den Alten Name eines Landes an der Ostküste des Schwarzen Meeres (Pontus Euxinus), den Uferlandschaften des heutigen Imerethi und Mingrelien entsprechend. K., berühmt als sagenhafte Heimat der Medea und als Ziel der Argonauten (s.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Kolchis — Kolchis, Landsch. Asiens, an der Ostküste des Schwarzen Meers, etwa das heutige russ. Gouv. Kutais mit der türk. Landsch. Trapezunt, das sagenhafte Vaterland der Medeia und das Ziel der Argonauten, Hauptstrom der Phasis, Hauptstadt Dioskurias… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Kolchis — Kolchis, bei den Alten Landschaft am schwarzen Meere südlich vom Kaukasus, am Strome Phasis, das heutige Imiretien und Guriel, das Ziel der Argonautenfahrt. Die historische Hauptstadt war Dioskurias, später Sebastopolis …   Herders Conversations-Lexikon

  • Kolchis — Kaukasus Region 290 v. Chr., der Staat Kolchis in Grün. Kolchis (altgriechisch Κολχίς; lasisch/mingrelisch Κolcha; georgisch კოლხეთი …   Deutsch Wikipedia

  • Kolchis — Kọlchis   die, fruchtbare Anschwemmungsebene in Georgien, beiderseits des unteren Rioni zwischen Großem und Kleinem Kaukasus, erstreckt sich vom Schwarzen Meer 90 km landeinwärts. Das subtropische, feuchtwarme Klima erlaubt den Anbau von Tee,… …   Universal-Lexikon

  • Kolchis — Kọl|chis, die; (antike Landschaft am Schwarzen Meer) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Kolchis-Kultur — Prähistorische Kulturen Russlands[1] Mittelsteinzeit Kunda Kultur 7400–6000 v. Chr. Jungsteinzeit …   Deutsch Wikipedia

  • Koban-Kolchis-Kultur — Die Koban Kultur ist eine spätbronzezeitliche und eisenzeitliche Kultur im Norden des Kaukasus. Sie wurde nach dem 1869 im Dorf Verchni Koban in Nordossetien entdeckten Gräberfeld benannt, das ungefähr 600 Bestattungen umfasste. Besondere… …   Deutsch Wikipedia

  • Колхида — (Kolchis; местное название Эгриси)         греческое название исторической области Западная Грузия. Дано античными авторами в начале 1 го тысячелетия до н. э. территориям юго восточного и восточного Причерноморья по наименованию живших здесь… …   Большая советская энциклопедия

  • Geschichte Georgiens — Die Geschichte Georgiens kann sich seit dem Mittelalter auf Schriftquellen stützen, frühere Perioden sind vor allem durch archäologische Funde bekannt. Wappen Georgiens Inhaltsverzeichnis …   Deutsch Wikipedia


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