Kopfarterien


Kopfarterien

Kopfarterien (Carotides), zwei große Arterien, durch welche, auf der linken Seite unmittelbar aus der Aorta, auf der rechten aus einem dieser Arterie u. der Schlüsselbeinarterie gemeinschaftlichen Stamme (daher Gemeinschaftliche K., Carotis communis), der Kopf, nebst dem Halse, den größeren Theil des ihm nöthigen Blutes zugeführt erhält. Man kann mit dem neben dem Kehlkopf stark angelegten Finger ihr Klopfen deutlich fühlen, ja dieses bei mageren Personen oft erblicken. Von dieser Stelle aus spaltet sie sich in zwei große Aste: A) Die äußere K. (C. externa), versorgt die äußeren Theile des Halses u. Kopfes, bes. die Gesichtstheile, von den Gehirntheilen aber nur die harte Hirnhaut (s.d.) mit Blut u. gibt in ihrem Verlauf folgende als eigene Arterien unterschiedene Äste ab: a) die obere Schilddrüsenarterie[702] (Arteria thyreoidea superior), welche, außer Zweigen für die Schilddrüse selbst, den Schlundkopf u. mehre Halsmuskeln, auch die Kehlkopfsarterie (Art.), doch nicht einzig für den Kehlkopf abgibt; b) die Zungenarterie (A. lingualis). welche, nachdem sie Zweige in Zungenmuskeln abgegeben hat, sich in drei Zweige für die Zunge selbst auf jeder Seite spaltet: die Zungenrückenarterie (A. dorsalis linguae), für den oberen, die Unterzungenarterie (A. sublingualis), für den unteren Theil der Zunge, u. die Seitenzungenarterie, welche vorwärts den Namen Froscharterie (A. ranina, vgl. Froschadern) führt; c) die äußere Maxillararterie (A. maxillaris externa), welche in der Gegend des Winkels des Unterkiefers abgebend vielfach am Halse u. im Gesicht sich vertheilt, so. aa die aufsteigende Gaumenarterie (A palatina ascendens), für den Gaumen u. benachbarte Theile; bb) die Mandelarterie (A. tonsillaris), meist für die Mandeln, s.d. (Anat.); cc) die Unterkinnarterie (A. submentalis), für Theile unter dem Kinn abgibt; dd) als eigentliche Gesichtsarterie (A. facialis), aber dann der fortgesetzte Stamm selbst (daher auch diese denselben Namen führt); indem sie sich über den Rand des Unterkiefers nach dem Gesicht zu umschlägt, ist beim Auflegen des Fingers hier ein Klopfen deutlich fühlbar; unter mehreren Zweigen, welche sie dann im Gesicht gibt, zeichnen sich die die Unter- u. Oberlippe kranzförmig umgebenden Arterien (Kranzarterien, A. coronariae labii inferioris et superioris) u. die Augenwinkelarterie (A. angularis, vgl. auch Angulararterie 1), als ihr Ende aus; auch die aufsteigende Schlundkopfarterie (A. pharyngea ascendens), meist für den Schlundkopf; d) die Hinterhauptsarterie (A. occipitalis), in Muskeln am Hinterhaupte u. im Nacken sich zertheilend, doch gewöhnlich auch eine hintere Gehirnhautsarterie (A. meningea postica) abgebend, welche durch ein Zitzenloch zum hinteren Theil der harten Gehirnhaut gelangt; häufig gibt sie auch die Griffelzitzenarterie (A. stylomastoidea) durch das Griffelloch ab, die von da aus in den Fallopischen Kanal tritt, wo sie sich in dem inneren Ohr verzweigt, wenn diese Arterie nicht, wie noch öfter, aus der e) hinteren Ohrarterie (A. auricularis posterior) entspringt, welche Theilen in der Ohrgegend, hinterwärts, Blut zuführt; f) die Schläfearterie (A. temporalis), einer der Hauptäste, in welche sich die äußere K. zuletzt hinter dem hinteren Rande des Astes des Unterkiefers spaltet, der, nach Abgabe mehrerer Seitenzweige, als aa) der Zwerchgesichtsarterie (A. transversa faciei), nach dem vorderen Theil des Gesichts hin, u. bb) u. cc) der unteren u. der vorderen Ohrarterie (A. auricularis inferior et anterior). in die Ohrgegend, auch dd) die mittlere Schläfearterie (A. temporalis media), welche noch unterhalb u. hinter dem Jochbogen sich in den Schläfemuskel u. nahe Theile verzweigt, ee) die obere Ohrarterie (A. auricularis superior), an die äußere Ohrtheile u. Ohrmuskeln abgibt, u. endlich über dem Jochbogen der Haut näher gelangt, als ff) eigentliche Schläfearterie dem angelegten Finger durch ihr Klopfen fühlbar ist, auch wohl durch Erheben der Haut auf dieser Stelle dem Gesicht sich andeutet, sich aber noch, in einen äußeren u. inneren Ast getheilt, als vordere od. äußere u. als hintere od. innere Schläfearterie (A. temporalis anterior s. externa; A. temporalis posterior s. interna), sich weiter in der Schläfegegend verbreitet; g) die innere Maxillararterie (A. maxillaris interna), als der zweite, gewöhnlich noch stärkere Ast der endlichen Spaltung der äußeren K., welcher sich bes. in den inneren Theilen beider Kiefer verbreitet u. namentlich folgende, als eigene Arterien unterschiedene Zweige abgibt: aa) die tiefe Ohrarterie (A. auricularis profunda), bes. an den Gehörgang; bb) die Paukenarterie (A. tympanica), in die Paukenhöhle (s.u. Ohr) eindringend; cc) die mittlere Gehirnhautarterie (A. meningea media). welche durch das Stachelloch des Keilbeins in den Hirnschädel tritt u. der harten Hirnhaut, hier sich in zwei Ästen baumförmig verbreitend, den größeren Theil des ihr nöthigen Blutes zuführt; dd) die tiefe Schläfearterie (A. temporalis profunda), welche häufig auch doppelt, ja dreifach ist u. unter dem Jochbogen in den Schläfemuskel u. die benachbarten Theile sich verzweigt ee) die untere Zahnfächerarterie (A. maxillaris inferior), die, nach Abgabe kleiner Muskelzweige, in den Zahnfächerkanal des Unterkiefers tritt u. vornehmlich die Zähne des Unterkiefers mit Blut versorgt; ff) die Kaumuskelarterie (A. masseterica), für den Masseter; gg) die Backenarterie (A. buccalis), für die Gegend des Backens; hh) die obere Zahnfächerarterie (A. alveolaris superior), deren Hauptbestimmung ist, den Zähnen des Oberkiefers Blut zuzuführen; ii) die Unteraugenhöhlenarterie (A. infraorbitalis), welche durch den Unteraugenhöhlenkanal des Oberkiefers hindurch, von hier aus viele kleine Zweige zur Augen- u. Nasenhöhle, häufig auch an die vorderen Zähne abgebend, in das Gesicht tritt u. in Gesichtsmuskeln sich vertheilt; kk) die herabsteigende Gaumenarterie (A. palatina descendens), für den Gaumen u. angrenzende Theile; von der aaa) die vordere Gaumenarterie (A. palatina antica), mit ferneren Verzweigungen zur Nasen- u. Oberkieferhöhle, u. bbb) die Oberschlundkopfsarterie (A. pharyngea suprema), welche durch den Vidianischen Kanal rückwärts zu den Muskeln des Gaumenvorhangs u. den obersten Theilen des Schlundkopfs geht, Zweige sind; ll) die hintere Nasenarterie (A. nasalis posterior). welche durch das sphenopalatinische Loch in die Nasenhöhle geht u. hier, wie auch in die hinteren Riechbeinzellen, die Keilbeinhöhle etc. sich verzweigt. Alle diese Arterien, nebst ihren Verzweigungen, unterliegen aber mehreren Verschiedenheiten ihres Ursprungs u. ihrer Verbreitung, so daß kaum ein. Haupttypus aufzustellen, wenigstens nicht durchzuführen ist. B) Die innere K. ist zunächst dem Gehirn bestimmt, s. Gehirnarterien.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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